Spuk

Ausstellung für Mutige: Luzerner Museum lehrt das Gruseln

Historisches Museum vermittelt Luzerner Gruselgeschichte

Schaukelnde Puppen, baumelnde Beine und krabbelnde Hände: Spuk im Historischen Museum in Luzern.

Das Historische Museum Luzern lässt es neuerdings im Estrich spuken. Im Dachstock ist pünktlich zu Halloween ein Geisterhaus entstanden, wo in halbstündigen Touren vier historische Begebenheiten kindergerecht im Geisterbahnstil inszeniert werden. Werwolf inklusive.

Aus dem Skelett hängen Gedärme, oben unter dem Dach des Museums an der Reuss in Luzern. «Hier ist der Warteraum», sagte Walti Mathis, Leiter Vermittlung beim Historischen Museum. Er ist verantwortlich für die neue Attraktion des Hauses, die am Donnerstag erstmals an Kindern ausprobiert wurde.

Den dritten Stock des Gebäudes haben die Ausstellungsmacher umgebaut, er wird künftig als Eventraum für Familien genutzt. Den Auftakt macht das Geisterhaus, das den ganzen November hindurch jeweils an drei Nachmittagen in der Woche geöffnet ist.

Jugendguides führen Gruppen von rund zehn Kindern ab Schulalter vom Warteraum ins Gruselkabinett, der erste von drei Räumen des Geisterhauses. Es ist dunkel, von der Decke baumeln zwei Beine, ein Sarg steht in der Ecke und auf einem Schaukelpferd wippt zu Spieldosenmusik eine blonde Puppe mit leuchtenden, blutenden Augen.

Mehr Werwölfe

In dieser Einstieg- und Wartezone will man die Kinder in die Geisterwelt hereinholen. Er stelle sich, sagte Mathis und öffnet die Türe, immer die Frage, wie er die Kinder ins Museum bringe. «Werwölfe» hätten diese einst gefordert.

Der Volkskundler und langjährige Museumsmitarbeiter Kurt Lussi habe ihn auf ein Gerichtsurteil aus dem 17. Jahrhundert aufmerksam gemacht, wonach im Entlebuch ein Mann zum Tode verurteilt wurde, weil er sich in einen Werwolf verwandelt habe. Das Urteil habe man im Archiv gefunden, die historisch verbriefte Anekdote ist eine der vier Stationen im Geisterhaus.

«Man sagt, es gibt Menschen, die sich bei Vollmond in Wölfe verwandeln», donnert eine Stimme aus den Lautsprechern hinter den Waldkulissen. Plötzlich leuchten zwei rote Augenpaare auf. Ton- und Lichtinstallationen untermalen die Erzählung über den bemitleidenswerten Entlebucher, der nach harter Folter gestanden haben soll, er habe sich in einen Wolf verwandelt und zwei Schafe gerissen.

Tsunami, Mordnacht und Drache

Der Tsunami anno 1601, den das Gebäude des heutigen Museums überstand, wird ebenso lebendig geschildert wie zwei Sagen: Jene der Luzerner Mordnacht, wonach ein Knabe die Pläne der Anhänger Österreichs vereitelte, die im 14. Jahrhundert Luzerner Eidgenossen überfallen wollte, und jene der Drachenhöhle auf dem Pilatus.

Das neue Angebot soll einerseits Spass und Unterhaltung bieten und habe gleichzeitig den Anspruch, Luzerner Volkskultur zu vermitteln. Es wird im nächsten Jahr erneut im November aufgebaut. Der Umbau und die Ausstellung kosteten rund 20'000 Franken.

Das Geisterhaus ist ab dem 2. November jeweils am Mittwoch, Samstag und Sonntagnachmittag zugänglich und der Preis im Ticket inbegriffen. Am Ende der historischen Geisterhalbstunde erhalten die Kinder ein Blatt Papier mit Informationen zu den erlebten Geschichten in die Hand gedrückt.

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