Wallis ist Schlusslicht

Ihre Kantonsleute machen der neuen Verteidigungsministerin Viola Amherd keine Ehre: Die Walliser fallen bei der Aushebung am häufigsten durch. Nur gerade 58.8 Prozent aller Stellungspflichtigen ihres Heimatkantons sind militärdiensttauglich, wie aktuelle Zahlen zeigen. Beim Spitzenreiter Obwalden sind es ganze 83.8 Prozent. Der schweizweite Schnitt liegt bei 69.5 Prozent.

Ländlich, konservativ, deutschsprachig

Der zweisprachige Bergkanton Wallis passt damit nur bedingt in gängige Erklärungsmuster: Besonders häufig rücken gemäss Studien nämlich junge Männer aus ländlichen, konservativ geprägten Deutschschweizer Kantonen in die Rekrutenschule ein. In grösseren Städten mit eher liberal/progressiv ausgerichteten Bürgern sowie in der Westschweiz hingegen finden deutlich weniger den Weg zum Militär.

Mit Schuhproblemen zu kämpfen

Das war im Übrigen nicht immer so. Noch bis weit ins 19. Jahrhundert hinein leisteten vor allem junge Männer aus den Städten Wehrdienst. Ihre Altersgenossen vom Land waren schlechter ernährt, hatten aufgrund der strengen körperlichen Arbeit Haltungsschäden und bekundeten - da meist barfuss oder höchstens in Holzschuhen unterwegs - Mühe, längere Märsche in den geschlossenen Militärschuhen zu absolvieren.

Frauen fast gleichauf

Knapp 400 Frauen meldeten sich im vergangenen Jahr freiwillig zum Stellungstag. Ihre Tauglichkeitsquote liegt mit 68.5 Prozent fast gleichauf mit jener der Männer. Und dies, obwohl ihnen bei der Aushebung nichts geschenkt wird: Vom Medizinballstossen bis zum Ausdauertest und dem Standweitsprung müssen sie gleich viel leisten wie ihre männlichen Mitanwärter. Allerdings melden sich die Frauen freiwillig zur Aushebung, was vermuten lässt, dass sie motivierter sind und sich besser darauf vorbereiten.

Höchster Wert seit 2002

Mit einer Tauglichkeitsquote von 69.5 Prozent wurde 2018 ein Rekordwert erzielt. In den 90er-Jahren waren die Zahlen zwar mit über 80 Prozent noch deutlich höher. Nach der Einführung der Armee XXI Anfang der 00-er Jahre brachen die Zahlen aber ein. Die Rekrutierung wurde damals von einem auf drei Tage verlängert und mit einem psychologischen Test ergänzt. Zudem wurde die Kategorie «zivilschutztauglich» eingeführt.

Tiefere Anforderungsprofile

Eine eindeutige Begründung für den aktuellen Anstieg hat die Armee nicht. Armee-Sprecher Stefan Hofer nennt als einen möglichen Grund, «dass das Thema Sicherheit und Militär in den vergangenen Jahren im Bewusstsein der Bevölkerung einen grösseren Stellenwert erhalten hat». Dies belege auch die jährliche Studie Sicherheit der ETH Zürich. Eine gewisse Rolle könnte laut Hofer auch die 2018 neu eingeführte «Differenzierte Zuteilung» sein, bei welcher die Anforderungsprofile an verschiedene Funktionen der Armee angepasst respektive gesenkt wurden.

214 fallen bei Sicherheitsprüfung durch

214 Personen bestanden die Personensicherheitsprüfung nicht. Sie werden als mögliches Risiko für sich oder ihr Umfeld eingestuft, weshalb ihnen keine Armeewaffe ausgehändigt werden kann. Folglich können sie auch keinen Militärdienst leisten.

Rückenschmerzen und Drogenkonsum

Am häufigsten sind Stellungspflichtige aufgrund von psychischen Problemen nicht diensttauglich, oft aufgrund von Anpassungs- und Angststörungen oder wegen Drogenkonsums. Bei den körperlichen Ursachen stehen Defizite im Bewegungsapparat im Vordergrund, insbesondere Kniegelenks- und Rückenprobleme. Häufig liegt gemäss Armee-Sprecher Hofer eine Kombination von psychischen und körperlichen Gründen vor.

Von Roger Federer bis Stéphane Lambiel

Zum Schluss ein Trost für alle Untauglichen: Auch wer bei der Armee durchfällt, kann sportlich noch durchstarten. Sowohl der Tennis-Star Roger Federer als auch der ehemalige Eiskunstläufer Stéphane Lambiel wurden von der Armee als untauglich eingestuft. Vor zehn Jahren berichtete zudem die Zeitung «Sonntag», dass in der Schweizer Fussballnati gerade einmal zwei Stammspieler Militärdienst geleistet hätten - nämlich Alex Frei und Stéphane Grichting.