Sie haben dem Land zu seinem Namen verholfen, das Taschenmesser erfunden und die Pauschalsteuer populär gemacht. Jetzt sollen sich die Schwyzer als Erste gegen die Kinder- und Erwachsenenschutzbehörde, kurz Kesb, an der Urne zur Wehr setzen. So will es der SVP-Nationalrat Pirmin Schwander. Der Ökonom ist der schärfste Kritiker des professionalisierten Vormundschaftswesens in der Schweiz. Am 21. Mai wird in seinem Heimatkanton über eine von ihm lancierte Volksinitiative abgestimmt.

Schwander fordert, dass die Kesb künftig von den Gemeinden geführt wird. Heute ist der Kanton dafür zuständig. Mit dem Wechsel soll der Kurs der Kesb korrigiert werden. Damit wird die erste kantonale Abstimmung zum nationalen Testlauf für die viel kritisierte Behörde.

Die Kesb ist ein Reizthema. Bis Ende 2012 war die Vormundschaftsbehörde jeder Gemeinde für entsprechende Fälle verantwortlich, in den Gremien sassen Laien. Heute kümmern sich Fachleute der Kesb darum: Sozialarbeiter, Psychologen, Juristen. Der Systemwechsel war die Folge einer weitgehend unumstrittenen Gesetzesrevision. Und trotzdem werden der Kesb, die sie sich mit so hochemotionalen Themen wie Beistandschaften und Unmündigkeit beschäftigt, nun Inkompetenz und Willkür vorgeworfen.

«Keine Schreibtischtäter»

«Ein Teil der Fälle wird von der Kesb schlicht weltfremd abgewickelt», sagt Pirmin Schwander. Abschaffen will er die Behörde zwar nicht. Aber er verlangt, dass ihre Entscheide «näher beim Bürger» gefällt werden. Und während in Schwyz nun die erste Abstimmung bevorsteht, plant der SVP-Mann schon eine nationale Volksinitiative. Deren Ziel ist es, dass Grosseltern, Geschwister und Kinder ihre Angehörigen in Rechtsgeschäften uneingeschränkt vertreten dürfen. Im Mai startet voraussichtlich die Unterschriftensammlung.

Der Bundesrat hat bereits darauf reagiert und veröffentlichte jüngst einen Bericht zur Kesb. Darin wird den Behörden ein gutes Zeugnis ausgestellt.

Ebenso positiv äussern sich auch Fachleute zur Arbeit der Kesb. Der emeritierte Rechtsprofessor Christoph Häfeli begleitete die Gesetzesrevision als Experte. Die Kesb stehe andauernd vor schweren Entscheidungen, sagt er. «Dabei geht oft vergessen, dass die Behördenmitglieder keine Schreibtischtäter sind. Sie treffen ihre Abklärungen wenn nötig vor Ort, im sozialen Umfeld der Betroffenen.» Gerade der Anhörung von Kindern werde dabei deutlich mehr Gewicht beigemessen als früher. Häfeli erinnert daran, dass Gemeinden erleichtert waren über die Professionalisierung. «Mit den Aufgaben waren viele zunehmend überfordert.»

Tatsächlich betonen auch die Schwyzer Fürsorgebehörden unisono, dass sie beim jetzigen System bleiben wollen: Die meisten Gemeinden seien kaum mehr in der Lage, eine Vormundschaftsbehörde zu führen. Ohnehin sei das Ergebnis nach Zusammenschlüssen praktisch das gleiche, warnt der Schwyzer CVP-Nationalrat Alois Gmür. Der Co-Präsident des gegnerischen Komitees sagt, Schwander verkaufe seine Initiative als Allzwecklösung. «Sein Engagement hat fast schon missionarischen Eifer angenommen. Er sieht nur die schlechten Seiten der Kesb.»