Ärzte: CSS verhindert Managed Care

Die CSS wolle über Managed Care nicht verhandeln, sagen die Argomed-Ärzte. Der Krankenversicherer bestreitet dies. Ein Streit auf dem Buckel der Patienten.

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Arzt mit Kind

Arzt mit Kind

Keystone

Sven Millischer

Gross war der Ärger beim überkantonalen Ärztenetzwerk Argomed, als CSS-Chef Georg Portmann im Interview mit dieser Zeitung Ende Juni bemerkte: «Es finden sich leider noch nicht genügend Ärzte, die Managed-Care-Verträge mit den Krankenversicherern abschliessen wollen.» Hatte doch die Managed-Care-Dienstleisterin Argomed nach eigenen Angaben mehrmals vergeblich versucht, mit der Krankenkasse ins Geschäft zu kommen. «Nun den Ärzten zu unterstellen, sie organisieren sich nicht in Netzwerken, ist schlicht und einfach eine Lüge», sagt Andreas Weisshaar, Leiter Managed Care beim Ärztenetzwerk, das in den Kantonen Aargau, Zug, Solothurn und Bern aktiv ist.

Verhandlungen abgebrochen

Nach zähen, zweijährigen Verhandlungen seien die Verträge im letzten Herbst praktisch unterschriftsreif gewesen. Diese sahen unter anderem eine gestaffelte Einführung der Budgetverantwortung für die Ärzte vor.

Doch dann habe die CSS plötzlich die Verhandlungen abgebrochen: «Es hiess, die Informatikabteilung sei nicht in der Lage, das vereinbarte Managed-Care-Modell durchzurechnen», sagt Weisshaar. Dies sei schlicht nicht hinnehmbar: «Wenn die Kasse nicht in der Lage ist, die statischen Daten korrekt zu erheben, dann fehlt uns die Grundlage für Kopfpauschalen.» Seither herrsche Funkstille seitens des zweitgrössten Krankenversicherers.

Ganz anders die Version der CSS: Argomed habe bereits im Jahr 2008 einen Zusammenarbeitsvertrag abgelehnt, so Pressesprecher Stephan Michel. «Ende letzten Jahres haben wir deshalb wieder das Gespräch mit dem Ärztenetzwerk gesucht. Bislang ohne Ergebnis.» Die CSS sei aber nach wie vor bereit, über einen Managed-Care-Vertrag mit Argomed zu verhandeln.

Gute Risiken anlocken

Das integrierte Versorgungsmodell ist nur ein Zankapfel zwischen Ärztenetzwerk und dem Krankenversicherer. Sauer stösst Andreas Weisshaar von Argomed auch das Versicherungsangebot «Profit» der CSS auf, bei dem der Patient immer zuerst seinen persönlichen Hausarzt aufsuchen muss, der dann gegebenenfalls eine Überweisung zum Spezialisten oder ins Spital macht.

Allein im Kanton Aargau sind über 10000 CSS-Kunden bei «Profit». «Ein Pseudomodell», meint der Allgemeinmediziner Weisshaar. Der Kasse gehe es damit nur um die Risikoselektion: «Mit einem Prämienrabatt von zehn Prozent werden vor allem Junge und Gesunde angelockt, um das ältere Patientenkollektiv der CSS aufzufrischen.» Doch mit «Profit» spare die Kasse keinen Franken, so Weisshaar.

Denn im Gegensatz zu «echten» Managed-Care-Modellen trägt der Arzt beispielsweise keine Budgetverantwortung, die mit einer allfälligen Überschussbeteiligung Anreize für eine möglichst effiziente und Erfolg versprechende Behandlung schaffen würde. Auch erhalten die Ärzte keine separate Entschädigung für Überweisungsleistungen.

Boykott der CSS

Argomed, aber auch das Ostschweizer Netzwerk Eastcare raten deshalb ihren angeschlossenen Ärzten, die Hausarztversicherung der CSS zu boykottieren. Und zwar, indem die Überweisung eines «Profit»-Patienten zum Spezialisten der Krankenkasse nicht gemeldet wird. «Das Patientenmodell der CSS sieht keinerlei Rechte und Pflichten für die Ärzte vor», meint Weisshaar lapidar.
Damit aber wird der Knatsch zwischen Versorger und Versicherer auf dem Buckel der Patienten ausgetragen. Denn ohne Übertrittsformular deckt die CSS den Besuch beim Spezialarzt nicht ab.

Zwar versichert Pressesprecher Michel, dass im Zweifelsfall die Leistungen für «Profit»-Patienten trotzdem übernommen würden. Doch der Druck auf die CSS steigt, eine tragfähige Lösung zu finden - mit oder ohne Hausärzte.

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