Armee
Kampfjets kosten eine Milliarde mehr als zunächst kommuniziert: Was sind die Gründe?

Mitte 2027 sollen die USA die ersten der insgesamt 36 F-35-Kampfjets liefern. Die Kosten betragen sechs Milliarden Franken. Ende Juni sprach das Verteidigungsdepartement noch von fünf Milliarden. Linksgrüne Kreise wollen den Kauf des US-Kampfjets mit einer Initiative bodigen. Sie haben bereits 60'000 Unterschriften gesammelt.

Kari Kälin
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Ein F-35 während einer Evaluation am Flughafen Payerne.

Ein F-35 während einer Evaluation am Flughafen Payerne.

Peter Klaunzer/Keystone

Für den Bundesrat war es eine Zitterpartie. Mit 50,1 Prozent Ja-Stimmen hiess das Volk im September vergangenen Jahres den Kauf neuer Kampfflieger gut. Mickrige 8500 Stimmen gaben den Ausschlag.

Das Drama um den Schutz des helvetischen Luftraums hält an. Ende Juni kündigte Verteidigungsministerin Viola Amherd an, die Armee werde für 5 Milliarden Franken 36 Flieger des Typs F-35 des amerikanischen Herstellers Lockheed Martin beschaffen. Zu teuer im Unterhalt, zu gross, ein «Luxus-Spielzeug», echote es aus armeekritischen Kreisen.

Ende August lancierte ein Komitee, bestehend aus der Gruppe für eine Schweiz ohne Armee (Gsoa), SP, Grünen und Jungen Grünen eine Volksinitiative, um den Kauf des F-35 mittels erneuter Volksbefragung zu vereiteln. 60'000 Unterschriften sind bereits gesammelt. Die nächste Kampfjetabstimmung könnte Ende 2022 auf der Agenda stehen.

«Wir haben keinen Plan B»

Was tut die Schweiz, wenn das Volk den F-35 verschmäht? «Wir haben keinen Plan B», sagte Marc Siegenthaler, stellvertretender Generalsekretär des Verteidigungsdepartements (VBS), am Freitag an einer Medienkonferenz zur Beschaffung des F-35. Das VBS präsentierte die Eckwerte zum Verpflichtungskredit, den es dem Parlament vorlegen wird. Anders als im Juni rechnete es dieses Mal die Teuerung bis 2030 – bis dann sollen die letzten Exemplare geliefert sein – mit ein.

Das bedeutet: Die Kampfjets werden 6 Milliarden Franken kosten. Damit wird das höchst mögliche Kostendach um 300 Millionen Franken unterschritten. Für weitere 2 Milliarden Franken will der Bundesrat das amerikanische Raketenabwehrsystem Patriot beschaffen. Ende 2022, so der Plan, soll das Parlament die Verpflichtungskredite absegnen. Die Verträge mit der US-Regierung für das insgesamt 8 Milliarden Franken schwere Beschaffungspaket sind bereinigt. Mitte 2027 sollen erste Flieger des Typs F-35 in die Schweiz geliefert werden.

Am Mediengespräch wiederholten die VBS-Vertreter, was sie bereits Ende Juni bei der Typenwahl verkündet hatten, um laut gewordene Zweifel zu zerstreuen: Der F-35 weise das beste Kosten-Nutzen-Verhältnis auf. Er sei über die ganze Lebensdauer inklusive Betriebskosten bis 2060 (rund 15,5 Milliarden Franken) zwei Milliarden Franken billiger als der Konkurrent, der bei der Evaluation auf Rang zwei landete.

Zur Erinnerung: Die Armee muss für die Verteidigung des Luftraums und den Luftpolizeidienst die F/A-18-Kampfjets ersetzen, die 2030 ausgemustert werden. Neben dem F-35 waren auch die französische Rafale des Herstellers Dassault, der Eurofighter (Airbus, Deutschland) und der F/A-18-Super-Hornet aus Amerika im Rennen.

Während die «Stop F-35»-Initianten mit Verweis auf Erfahrungen aus dem Ausland vor höheren Betriebskosten warnen, behauptete auch US-Senator Tim Kaine (Demokraten), billigere Angebote hätten auf dem Tisch gelegen. Er wunderte sich, weshalb sich die Schweiz für die «teurere amerikanische Technologie» entschieden habe. Eine Anfrage von CH Media, worauf seine Aussagen basieren, liess er indes unbeantwortet.

Fixpreisgarantie für die ersten zehn Betriebsjahre

Darko Savic, Projektleiter Neues Kampfflugzeug.

Darko Savic, Projektleiter Neues Kampfflugzeug.

Bild: Anthony Anex/Keystone

Ganz viele Antworten musste am Freitagmorgen Darko Savic, Projektleiter Neues Kampfflugzeug vom Rüstungsbeschaffungsamt Armasuisse, liefern. Die zentrale Frage lautete: Wer übernimmt den finanziellen Mehraufwand, falls die Betriebskosten höher ausfallen als kalkuliert? Die Antwort: In den ersten zehn Jahren, in denen der F-35 im Einsatz steht, sind das die USA.

Die Schweiz hat für diesen Zeitraum eine Fixpreisgarantie erhalten. Das bedeutet: Das VBS muss nicht mehr Geld als in der verbindlichen Offerte vorgesehen in die USA überweisen. Ab 2040 liegt das Risiko bei der Schweiz. Savic geht aber davon aus, dass das Kostendach von 15,5 Milliarden Franken nicht überschritten wird. Man habe die weiteren Betriebskosten auf der Basis der ersten zehn Betriebsjahre erstellt.

Die Betriebskosten können laut Savic gedrückt werden, weil es für den F-35 weniger Flugstunden benötige und vieles auf dem Simulator trainiert werden könne. Vorgesehen sind jährlich 5000 Flugstunden. Aktuell zischen die Kampfjets während 8000 Stunden durch die helvetischen Lüfte.

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