Mobilfunkantenne
Antenne strahlt bis ins Kleinbasel

Mit Einsprachen wollen Betroffene eine Mobilfunk-Antenne verhindern. Sie fordern unter anderem, dass die Abstimmung zur «Antennen-Wildwuchs»-Initiative abgewartet wird.

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St. Johanns-Platz

St. Johanns-Platz

bz Basellandschaftliche Zeitung

David Weber

5000 Flyer und vorformulierte Einsprachezettel hat die IG «Stopp Megastrahler St. Johann» in den letzten Tagen verteilt. Ihr Unmut richtet sich gegen die geplante Mobilfunk-Antenne von Orange Communications auf dem Dach der Liegenschaft St. Johanns-Platz 26. Das Baugesuch wurde mitten in den Sommerferien publiziert, kritisiert Christian Noti. Nun hätten sie aber Gas gegeben, eine IG gegründet und die Anwohner informiert. Die Einsprachefrist endet am 27. August.

Eine «breite Front» von Einsprechenden habe sich formiert, teilt Noti mit. Die IG warnt vor «gesundheitlichen Schäden», «massiven Einbussen der Wohnqualität während 24 Stunden täglich» und einer «erheblichen Wertverminderung der Liegenschaften im Umkreis des Strahlers». Dass bei Baugesuchen von Mobilfunk-Antennen zahlreiche Einsprachen eingehen, sei nicht aussergewöhnlich erklärt Nadja Bloch vom Bauinspektorat.

Bei der jetzigen Antenne dürften es allerdings noch einige mehr sein. Denn einspracheberechtigt sind alle, die in einem Umkreis von 495 Metern wohnen, sprich vom Kannenfeldpark bis zur Kleinbasler Bärenfelsstrasse, vom Unispital bis zum Novartis-Areal.

Orange wartet auf Entscheid des Kantons

Dieser Radius sei ein Zeichen für die Stärke der Anlage, sagt Jonas Weber. Er ist selber Anwohner und hat zwei Einsprecher juristisch beraten. «Normalerweise betrage der Radius 200 Meter», sagt Weber. Die Anlage braucht es nicht im Quartier St. Johann, heisst es in der vorformulierten Einsprache. Dieses sei für die Orange-Kunden schon heute ausreichend versorgt. Dieser Aussage widerspricht Orange-Sprecherin Marie-Claude Debons. Bei der neuen Anlage handle es sich um drei UMTS-Antennen. UMTS sorgt für wesentlich bessere Datenübertragungsraten als bisherige Antennen. «Diese Abdeckung muss noch verbessert werden», so Debons.

Der Groll der Einsprechenden richtet sich nicht nur gegen Orange, sondern auch gegen die Besitzer der Liegenschaft St. Johanns-Platz 26, die Actor AG. Noti wirft ihnen vor, aus finanziellen Gründen zu handeln. Wie viel Orange für die Antenne auf dem Dach bezahlt, wollte Guido Keller von Actor AG nicht sagen. Er habe keine Kenntnis vom Widerstand aus dem Quartier, sagte er auf Anfrage und fügte aus seiner Perspektive als Vermieter an: Wenn im St. Johann eine Antenne errichtet werden solle, dann am besten dort. So seien ihre Mieter von der Strahlung am wenigsten betroffen, sagt Keller. Für weitere Auskünfte verweist Keller an Orange Communications. Dort wartet man laut Debons auf den Entscheid der Behörden und könne keine weitere Auskunft erteilen.

Initiative gegen Antennen-Wildwuchs

Die Einsprachen gegen die Antennen sind auch politisch brisant, ist doch in Basel-Stadt die Volksinitiative «gegen den Mobilfunkantennen-Wildwuchs» hängig. Die Regierung hat dazu einen Gegenvorschlag ausgearbeitet. Die Einsprechenden fordern nun die Behörden dazu auf, mit dem Bewilligungsentscheid zu warten, bis die Abstimmung über die Bühne ist. Wann das sein wird, ist derzeit noch offen.

Juristisch gebe es drei Argumentationsschienen gegen die Antenne, sagt Weber. Erstens die Strahlenbelastung. Er glaubt, dass im Baugesuch nicht die am meisten exponierten Stellen als Schätzpunkte ausgewählt wurden. Die Folge: «Die Grenzwerte werde nicht eingehalten.» Zweitens würden Schutzbestimmungen für besonders verletzliche Personen missachtet. In der Nähe der neuen Antenne gebe es Kindergärten, Schulen oder Altersheime. Und drittens gebe es denkmalschützerische Einwände. Die Antenne sei vom Rhein aus zu sehen, stehe in unmittelbarer Nähe zum St. Johanns-Tor und sei somit ein das Stadtbild verändernder Bau, erklärt Weber.

Finanzielle Entschädigung gefordert

Neben diesen juristischen Argumenten gibt es auch politische Forderungen, die auf den Geldbeutel abzielen. So fordern Hausbesitzer in ihrer Einsprache auch Entschädigung für die Wertverminderung ihrer Grundstücke, die je nach Entfernung zur Antenne 10 bis 40 Prozent betrage. Diese Zahlen seien an die Praxis von Lärmbelastungen angelehnt, führt Weber aus.

Auch die gemeinnützige Stiftung Habitat bereitet eine Einsprache vor. Es sei nicht sinnvoll, eine solch massive Anlage mitten in einem Wohnquartier zu errichten, sagt Klaus Hubmann, Geschäftsführer der Stiftung Habitat, die in unmittelbarer Nachbarschaft zur geplanten Antenne mehrere Liegenschaften besitzt. Eine solche Anlage würde die Wohnqualität mindern und die Nutzungsmöglichkeiten einschränken, erklärt Hubmann. Im Gebäude der Elsässer- und Fatiostrasse sind neben 33 Wohnungen derzeit ein Kindergarten und eine Kinder- und Jugendbibliothek sowie eine Ausbildungsstätte für Jugendliche untergebracht.