Sonnenenergie
«Anstatt in Aktien investieren wir in Solarenergie»

Seit zwei Wochen stellt der Tschopperthof in Zeiningen ein neues Produkt her: Sonnenenergie. Rund 32 000 Kilowattstunden Strom werden nun jedes Jahr ins Stromnetz eingespeist. Am Samstag kann die Anlage besichtigt werden.

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Aargauer Zeitung

Lilly-Anne Burgger

Von unten sieht man sie nicht. Doch von oben, von der Pferdeweide aus gesehen, schon. Im Licht der Frühlingssonne glänzen die neuen Solarzellen auf dem Dach der Reithalle des Tschopperthofs. «Seit gut zwei Wochen produziert die Anlage Strom», sagt Erich Schib stolz. Doch alles sei noch nicht perfekt, wirft er ein. So funktionieren die Sonnenkollektoren auf der anderen Seite des Reithallen-Daches noch nicht perfekt. Deshalb fliesst das von der Sonne aufgewärmte Wasser noch nicht.

Tschopperthof, Zeiningen

Vor knapp 40 Jahren kaufte der Vater von Dieter und Erich Schib den Tschopperthof in Zeiningen. Er erkannte, dass auf diesem Hof Milchwirtschaft langfristig zu wenig Ertrag einbringen wird, da der Hof nur über rund 12 Hektaren Land verfügt. Deshalb liess Vater Schib die Reithalle bauen, die auch heute noch steht, und eröffnete eine Reitschule. Der Tschopperthof bietet Platz für 28 Pferde. Etwa 10 davon sind Pensionspferde. Heute wohnen und arbeiten auf dem Tschopperthof Dieter Schib, Erich Schib und seine Familie und der Vater von Dieter und Erich Schib. (lbr)

Rund 250 000 Franken hat die 400 Quadratmeter grosse Anlage auf dem Dach der Reithalle gekostet. «Es gibt auch weniger sinnvolle Investitionen», meint Erich Schib und verweist auf die Finanzkrise. «In den letzten Monaten haben viele ihr Geld verloren - wir wissen wenigs-tens, wo unser Geld ist», meint er. Die Investition in die Photovoltaik-Anlage ist eine langfristige Anlage. Etwa 12 bis 15 Jahre rechnet Schib, bis die Anfangsinvestitionen zurückbezahlt sind. Erst dann wirft die Anlage Gewinn ab.

Zeitpunkt günstig für Investition

Die Idee, auf dem Dach der Reithalle eine Solaranlage zu errichten, hatten Erich Schib, sein Bruder Dieter und sein Vater schon vor einigen Jahren. Doch die grosse Investition lohnte sich noch nicht: 15 Rappen pro Kilowattstunde hätten Schibs damals erhalten - damit hätten die Anfangsinvestitionen aber kaum gedeckt werden können. So versuchten Schibs, über die kostendeckende Einspeisevergütung des Bundes einen Zuschuss an ihre Anlage zu erhalten. Die Nachfrage nach dieser Vergütung war aber so gross, dass das Kos-tendach des Bundes schnell erreicht wurde.

Schibs kamen auf die Warteliste und erhielten vorerst keinen Zustupf an ihre geplante Photovoltaik-Anlage. So beschlossen sie, sich für die Solarstrombörse des Elektrizitätswerks Zürich (EWZ) zu bewerben. Die Bewerbung wurde angenommen, und das EWZ bezahlt nun in den nächsten 20 Jahren 58,5 Rappen für jede vom Tschopperthof gelieferte Kilowattstunde Strom. Rund 32 000 Kilowattstunden werden dies Jahr für Jahr sein. Natürlich hofft Erich Schib, dass die Photovoltaik-Anlage länger als während 20 Jahren Strom produzieren und sich die Investition entsprechend auszahlen wird.

Der Tschopperthof engagiert sich nicht erst seit kurzem für Solarenergie. Schon seit mehreren Jahren befinden sich auf dem Dach des Wohnhauses Sonnenkollektoren, die Wasser aufwärmen. «Ich unterscheide klar zwischen Solarzellen und Sonnenkollektoren», erklärt Erich Schib, «die Solarzellen produzieren Strom, mit Sonnenkollektoren wird jedoch Wasser aufgewärmt.» Doch dieses warme Wasser fliesst in der Wohnung nicht direkt aus dem Wasserhahn. Mittels Wärmetauscher erwärmt das warme Wasser vom Dach das Wasser des
Boilers - und hilft im Winter auch mit, das Wasser der Radiatoren zu erwärmen.

Im Winter reicht die Sonnenenergie alleine jedoch nicht aus. Dann muss Schib die Holzheizung zuschalten. «Holz ist ja auch gespeicherte Sonnenenergie», meint er mit einem verschmitzten Lachen. Erich Schib besitzt auch ein Elektrovelo. Dieses fährt zwar nicht mit Sonnenenergie, Schib betont trotzdem die Nachhaltigkeit dieses Fortbewegungsmittels: «Das Elektrovelo ist für mich häufig ein Autoersatz.» Immer wieder fährt Schib mit diesem Elektrovelo nach Zeiningen und kommt dank dem Elektroantrieb nicht verschwitzt an. Von den Vorteilen eines Elektrovelos können sich die Besucher am Samstag selber überzeugen. Es werden einige Fahrräder zum Ausprobieren zur Verfügung stehen.