Gunter Sachs-Selbstmord

Alzheimer-Experte: «Es sind vor allem Männer, die so reagieren»

Ex-Playboy Gunter Sachs hat sich erschossen, weil er Alzheimer hatte. Für Samuel Vögeli, Geschäftsführer der Alzheimervereinigung Aargau, ist das eine Tragödie. Er warnt davor, dieses Reaktionsmuster zum Standard zu erheben. «Das wäre verheerend.»

Gunter Sachs hat sich erschossen, weil er erste Anzeichen von Alzheimer an sich ausmachte. Er wolle sich ein Leben in Unwürde ersparen, schreibt er im Abschiedsbrief. Wie reagiert der Geschäftsführer der Alzheimervereinigung Aargau darauf?

Samuel Vögeli: Für mich ist es grundsätzlich eine Tragödie, wenn er das als ein Leben in Unwürde sieht. Es hat mich aber nicht erstaunt.

Warum nicht?

Weil ich schon oft Männer in ähnlichen Situation erlebt habe. Die haben nach solchen Diagnosen Suizid begannen oder es zumindest versucht. Es sind vor allem Männer, die so reagieren.

Ist Selbsttötung denn ein Ausweg?

Jeder hat die Freiheit für sich zu entscheiden, wann er gehen will. Ich warne aber davor, Demenzkranken das Gefühl zu vermitteln, dass man das von ihnen erwartet, wenn sie erkranken; ihnen zu verstehen gibt, dass sie nur noch eine Last sind und viel kosten, dass sie kein Recht mehr haben zu leben. Das wäre verheerend.

Gunter Sachs schliesst aus, dass Alzheimerkranke in Würde weiterleben können. Hat er Recht?

Nein, es gibt auch ein Leben mit Alzheimer in Würde und nicht nur das in Unwürde, wie es Gunter Sachs nun empfunden hat. Es gibt sogar sehr viele Alzheimerkranke, die mit grosser Würde und hoher Lebensqualität weiter leben und das auch lange.

Wie geht das?

Das geht dann, wenn die Kranken gut betreut und behandelt werden. Wichtig ist dabei, dass die Krankheit früh erkannt wird. Denn es gibt Medikamente, die den Verlauf verzögern können. Den Betroffenen bleibt so mehr Zeit. Gleichzeitig lassen sich so auch Begleitsymptome wie Angst, Schlafprobleme oder Unruhe bekämpfen.

Wie sieht eine gute Betreuung aus?

Es braucht von den Betreuenden eine grosse Einfühlsamkeit und Wertschätzung den Kranken gegenüber. Alzheimerkranke können sie oft nicht mehr artikulieren, man muss also spüren, wenn sie sich nicht wohl fühlen. Zudem verändern sie sich auch stark. Das fordert die Betreuenden. Sie müssen daher gut geschult sein und vor allem sich auch erholen können.

Gunter Sachs hat an sich als Krankheitssymptom eine Verzögerung in der Kommunikation festgestellt. Ist das typisch?

Nein. Es sind in der Regel nicht die Betroffenen, sondern die Angehörigen, die es als erste merken. Ich bin mir auch nicht sicher, ob Gunther Sachs wirkliche eine Alzheimer-Demenz hatte. Es gibt bei ihm ja keine Diagnose.

Woran erkennt man denn Alzheimer?

Wenn Leute vergesslich werden und immer das Gleiche fragen. Oder wenn sie sich in ihrer gewohnten Umgebung nicht mehr zu Recht finden und alltägliche Dinge an den unmöglichsten Orten verlegen, zum Beispiel die Schuhe in den Kühlschrank stellen. Ich rate allen, möglichst früh zum Arzt zu gehen und das abklären zu lassen. Hier lohnt sich der Gang zum Arzt wirklich. Mit einer Frühdiagnose kann ein Heimeintritt deutlich herausgezögert werden. (rsn)

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