Alter als Risiko

Alt, älter, arbeitslos: Die Arbeitslosigkeit bei den Ü55 steigt rasant an

Was können ältere Arbeitnehmer selbst dazu beitragen, dass sie begehrt bleiben am Arbeitsmarkt? Neben der Bereitschaft zur Weiterbildung wünschen sich die Arbeitgeber, dass sie flexibel sind in der Gestaltung ihres Austritts aus dem Arbeitsleben. Ob sie nun volle Kraft voraus bis zum Pensionsalter oder aber einen graduellen Abbau von Verantwortung – und damit auch der Entlöhnung – wählen oder ob sie schon früh die Vorzüge eines nur noch geringen Pensums entdecken und Krawatte mit bequemem Pullover tauschen – sie sollten frühzeitig mit ihrem Arbeitgeber darüber sprechen.

Was können ältere Arbeitnehmer selbst dazu beitragen, dass sie begehrt bleiben am Arbeitsmarkt? Neben der Bereitschaft zur Weiterbildung wünschen sich die Arbeitgeber, dass sie flexibel sind in der Gestaltung ihres Austritts aus dem Arbeitsleben. Ob sie nun volle Kraft voraus bis zum Pensionsalter oder aber einen graduellen Abbau von Verantwortung – und damit auch der Entlöhnung – wählen oder ob sie schon früh die Vorzüge eines nur noch geringen Pensums entdecken und Krawatte mit bequemem Pullover tauschen – sie sollten frühzeitig mit ihrem Arbeitgeber darüber sprechen.

Die über 55-Jährigen sind gut im Arbeitsmarkt verankert. Doch auch in dieser Altersgruppe steigt die Arbeitslosigkeit. Bund, Kantone und Sozialpartner raufen sich zusammen.

Rosig ist das Bild, das Johann Schneider-Ammann gestern von den Älteren auf dem Arbeitsmarkt zeichnete: Ihre Bedeutung wachse, sie seien gut in den Arbeitsmarkt integriert.

«Die Schweiz steht im internationalen Vergleich gut da», sagte der Bundespräsident und Wirtschaftsminister.

So sei die Erwerbstätigenquote bei den 55- bis 64-Jährigen eine der höchsten aller OECD-Länder.

Tatsächlich stieg sie zwischen 2010 und 2015 um 5,3 Prozentpunkte auf 75,8  Prozent.

Im vergangenen Jahr lag die Arbeitslosenquote gemäss dem Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) im Schnitt bei 3,3 Prozent, jene bei den über 50-Jährigen bei 2,9 Prozent.

Zugleich macht sich die demografische Entwicklung auch auf dem Arbeitsmarkt bemerkbar: Alleine im letzten Jahr ist die Zahl der Erwerbstätigen im Alter von 55 bis 64 Jahren um 27  800 Personen gestiegen.

Da das Arbeitskräftepotenzial in dieser Altersgruppe bereits zu einem hohen Mass ausgeschöpft ist, wird es schwierig, die Beteiligung weiter zu steigern.

Gewerkschaften schlagen Alarm

Kann die Politik also getrost die Hände in den Schoss legen? Mitnichten.

Denn zuletzt hat die Erwerbslosigkeit der Gruppe der über 55-jährigen Männer zugenommen. Schuld daran ist der starke Franken.

Die Gewerkschaften schlagen Alarm: Ein Tabu sei gefallen, gewisse Firmen würden auch Ältere entlassen, die gut qualifiziert sind.

Einmal arbeitslos, brauchten ältere Arbeitnehmer doppelt so lange für den Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt wie jüngere Personen.

Auch Schneider-Ammann räumte gestern schliesslich ein, dass die Lage nun doch nicht ganz so rosig sei.

Tatsächlich geht die Entwicklung in die komplett falsche Richtung. Volk und Stände gaben der Politik am 9. Februar 2014 den Auftrag, die Zuwanderung zu bremsen.

Qualitative Massnahmen wie beispielsweise ein Inländervorrang gelten als letzter Strohhalm, um den Verfassungsartikel 121a doch noch EU-konform umzusetzen.

Namentlich die FDP setzt grosse Hoffnungen in diese Massnahme. Mit im Boot sitzt aber auch die Linke.

Ausländer sollen nur dann eine Stelle bekommen, wenn sich im Inland kein geeigneter Kandidat finden lässt.

Mit einem privilegierten Inländer-Zugang lässt sich aber die Zuwanderung nur drosseln, wenn das inländische Potenzial besser ausgeschöpft werden kann. Nebst den Frauen betrifft das in besonderem Masse auch die älteren Arbeitnehmer.

Zankapfel Kündigungsschutz

Auf der Suche nach einem Ausweg sassen Vertreter von Bund, Kantonen und Sozialpartnern gestern zum zweiten Mal an einen Tisch (siehe Box).

Die Gewerkschaften fordern, dass langjährige ältere Mitarbeiter besser gegen Kündigungen geschützt werden.

Als gutes Beispiel hob Gewerkschaftsboss Paul Rechsteiner die Stadler Rail des ehemaligen SVP-Nationalrats Peter Spuhler hervor. Diese habe für über 58-Jährige besonders hohe Kündigungshürden aufgebaut.

Die Arbeitgeber dagegen wollen nichts von einem erweiterten Kündigungsschutz wissen.

Ein solcher sei sogar kontraproduktiv, sagte Gian-Luca Lardi vom Baumeisterverband. Stattdessen fordert er von den Arbeitnehmern mehr Flexibilität.

Arbeitnehmer sollten ab der Mitte ihres Erwerbslebens regelmässig eine Standortbestimmung vornehmen und sich ständig weiterbilden, findet er.

Nur so stellten sie sicher, dass sie auch bei fortschreitender Digitalisierung noch gefragt seien.

Lardi propagiert auch die sogenannte Bogenkarriere, also eine Reduktion des Pensums und des Verantwortungsbereichs gegen Ende der beruflichen Karriere.

Einig waren sich die Sozialpartner, dass Arbeitgeber in Inseraten grundsätzlich auf Altersangaben verzichten sollen.

Entscheidend sei, dass jeder ältere Arbeitslose individuell betreut und zielführend an den Arbeitsmarkt herangeführt werde, sagte Schneider-Ammann.

Nächstes Jahr wollen sich die Beteiligten ein drittes Mal austauschen. Gut möglich, dass bis dahin der Handlungsdruck nochmals gestiegen ist.

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