Bundesratswahlen

Alle rufen nach der BDP – doch der Präsident Landolt ist seit Tagen abgetaucht

Nichts interessiert die politische Schweiz derzeit mehr als die Zukunft von BDP-Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf. Und was macht deren Parteipräsident Martin Landolt? Er weilt zurzeit in den Ferien.

Die BDP in der «Tagesschau», die BDP im Westschweizer Radio, die BDP in jeder Zeitung und auf jedem Onlineportal. Die Bürgerlich-Demokratische Partei der Schweiz war in den letzten Tagen buchstäblich auf allen Kanälen präsent. Wie könnte es auch anders sein: Keine Frage interessiert derzeit mehr als die Zukunft von Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf, dem Aushängeschild der Partei. Tritt sie am 9. Dezember nochmals an, obwohl ihre Wiederwahl angesichts des Rechtsrutsches bei den Wahlen alles andere als gesichert ist? Oder lässt sie sich nicht auf das Vabanquespiel ein und verkündet in den nächsten Tagen oder Wochen ihren Rücktritt?

Von der BDP hat es in den letzten Tagen sehr wohl Einschätzungen zu diesen Fragen gegeben, schliesslich steht die eigene Partei ihrer Bundesrätin näher als die anderen politischen Kräfte. Red und Antwort stand aber vor allem ein Mitglied der BDP-Fraktion: der Berner Nationalrat Lorenz Hess, Vizepräsident der BDP. Er musste deshalb vor die Kameras und Mikrofone treten, weil es sein Präsident, der Glarner Nationalrat Martin Landolt, nicht tat. Dieser weilt seit letzter Woche und noch bis heute Dienstag in den Kurzferien – so besagt es seine Combox, wenn man ihn telefonisch zu erreichen versucht.

Landolt, früher Banker, heute selbstständiger Berater, hatte keinen einfachen Wahlkampf. Lange sah es danach aus, als ob ihn die Glarner ohne Gegenkandidaten wieder nach Bern schickten. Bis eine von der SVP unterstützte, letztlich aber erfolglose Kampfkandidatur der SP ihm das Leben schwer machte. Dass ihn das mitnahm, war am Abend des Wahlsonntags zu spüren: In einer Diskussionsrunde bei RSR sass er als Einziger während des Gesprächs und machte einen blutleeren Eindruck. Und in der sogenannten Elefantenrunde des Schweizer Fernsehens stärkte SP-Präsident Christian Levrat der BDP-Bundesrätin mehr den Rücken als deren eigener Parteipräsident.

Ironie beim Partei-Vize

Verständlich, dass man sich nach so einer Phase nach Erholung sehnt. Aber ist die ereignisreiche Zeit nach den Wahlen, wenn alle nach erklärenden Worten des Präsidenten einer Verliererpartei rufen, der richtige Moment dafür? FDP-Präsident Philipp Müller will Landolts Abwesenheit nicht kommentieren. Er selbst würde es aber «anders machen», denn er sei eigentlich immer erreichbar. Allenfalls rufe er nach einer Combox-Nachricht zurück. «Das gehört zum Job eines Parteipräsidenten», so Müller. SVP-Präsident Toni Brunner lässt ausrichten, dass er nicht in den Ferien sei und derzeit die kommende Legislatur plane.

Innerhalb der BDP sorgt die Auszeit des Präsidenten erwartungsgemäss nicht für Kritik. Fraktionspräsidentin Rosmarie Quadranti sagt: «Die Bundesratswahlen sind am 9. Dezember. Dass Martin Landolt jetzt ein paar Tage Ferien nimmt, bedeutet weder, dass er seinen Job vernachlässigt, noch dass er ihn schlecht macht.» Ohnehin sei jetzt nicht die Zeit, «um gross zu reden». Wichtig sei, dass die Fraktion die eigene Bundesrätin unterstütze. Das habe sie schon mehrfach erwähnt, es sei deshalb «nicht so spannend, die gleiche Antwort nochmals zu geben», so die Zürcher Nationalrätin.

Gesprächiger ist der Mann, der nun selbst im medialen Fokus steht. «Wir haben innerhalb der Partei ein völlig intaktes Vertrauensverhältnis», sagt Lorenz Hess. Entsprechend mache es keinen Unterschied, dass nun er anstelle von Landolt spreche. Es könne auch keine Rede davon sein, dass die Partei in einer Krise stecke und der Präsident deshalb zwingend anwesend sein müsste. Angesichts von zwei Sitzverlusten sei die Partei mit einem «blauen Auge» davongekommen. Dass er nun von den Medien belagert wird, nimmt Hess mit Humor – und Ironie: «Ich sehe es als Vorbereitung für meine eigene Bundesratskandidatur an», sagt er  und lacht.

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