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Ältere Wähler fühlen sich benachteiligt

Ältere Wähler fühlen sich benachteiligt

Ältere Wähler fühlen sich benachteiligt

Die Stiftung Terz fordert die Parteien dazu auf, im Wahlkampf mehr Rücksicht auf die Bedürfnisse älterer Menschen zu nehmen. Laut einer Umfrage vermissen diese eine «reife Politik» in der Schweiz.

In der Schweizer Politik wird mit zunehmend härteren Bandagen gekämpft. Und gerade in einem Wahljahr versuchen die Parteien, ihre Botschaften noch etwas lauter, plakativer und verkürzter an die Wählerschaft zu bringen. Gleichzeitig werden ältere Politiker, die schon seit Jahren im Geschäft sind, in der Öffentlichkeit oft als Sesselkleber wahrgenommen. Jungparteien fordern diese mittlerweile offen dazu auf, ihre Sitze zu räumen und Platz zu machen für jüngere Kräfte.

Eine Entwicklung, die dem Zeitgeist entspricht und junge Menschen an die Urnen lockt, möchte man meinen. Doch die Generation der über 50-Jährigen im Land scheint zunehmend Mühe mit dieser Entwicklung zu haben. Dies ist zumindest das Ergebnis einer Studie, welche die Stiftung Terz, die sich für die Interessen dieser Bevölkerungsgruppe einsetzt, heute in Zürich präsentiert.

Erfahrung zählt weniger

An den Befragungen haben 560 Personen teilgenommen, die mehrheitlich das Rentenalter bereits erreicht haben. Die Kernaussagen: Die Interessen der «reiferen» Jahrgänge würden in der Schweizer Politik nur unbefriedigend vertreten, nicht zuletzt, weil es einen Trend zur Verjüngung gebe. Dies führe dazu, dass die Parteien tendenziell nicht mehr auf ihre erfahrensten Exponenten setzten, die über das beste Fachwissen und die weitestreichenden Netzwerke verfügten.

Laut der Studie wünschen sich die Befragten deshalb wieder mehr «reife Politik», die sich auszeichnen soll durch einen respektvollen Umgang miteinander, gemeinsame Verantwortung statt Schuldzuweisungen sowie Offenheit und Lernfähigkeit.

Auch die Parteien sind von der Stiftung Terz zu mehreren Themenbereichen befragt worden. Dabei wird klar: Deren Selbsteinschätzung liegt weit davon entfernt, wie die potenziellen älteren Wähler sie wahrnehmen. «Wir richten deshalb den Appell an die Parteien, sich vermehrt darüber Gedanken zu machen, wie sie die Anliegen der älteren Wählerschaft besser in ihre Politik einfliessen lassen können», sagt Terz-Sprecher Jürgen Kupferschmid. Denn bei den über 50-Jährigen gebe es viel ungenutztes Wählerpotenzial.

Tatsächlich zeigen Untersuchungen, dass rund zwei Drittel der Wahlberechtigten im AHV-Alter an die Urnen gehen, während es bei den Jungwählern nur gerade 30 Prozent sind. Dementsprechend sollen die Parteien auch ein «angemessen positives Bild» der älteren Wählerschaft vermitteln, wie Kupferschmid sagt. «Ältere Menschen sollen nicht immer nur als Last für die Gesellschaft dargestellt werden.»

Jungpolitiker nicht einverstanden

Dass der Trend zur Verjüngung der Politik von der älteren Generation skeptisch beobachtet wird, sorgt bei den Jungparteien für Unverständnis. «Selbstverständlich müssen in der Politik alle Alterskategorien vertreten sein», sagt David Roth, Präsident der Jungsozialisten. Um eine gute Politik für ältere Menschen zu machen, müsse man selber aber nicht zu dieser Gruppe gehören. «Das ist keine Frage des Alters, sondern des Interesses an deren Anliegen», findet Roth. Den ruppigeren Stil in die Politik eingeführt hätten im Übrigen nicht Jungpolitiker, sondern «ältere Herren aus der SVP».

Dieser Ansicht ist auch Brenda Mäder, Präsidentin der Jungfreisinnigen. Ausserdem könne von einer Verjüngung der Politik keine Rede sein. «Im Gegenteil, ein Blick auf die Zusammensetzung des Parlaments zeigt, dass die Jungen noch immer untervertreten sind», sagt sie. Dass die Älteren dies anders wahrnehmen würden, erstaune deshalb.

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