Herr Burkart, der Bundesrat will die Autobahnvignette durch eine E-Vignette ersetzen. Sie sind skeptisch, weshalb?

Thierry Burkart: Das Wegkratzen der Vignette von der Windschutzscheibe ist mühsam, doch das System dafür einfach und kostengünstig. Die E-Vignette mag modern tönen, doch sie hat Nachteile.

Welche?

Der Aufwand würde steigen, insbesondere Installation und Unterhalt der Infrastruktur. Nicht zu vergessen sind die Nachkontrollen. Jedes Nummernschild, das vom System nicht erkannt wird, muss mühsam nachverfolgt werden.

Gemäss dem Bundesrat sinken die Betriebskosten gegenüber heute.

Für die E-Vignette müssten 20 bis 40 Stellen geschaffen werden. Diese Personalkosten sind nicht berücksichtigt.

Ist die E-Vignette nicht bequemer für die Autofahrer?

Ja, das ist aber zu kurz gegriffen. Der Datenschutz ist heikel. Es kann nicht sein, dass der Bund nachvollziehen kann, wer, wann und wo unterwegs war.

Die E-Vignette ist flexibler. Besitzer von Wechselschildern müssten nicht mehr doppelt bezahlen. Stört es Sie nicht, dass diese 17 Millionen Franken zu viel bezahlen?

Dieses Problem könnte man mit geringerem Aufwand lösen.

Die E-Vignette ermöglicht ein abgestuftes Preissystem. Der Bundesrat stellt eine tiefere Abgabe für Motorräder und Anhänger in Aussicht.

Es ist äusserst selten, dass staatliche Tarife sinken. Im Gegenteil: Mit der E-Vignette wird vor allem die Basis für objektbezogene Abgaben wie Tunnels, einer City-Maut oder Road Pricing geschaffen.

Sie fordern, dass ausländische Autofahrer stärker zur Kasse gebeten werden. Voraussetzung dafür ist die E-Vignette.

Das stimmt. Ich bin bereit, die E-Vignette zu prüfen. Aber nur, wenn wir das deutsche System übernehmen: Ausländer würden gleich viel für die E-Vignette bezahlen, doch die Schweizer bekämen einen Teil davon zurückerstattet.