Munitionsdepot
3500 Tonnen Munitionsreste: Bundesbeamte beruhigen Mitholzer in Bürgergesprächen

Samuel Schumacher
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Munitionsbunker in Mitholz
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Ja nicht zu viele Gedanken machen: Helfer bergen von Hand eine Bombe, während ein anderer noch weitersucht.
Das Unglück von 1947 überlebte er. Verdaut er auch den Schock über die neue Gefährdungsanalyse? Paul Zwahlen.

Munitionsbunker in Mitholz

PETER SCHNEIDER/ Keystone

Einfach war der Gang der Bundesangestellten nicht, die im Auftrag des Verteidigungsdepartements (VBS) am Donnerstagabend von Bern aus ins beschauliche Dorf Kandergrund fahren mussten.

Nachdem VBS-Chef Guy Parmelin den Bewohnern des Dorfteils Mitholz Ende Juni eröffnet hatte, dass vom alten Munitionsdepot unter ihrem Boden eine wesentlich grössere Gefahr ausgeht als bislang angenommen, ging ein Aufschrei durch die Gemeinde.

Um die offenen Fragen der Mitholzer zu beantworten, setzte das VBS eine Arbeitsgruppe ein. Das oberste Credo: absolute Transparenz über die weiteren Entscheidungen und Schritte bezüglich der gefährlichen Last im Mitholzer Boden.

Am Donnerstag nun lud das VBS die Mitholzer erstmals zu einem «Bürgergespräch» ein. Dreieinhalb Stunden lang gingen die Munitions- und Kommunikationsexperten des Verteidigungsdepartements in Einzelgesprächen auf die Fragen der Bevölkerung ein.

Gemeindepräsident Roman Lanz war bei jedem der zehn Gespräche dabei. «Dass die Experten des VBS zu uns kamen und live unsere Fragen beantworteten, hat den Bürgern unheimlich Vertrauen geschenkt», sagt Lanz. «Dass das Verteidigungsdepartement mit Hochdruck an Lösungen arbeitet, hat viele beruhigt.»

Besorgte Landwirte

Rund 99 Prozent der Mitholzer sind laut dem Gemeindepräsidenten mit dem Vorgehen des VBS zufrieden. Viele hätten Verständnis dafür, dass zwei Monate nach der Überbringung der Hiobs-Botschaft noch keine konkreten Lösungen auf dem Tisch lägen. «Die Bürgergespräche waren primär eine gute Gelegenheit, um individuellen Anliegen Gehör zu verschaffen», sagt Lanz.

Landwirte wollten wissen, wer sich um ihre Tiere und Felder kümmert, falls das Dorf für die Räumung der gut 3500 Tonnen Munitionsreste doch noch evakuiert werden müsste.

Die Hausbesitzer machten sich Sorgen um den möglichen Wertezerfall ihrer Liegenschaften. Und die jungen Mitholzer seien unsicher, ob das Dorf als Wohngemeinde überhaupt eine Zukunft habe.

 Helfer durchsuchen ein durch die Explosion komplett zerstörtes Gebäude in Mitholz im Kandertal, aufgenommen im Dezember 1947. In der Nacht auf den 20. Dezember 1947 vernichteten drei gewaltige Explosionen rund die Hälfte der Munition, die in einem Depot oberhalb von Mitholz-Blausee eingelagert waren.
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 Die durch die Explosionen im Munitionsstollen zusammengebrochene Felswand in Blausee-Mitholz 1947.
 Neun Menschen waren in ihren Häusern umgekommen, sieben zum Teil schwer verletzt worden.
 Mehr als 100 Gebäude wurden zerstört oder beschädigt.
 Helfer durchsuchen ein durch die Explosion komplett zerstörtes Gebäude in Mitholz im Kandertal, aufgenommen im Dezember 1947. Nach dieser Katastrophe sah Mitholz wie ein vom Krieg verwüstetes Gebiet aus.
 Beschädigte Häuser, Trümmer und Warnschilder vor Blindgängern.
 Das zerstörte Stationsgebäude in Blausee-Mitholz im Kandertal.
 Der Bahnhof Blausee-Mitholz wurde durch die Explosionen komplett zerstört.
 Bahnarbeiter, Rettungskräfte vor der durch die Explosionen im Munitionsstollen zusammengebrochenen Felswand in Blausee-Mitholz, Dezember 1947.
 Über 200 Menschen waren nach der Katastrophe obdachlos.
 Helfer durchsuchen ein zerstörtes Gebäude.
 Die Ungluecksursache konnte nie restlos geklärt werden, von der verschütteten, nicht detonierten Munition geht noch heute Gefahr aus.

Helfer durchsuchen ein durch die Explosion komplett zerstörtes Gebäude in Mitholz im Kandertal, aufgenommen im Dezember 1947. In der Nacht auf den 20. Dezember 1947 vernichteten drei gewaltige Explosionen rund die Hälfte der Munition, die in einem Depot oberhalb von Mitholz-Blausee eingelagert waren.

WALTER STUDER

Die Stimmung gegenüber den Bundesbeamten sei sehr positiv gewesen, berichtet Lanz. Beim «Ade»-Sagen hätten sich viele bedankt. «Die Mitholzer haben gemerkt, dass da vis-à-vis auch nur Leute sitzen, die Fehler aus früheren Generationen ausbaden müssen. Das hat Sympathien geschaffen», sagt der Gemeindepräsident.

Ende September will das VBS den Schlussbericht über die laufenden Untersuchungen des Munitionsdepots vorlegen. Dann tauchen vielleicht neue, drängende Fragen auf. Anfang Oktober soll es daher eine zweite Runde der «Bürgergespräche» geben – mit mehr konkreten Antworten.

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