Schweiz

3 plus verkauft: Der «Bachelor» bekommt ein neues Zuhause

Geben die Übernahme bekannt (von links): Peter Wanner, Verwaltungsratspräsident von CH Media, Dominik Kaiser, CEO der 3 Plus Group, und Axel Wüstmann, CEO von CH Media. Bild: Keystone

Geben die Übernahme bekannt (von links): Peter Wanner, Verwaltungsratspräsident von CH Media, Dominik Kaiser, CEO der 3 Plus Group, und Axel Wüstmann, CEO von CH Media. Bild: Keystone

CH Media kauft 3 plus und wird zum grössten privaten TV-Anbieter der Schweiz. Kolportiert wird ein Preis von 100 Millionen Franken. Es flossen Tränen.

Bauer, Köche, Junggesellen: Sie alle kommen unter ein neues Dach. TV-Pionier Dominik Kaiser verkauft seine Sendergruppe 3 plus, die für ihre Eigenproduktionen bekannt ist. Abnehmer ist CH Media, die auch die «Schweiz am Wochenende» herausgibt.

Mit der Übernahme wird das Medienunternehmen zum grössten nationalen privaten TV-Anbieter des Landes. Peter Wanner, Verwaltungsratspräsident von CH Media, war die Freude an der gestrigen Medienkonferenz im Zürcher Kaufleuten anzumerken. «Damit werden wir die klare Nummer eins», sagte er.

«Wir haben zusammen geweint»

Für Kaiser blieb der Anlass hingegen ein zwiespältiger. Während Wanner Kaisers Lebenswerk und Pioniergeist lobte («ihm gelang mit einem erfolgreichen Privatsender, woran alle vor ihm scheiterten»), schaute dieser gedankenversunken auf den Tisch. «Es war die schwierigste Entscheidung meines Lebens», sagte Kaiser. «Ich und meine Mitarbeiter haben zusammen geweint.»

«Es war die schwierigste Entscheidung meines Lebens.» Dominik Kaiser über den Verkauf seiner Sendergruppe. Bild: Keystone

«Es war die schwierigste Entscheidung meines Lebens.» Dominik Kaiser über den Verkauf seiner Sendergruppe. Bild: Keystone

Doch nun sei er froh, einen guten Partner gefunden zu haben, der alle seine Mitarbeiter übernehme und ihnen das nötige Vertrauen schenken würde. Zwar gehe es der 3-Plus-Gruppe zurzeit blendend, betonte Kaiser, doch mittelfristig werde die Konkurrenz immer stärker, was es schwieriger mache, sich allein zu behaupten. Durch den Zusammenschluss sei man auf die nötige Grösse gewachsen.

3 plus ist der erfolgreichste private Sender der Schweiz. Zum Unternehmen zählen auch die die Kanäle 4 plus, 5 plus und 6 plus. Mit einem Marktanteil von 5,6 Prozent in der Hauptzielgruppe (15 bis 49 Jahre) ist der Verbund heute die Nummer fünf hinter SRF1, SRF2 und den deutschen Sendern RTL und Pro Sieben. Zu den beliebtesten Eigenproduktionen zählen «Der Bachelor», «Bauer, ledig, sucht» oder «Der Restaurant-Tester». Daneben laufen Serien-Hits aus den USA wie «The Big Bang Theorie» oder «Die Simpsons». An den Formaten soll sich vorerst nichts ändern.

Die beliebtesten Sendungen von 3 plus

Schnelle Einigung

Er sei selber überrascht gewesen, wie schnell sich die Parteien geeinigt hätten, gab Kaiser einen Einblick in die Verhandlungen, die nur knapp zehn Tage dauerten. Finanziert wird der Verkauf durch Eigenmitteln von CH Media sowie Bankkredite. Zum Preis wollten sich beide Parteien nicht äussern, es wurde Stillschweigen vereinbart. Im Vorfeld wurde in den Medien über eine Summe von 100 bis 120 Millionen spekuliert.

Damit verdichtet sich der Schweizer TV-Markt. Alle privaten, nationalen Sender sind künftig unter dem Dach von CH Media vereint. Dazu zählen neben der 3 Plus Gruppe auch TV 24, TV 25 und S1. Gemeinsam erreichen die Sender über 800 000 Zuschauer. Zum CH-Media-Verbund zählen zudem verschiedene regionalen Anbieter wie Tele Züri oder Tele Ostschweiz, die für weitere 300 000 Zuschauer täglich sorgen.

Doch wie zukunftsträchtig sind klassische Fernsehsender? In den vergangenen Jahren wanderte ein Teil des Publikums ins Internet ab. Streamingdienste wie Netflix eroberten den Markt. Eine mächtige Konkurrenz. Unzählige Sendungen stehen zur Verfügung, wann und wo man will. Und mit Disney+ steht der nächste ausländische Streaming-Gigant bereits in den Startlöchern. Roger Elsener, zuständig fürs TV bei CH Media, ist dennoch zuversichtlich: «Zusammen haben wir grössere Wachstumschancen», sagt er.

Auch Peter Wanner glaubt an den Erfolg und hegt bereits Pläne. Er möchte weiter in Eigenproduktionen investieren. «Swissness ist beim Zuschauer sehr gefragt», sagt er. Das nächste Ziel gibt er auch schon vor: «Wir wollen SRF2 beim Marktanteil überholen.» Das muss allerdings ohne Dominik Kaiser gelingen - oder zumindest fast. Er wird nicht operativ, aber als Berater tätig sein. «Das war uns wichtig, er hat eine einmalige Spürnase», sagt Wanner. Wie es langfristig für Kaiser weitergeht, weiss er selbst noch nicht. «Es ging jetzt alles sehr schnell, aber irgendwann möchte ich wieder etwas Neues aufbauen.»

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Autor

yannick.nock@azmedien.ch

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