Selzach

15-Jähriger angezeigt - weil er seine Geschwister zur Schule fuhr

Simon Räuftlin soll vor Gericht, weil er seine Geschwister täglich mit dem Landwirtschafts-Suzuki zur Schule fährt. Das kleine Auto fährt nur 30 km/h und darf bereits von 14-Jährigen gefahren werden.

Die Kinder der Bauernfamilie Räuftlin haben eine Schulweg von 16 Kilometern. Sie müssen vom Althüsli bis hinab nach Selzach und Bellach.

Da die Eltern nicht vom Restaurant- und Bauernbetrieb weg können, muss der 15-jährige Simon seine Geschwister in die Schule fahren. Jeden Morgen um 6.45 Uhr fährt er los.

Seine Geschwister sind Sämi (11), Samantha (10), Albert (8) und Chrigeli (6). Sie gehen alle in die Primarschule in Selzach, wie der «Blick» schreibt. Der 15-jährige Simon fährt dann allein nach Bellach weiter, wo er die dritte Oberstufe besucht.

Mini-Jeep kostete 15'500 Franken

Die Eltern von Simon, Mutter Timna und Vater Christoph, haben den Mini-Jeep für 15'500 Franken gekauft. «Es ist die einzige Möglichkeit, dass die Kinder sicher in die Schule kommen. Das Jeepli fährt nur 30, hat eine grüne Landwirtschaftsnummer. Und man darf es mit der Traktorenprüfung fahren, die man schon mit 14 machen kann», sagt der Vater gegenüber «Blick».

Das Auto wurde beim Strassenverkehrsamt normal angemeldet und wurde genehmigt. Schon der ältere Sohn sei mit dem Auto gefahren, meint der Vater.

Am Donnerstagmorgen wurde Simon Räuftlin von der Kantonspolizei in Bellach beim Oberstufenschulhaus empfangen. «Was er da tue, sei illegal, sagten sie ihm. Sie nahmen seine Personalien auf, er komme vor den Jugendrichter», erzählt der Vater. «Er dürfte zwar grundsätzlich fahren. Aber eben nur im landwirtschaftlichen Verkehr, zum Beispiel in die Landi.»

Gefährlich für die Kinder

Die Kantonspolizei Solothurn bestätigt gegenüber der «Nordwestschweiz» die Anzeige. «Die Polizisten haben richtig gehandelt. Ein solches Widerhandlung muss angezeigt werden.» Die Kapo weist auch darauf hin, dass es sehr gefährlich sei, wenn man in einem Mini-Jeep so viele Kinder transportiert. Ein Unfall hätte fatal enden können.

Die Eltern sind anderer Meinung und können die Anzeige nicht verstehen. Deshalb will der Vater nun juristisch gegen die Polizei vorgehen. «Unser Sohn fährt jetzt mit dem Mofa zur Schule und die Kinder haben wir heute mit dem Auto gebracht,» erklärt die Mutter. Aus der Sicht der Mutter ist es nicht gefährlich mit dem Auto. «Wenn die Kinder mit dem Velo den Berg hinunter fahren würden, wäre es viel gefährlicher», sagt sie.

15-Jähriger muss vor Gericht weil er mit Mini-Jeep Geschwister zur Schule fuhr.

15-Jähriger muss vor Gericht

Der Vater meint nur: «Landwirtschaft­liche Fahrten sind ja erlaubt, vielleicht muss Simon einfach immer eine Schachtel Eier im Auto haben.»  Ein Schulbus könnten sich die beiden Eltern auch vorstellen. «Die Schule ist sehr kompromissbereit. Die Gemeinden meinen aber, wir haben den Wohnort selber gewählt, sie können nichts dafür, dass wir auf dem Berg wohnen», sagt Timna Räuftlin..

Gemeinde wurde nie informiert

Viktor Stüdeli, Gemeindepräsident in Selzach zeigt sich auf Anfrage erstaunt: «Die Familie hat sich bei uns noch nie gemeldet. Bis heute waren uns die Probleme nicht bekannt. Zudem wohnen seit Jahrzehnten Familien auf dem Berg und bis jetzt konnten sie sich immer organisieren.» Stüdeli hält auch fest, dass die Familie für die Kinder Geld für das Benzin und auch für das Essen erhalten würde, wenn sie über den Mittag nicht nach Hause können.

Der Gemeindepräsident wusste zwar, dass der 15-Jährige mit einem Auto zur Schule fährt. Jedoch dachte er, die Familie hätte alles abgeklärt, ob es so geht. «Ich finde es aber sehr gefährlich und auch unverantwortlich», ergänzt Stüdeli.

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