Reusspark
Wo die letzten Wünsche erfüllt werden

Der Reusspark, Zentrum für Pflege und Betreuung in Niederwil, ermöglicht eine bestmögliche Lebensqualität auch kurz vor dem Tod. Dafür erhielt das Zentrum gestern in Bern einen Anerkennungspreis der Age-Stiftung.

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Aargauer Zeitung

Eddy Schambron

«Hervorragendi fachlechi Arbet»

Der Reusspark sei ein «grosses Heim mit grosser Ausstrahlungskraft, das sehr gut mit der nicht ganz einfachen baulichen Grundsubstanz umgeht», hält die Jury der Age-Stiftung zum Anerkennungspreis fest. Es sei eine Institution, die sehr offen sich im Sinn des Wortes zur Bevölkerung hin öffnet. «Das Zentrum leistet seit vielen Jahren hervorragende fachliche Arbeit im Bereich Palliative Care und verfügt über motivierte und sehr gut ausgebildete Mitarbeiter.» Mit dem Age Award will die Age-Stiftung verschiedene Wohnmodelle und -ansätze einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machen. Im Zweijahresrhythmus wird von der Jury ein Thema bestimmt und ein öffentlicher Wettbewerb lanciert. Der Age Award ist ein Anerkennungspreis für ein bereits realisiertes Projekt. Der Age Award ist mit total 250 000 Franken dotiert und wird ergänzt durch einen Film, der über das Siegerprojekt gedreht wird. Der Reusspark erhält 5000 Franken. (az)

Menschen, deren Krankheit so weit fortgeschritten ist, dass keine Heilungschancen mehr bestehen, Menschen, deren Lebensdauer deshalb stark begrenzt ist, finden in der Palliativ-Station des Reussparks eine umfassende Betreuung. «Ziel ist es, eine möglichst hohe Lebensqualität zu erhalten oder wiederherzustellen», sagen Monica Heinzer, Leiterin Pflege und Betreuung, und Heidi Eichenberger, Leiterin des Wohnbereichs Palliative Care. Die palliative Station mit vier Betten gibt es seit September 2005. Jetzt wird das Engagement des Reusspark mit einem Anerkennungspreis der Age-Stiftung belohnt. «Das ist für uns eine schöne Anerkennung für etwas, das wir wirklich mit viel Herzblut entwickelt haben», sagt Thomas Peterhans, Direktor des Reussparks. «Es brauchte Mut, diesen Schritt zu gehen, Sterben ist in unserer Gesellschaft immer noch ein Tabu.»

No einisch es Gotlett ässe

Die meisten Wünsche von Menschen in den letzten Lebenstagen und -wochen sind bescheiden. «Das kann beispielsweise ein Fondue sein oder nochmals ein Kotelett», sagt Heidi Eichenberger. Dabei sei nicht einmal besonders wichtig, ob der Betroffene es noch essen kann oder nicht. «Das Kotelett sehen, es riechen, das ist manchmal schon Gold wert.» Ein Bäcker hat sich gewünscht, für die ganze Station am Sonntag einen Zopf zu backen. «Da wurden wir verwöhnt.» Eine Österreicherin wünschte sich Knödel. Der Reusspark-Koch liess sich von ihr das Rezept geben und erfüllte ihren Wunsch. Ein anderer Patient wollte an seinem Jasstisch zum letzten Mal mit seinen Jasskollegen ein Spiel wagen, ein anderer noch einmal seinen geliebten Hund sehen, der an einem andern Ort untergebracht war. «Am ausgefallensten war der Wunsch, noch einmal fischen zu gehen», erinnert sich Eichenberger. «Wir begleiteten den Patienten am Morgen um 7 Uhr an den Fluss, es regnete, wir hatten keine Ahnung vom Fischen, aber der Chef der Wäscherei, der selber fischt, begleitete uns», lacht sie. «Wir waren am Schluss tropfnass - und gefangen haben wir auch nichts.» Aber der Mann war glücklich. (es)

Der Reusspark verfügt über einen eigens für palliative Pflege gestalteten Bereich mit vier Betten, welcher an eine normale Station angegliedert ist. Das bedeutet, dass die 16 Pflegenden der Station alle eine spezielle Schulung aufweisen können, sodass sie für die besonderen Ansprüche gerüstet sind. Zur Erhaltung der grösstmöglichen Lebensqualität gehören nicht nur eine individuell angepasste Schmerztherapie und aufmerksame Pflege, sondern auch psychologische, spirituelle und soziale Betreuung. «Wir erfüllen den Menschen ihre Wünsche», fasst Monica Heinzer zusammen. Sie und Heidi Eichenberger sind bisher nur dann an Grenzen gestossen, wenn es um Familienzusammenführungen ging, die einseitig abgelehnt wurden. «Aber sonst», stellen sie fest, «sind die Wünsche nicht mehr so verrückt, als dass sie nicht zu erfüllen wären.»

Wichtige Angehörige

Zum Alltag auf der Palliativ-Station gehört auch die Begleitung der Angehörigen. «Das ist ein ganz wichtiger Aspekt unserer Arbeit. Sterbende, die die Gewissheit haben, dass ihre Angehörigen Unterstützung finden, können besser loslassen.» Angehörige sind deshalb im Reusspark willkommen, sie können rund um die Uhr da sein und auch übernachten, wenn sie es wollen. Wert legt das Team auf eine ehrliche Kommunikation. «Das ist sehr anspruchsvoll», betont Heinzer, «aber auch die Grundlage für die Auseinandersetzung mit den letzten Tagen und Wochen.»

Seit der Eröffnung hat das Team der Palliative Care im Reusspark gegen 90 Menschen betreut. Die Aufenthaltsdauer beträgt zwischen wenige Tage bis mehrere Monate. «Am häufigsten beträgt der Aufenthalt zwischen zwei und drei Monaten», wissen Eichenberger und Heinzer. Und sprechen ein Phänomen an: «Es wird auch viel gelacht auf dieser Station, von den Bewohnern, dem Personal und den Angehörigen.» Neben der Trauer habe hier auch immer wieder Freude Platz. «Wahrscheinlich ist das so, weil man hier so bewusst lebt.»

230 Bewohner

Der Reusspark beherbergt insgesamt 230 Bewohnerinnen und Bewohner. Neben der klassischen Langzeitpflege gibt es auch eine spezialisierte Abteilung für Demenzpatienten. Nach «Krankenheim Gnadenthal» heisst die Institution seit 1998 «Reusspark».

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