Zürich
Wie ein Puzzle aus 10 000 Teilen

Im November 2007 fiel das Zunfthaus zur Zimmerleuten und mit ihm auch die Holzdecke des grossen Saals einem Brand zum Opfer. In einem aufwändigen Prozedere restauriert Hans Rentsch die verkohlte Felderdecke.

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Hans Rentsch hobelt

Hans Rentsch hobelt

Limmattaler Zeitung

Andrea Kucera

Ein Arsenal an verkohlten Holzstücken, ein ungenauer Plan aus dem Jahre 1905 und eine Handvoll Fotografien der intakten Decke. Aufgrund dieser Indizien soll Schreiner Hans Rentsch die Felderdecke im grossen Saal des Zunfthauses zur Zimmerleuten rekonstruieren - keine leichte Aufgabe.

Für den Wiederaufbau fehlen zwei Millionen Franken Das Sechseläuten 2009 steht vor der Tür. Zum zweiten Mal muss die Zunft zur Zimmerleuten das Traditionsfest «im Exil» verbringen: Da ihr Zunfthaus am Limmatquai im November 2007 niedergebrannt ist, sind die Zimmerleute seit eineinhalb Jahren im «Metropol» auf der gegenüberliegenden Flussseite eingemietet. Das «Metropol» sei zentral gelegen und von daher eine sehr gute Übergangslösung, betont Zunftmeister Rudolf Bodmer. Trotzdem sehnen die Zimmerleute den Tag herbei, an dem sie wieder in ihr geliebtes Zunfthaus umziehen können. Sollte der Wiederaufbau planmässig vorangehen, dürfte dies auf das Sechseläuten 2010 hin der Fall sein. Ob dieses Ziel erreicht werden kann, ist allerdings noch ungewiss. «Es wird eng werden», räumt Bodmer ein. «Bauchschmerzen» bereiten ihm vor allem die feuerpolizeilichen Auflagen, deren Berücksichtigung in dem historischen Gebäude eine grosse Herausforderung darstellt. Auch die Finanzierung des Wiederaufbaus ist noch nicht ganz gesichert: Noch fehlen der Zunft knapp zwei Millionen des benötigten Gesamtbetrags von 17,5 Millionen Franken. Bodmer hofft, dass diese Finanzierungslücke mithilfe eines bereits gestarteten Fundraisings geschlossen werden kann. Zumindest die finanziellen Sorgen wäre der Zunftmeister dann los. (aku)

Für den Wiederaufbau fehlen zwei Millionen Franken Das Sechseläuten 2009 steht vor der Tür. Zum zweiten Mal muss die Zunft zur Zimmerleuten das Traditionsfest «im Exil» verbringen: Da ihr Zunfthaus am Limmatquai im November 2007 niedergebrannt ist, sind die Zimmerleute seit eineinhalb Jahren im «Metropol» auf der gegenüberliegenden Flussseite eingemietet. Das «Metropol» sei zentral gelegen und von daher eine sehr gute Übergangslösung, betont Zunftmeister Rudolf Bodmer. Trotzdem sehnen die Zimmerleute den Tag herbei, an dem sie wieder in ihr geliebtes Zunfthaus umziehen können. Sollte der Wiederaufbau planmässig vorangehen, dürfte dies auf das Sechseläuten 2010 hin der Fall sein. Ob dieses Ziel erreicht werden kann, ist allerdings noch ungewiss. «Es wird eng werden», räumt Bodmer ein. «Bauchschmerzen» bereiten ihm vor allem die feuerpolizeilichen Auflagen, deren Berücksichtigung in dem historischen Gebäude eine grosse Herausforderung darstellt. Auch die Finanzierung des Wiederaufbaus ist noch nicht ganz gesichert: Noch fehlen der Zunft knapp zwei Millionen des benötigten Gesamtbetrags von 17,5 Millionen Franken. Bodmer hofft, dass diese Finanzierungslücke mithilfe eines bereits gestarteten Fundraisings geschlossen werden kann. Zumindest die finanziellen Sorgen wäre der Zunftmeister dann los. (aku)

Limmattaler Zeitung

Obwohl die Restauration von Inneneinrichtungen alter Häuser sein Spezialgebiet ist, bedeutet dieser Auftrag für Rentsch eine besondere Herausforderung. Die über 120 Quadratmeter grosse Decke besteht aus mehreren hundert Einzelteilen, die durch den Brand vor eineinhalb Jahren fast vollständig zerstört worden sind. Vom ehemaligen Prunkstück des Zunfthauses sind nur noch wenige zusammenhängende Stücke und eine Vielzahl verkohlter Trümmer übrig.

In einem ersten Schritt legte Rentsch die Originalteile auf einem Hallenboden aus und versuchte, einzelne Deckenpassagen zu rekonstruieren - ein ziemlich aufwändiges Unterfangen, das ihn zwei ganze Arbeitswochen kostete: «Es war, wie wenn man ein Puzzle aus 10 000 Teilen vor sich hat.» Letztlich gelang es ihm mithilfe eines fehlerhaften alten Plans, die ursprüngliche Anordnung der Holzteile zu eruieren.

In einem zweiten Schritt erstellte Rentsch zusammen mit Architekt Ernst Rüegg einen neuen Plan der Felderdecke. Kopfzerbrechen bereiteten den beiden Männern dabei die speziellen Masse des grossen Saales: Alle vier Wände sind ungleich lang, der Raum folglich nicht rechtwinklig.

Gehobelt oder gedrechselt?

Stundenlang brütete Rentsch in seiner Werkstatt mit Zirkel und Lineal über dem Plan. Zog Linien und Kreise, um der Deckenkonstruktion auf die Schliche zu kommen. Die strenge Geometrie, die der damalige Schreiner, Georg Bachofen, 1708 in diesen unmöglichen Raum gezaubert habe, findet er «schlicht genial».

Inzwischen hat Rentsch das Rätsel fast gelöst. Nun geht es an die Umsetzung. Obwohl heute ein Grossteil der Arbeit maschinell besorgt werden könnte, möchte Rentsch die Decke nach alter Handwerksmanier konsequent von Hand wiederherstellen. Er habe nicht grundsätzlich etwas gegen Maschinen, führt er aus.

Aber wenn schon nach einer historischen Vorlage gearbeitet werden soll, dann richtig: Der Fachmann nimmt an, dass die Teile der Decke aus Fichtenholz gedrechselt, und die edleren Nussbaumholzpassagen gehobelt wurden. Er hat deshalb eigens für diesen Auftrag spezielle Hobel angefertigt, wie sie 1708 vermutlich zur Anwendung gelangten.

Um die Fertigstellung der Felderdecke planmässig bis zum Sechseläuten 2010 bewältigen zu können, bekommt Rentsch Unterstützung von der Lehrwerkstätte für Möbelschreiner der Stadt Zürich. Die Lehrlinge werden ihm bei der langwierigen Hobelarbeit zur Hand gehen - und lernen nebenbei, wie das Schreinerhandwerk vor 200 Jahren im Gegensatz zu heute ausgesehen hat.

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