Herbstmesse

Weil sie so schlecht doch nicht ist

Raum zum Abhängen: Der Blick hinter die Stoffbahnen lohnt sich, zu finden sind nebst Kissenburgen auch ein Töggelikasten, Ausschnitte aus Poesiealben oder Beispiele für gelungene Lebenswege, die anders als geplant verlaufen sind.

HESO

Raum zum Abhängen: Der Blick hinter die Stoffbahnen lohnt sich, zu finden sind nebst Kissenburgen auch ein Töggelikasten, Ausschnitte aus Poesiealben oder Beispiele für gelungene Lebenswege, die anders als geplant verlaufen sind.

Die Jugend sei die beste Generation, das behauptet die Sonderschau in ihrem Titel. Und dieser ist Programm: Die Macher wollen damit gegen das Vorurteil der komplett missratenen Jungen antreten.

Regula Bättig

Eher zart besaiteten Seelen könnte es angst und bang werden. Nicht wegen des Themas - so schlimm ist die heutige Jugend nun auch wieder nicht - aber wegen der geballten Ladung an Geschriebenem, mit dem der Besucher der HESO-Sonderschau konfrontiert wird. Verträgt der Besucher derart viel Infos in Textform? «So etwas ist immer eine Gratwanderung», sagt Projektleiterin Ursula Weber. In diesem Fall sei eine gewisse Faktenlastigkeit nicht ganz vermeiden. «Schliesslich wollen wir zeigen, dass die heutige Jugend nicht so schlecht ist, wie sie gerne dargestellt und gesehen wird.»

Dass das Bild der ewig-rumhängenden, latent aggressiven Jugend, die sich nur für Partys, Alk und Drogen interessiert zu «krass» ist, zu «einseitig» oder «stark verallgemeinert», bemängeln nicht nur Jugendliche in einem der gezeigten Videos, sondern auch Marcus Casutt, Leiter der Jugendförderung Solothurn. «Es gibt enorm viele, die sich engagieren», sagt er, «nur ist von denen kaum je die Rede.» Dafür kann der HESO-Besucher mit einigen sogar in Kontakt treten, denn betreut wird die Sonderschau nicht nur von Casutt, Weber und anderen «Offiziellen», sondern auch von Jugendlichen.

Wiedersehen mit eigener Jugend

Natürlich kann sich der Besucher der Jugend von heute auch selbständig nähern, drei Wege stehen ihm dafür offen - jeder mündet in einer wichtigen Frage: «Wer bin ich?», «Was tue ich?» und «Was werde ich?». Dabei kann es durchaus zum Wiedersehen mit der eigenen Jugend kommen. Poesiealben? Stimmt, sowas gabs. Und wie zuverlässig alte Hitparadenhits Erinnerungen wecken - seis an den ersten Kuss oder -Liebeskummer. - ist immer wieder verblüffend.

Sonderschau geht fremd

Wie es sich beim Thema Jugend gehört, verhält sich die Sonderschau nicht grad steif und still: Mit den von Pfadern gestalteten «Ghüderchübeln» und dem Ernährungsparcours, der zum Kultuhrwerk-Zelt führt - der anderen grossen Bastion der Jugend - treibt sie sich auf dem auf dem HESO-Areal rum. Mit dem Film «Knallhart» ist sie heute und morgen um 18 Uhr im Kino im Uferbau zu Gast, in Form des «Jugendschaufensters» streunt sie am Donnerstag durch die Gassen der Stadt und die Liaison mit der Zentralbibliothek dauert gar die ganze Woche: Die «Zenti» hebt Kinder- und Jugendbuch-Klassiker wie Pinocchio, Pippi, Potter & Co. speziell hervor.

Fremdgehen könnte nach der HESO ein noch viel grösseres Thema werden, denn die Ausstellung kann locker irgendwo anders aufgebaut werden kann: Es sei tatsächlich geplant, diese noch an anderen Orten zu zeigen, sagt Ursula Weber. Das ist auch mit ein Grund, dass nicht nur Solothurner prominent ins Bild gerückt oder porträtiert wurden.

Mit der grossen Gefahr aber auch, dass der Zuger Regierungsrat Joachim Eder oder die Politik-Laufbahn des gesichtslose «Gerhard» aus dem Kanton Aargau ein «das seit mer nüt, chumm mer göh» zur Folge haben - das nämlich kann man hin- und wieder beobachten. Nicht verzagen kann sich aber lohnen, gilt doch für die Sonderschau, was auch für die Jugend gilt Wer sich auf sie einlässt, dürfte durchaus positiv überrascht werden.

Öffentliche Führungen heute und am Donnerstag, 17 Uhr. Hintergrundinfos zur Ausstellung: www.die-beste-Generation.ch

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