Spitex Rohrbach
Vor dem Start ins Ungewisse

Knapp einen halben Monat vor der Neuorganisation der Spitex im oberen Langetental weiss die Spitex Langenthal nicht, was in Rohrbach auf sie zukommt. Drei Mitarbeiter der Spitex Rohrbach und Umgebung haben eine eigene Firma gegründet.

Drucken
Teilen
Spitex Rohrbach

Spitex Rohrbach

az Langenthaler Tagblatt

Jürg Rettenmund

Eigentlich ist klar, wer vom Neujahr an in Rohrbach für die Spitex verantwortlich ist: Der Gemeinderat hat einen Vertrag mit der Stadt Langenthal als Sitzgemeinde der Spitex Langenthal und Umgebung abgeschlossen. Er hat Langenthal der neu entstehenden Spitex Oberes Langetental vorgezogen.

Doch Sigrun Kuhn, die Geschäftsführerin der Spitex Langenthal, weiss heute noch nicht, was auf sie in Rohrbach zukommt. «Wir sind bereit, unsere Dienstleistungen anzubieten, wissen aber nicht, wer sie nutzen wird», sagt sie. Sie habe zwar unabhängig von der Situation in Rohrbach eine zusätzliche Mitarbeitende angestellt und sei deshalb gewappnet.

Falls die Nachfrage eine eigene Stelle in Rohrbach rechtfertige, werde sie dort auch ein Büro einrichten. Ob dies der Fall sein wird, weiss sie allerdings noch nicht. Nächste Woche wird die Spitex Langenthal die Rohrbacherinnen und Rohrbacher mit ihrer Informationsbroschüre bedienen.

Rohrbach und Umgebung im Visier

Für die Unsicherheit von Sigrun Kuhn sorgt vor allem ein weiterer Anbieter: Ursula Heiniger, Hans Peter Bieri und Beatrix Büchli, drei Mitarbeitende der Spitex Rohrbach und Umgebung, machen sich selbstständig: Sie haben die Spitextra GmbH gegründet und bieten vom Neujahr an ebenfalls ihre Dienstleistungen in der Pflege an.

«Wir können zwar im ganzen Kanton Bern tätig sein, doch weil die Wegkosten in den Tarifen eingerechnet sind, visieren wir vor allem Klienten in Rohrbach und Umgebung an», gesteht Hans Peter Bieri ein.

Die Motivation für diesen Schritt fasst Bieri in einem Wort zusammen: «Beziehungspflege». Ihm und seinen zwei Mitstreiterinnen sei die Beziehung zu ihren Klienten und zur Bevölkerung zentral. In der öffentlichen Spitex sei diese jedoch nicht garantiert.

Das habe nicht nur mit der besonderen Situation in Rohrbach zu tun. «Gemeinden können ihren Vertrag mit der Spitex-Organisation von Jahr zu Jahr wechseln.» Das könne dazu führen, dass für die Pflegebedürftigen die Bezugspersonen von Jahr zu Jahr wechseln würde. Das gleiche gelte umgekehrt auch für die Pflegenden gegenüber ihren Klientinnen und Klienten.

Ideale Lage

Wie viele Klienten von ihrem Angebot Gebrauch machen werden, weiss auch Bieri noch nicht. Sie hätten ebenfalls mittels Flugblatt informiert. Die drei Geschäftspartner der Spitextra hatten bei der Spitex Rohrbach und Umgebung zusammen umgerechnet ein 200-Stellenprozent-Pensum.

Bereits haben sie am Mittelweg in Rohrbach auch den ehemaligen Lebensmittelladen als Stützpunkt gemietet. «Schon heute ein idealer Standpunkt», erklärt Bieri. Ist das geplante Alterszentrum einmal gebaut, wird er sich direkt daneben befinden.

Spitextra bietet das Grundangebot der Krankenpflege an. Ebenfalls bereits organisiert hat sie einen Mahlzeitendienst. Für eine weitergehende Krankenpflege will sie mit anderen Anbietern zusammenarbeiten. Noch nicht aktiv wird sie in der Hauspflege, weil dort die Tarife sozial abgestimmt und deshalb zum Teil nicht kostendeckend sind.

Auch Oberes Langetental bietet an

Noch komplexer werden die Spitex-Verhältnisse in Rohrbach dadurch, dass auch die Spitex Oberes Langetental mindestens vorübergehend als Anbieterin auftritt. «Grundsätzlich können auch wir Aufträge übernehmen», hält Geschäftsführerin Franziska Ryser fest. «Allerdings tun wir das nicht offensiv, weil wir nicht interessiert sind, denn sonst bezahlen unsere Gemeinden die nicht gedeckten Grundkosten für Rohrbach.»

Bei einigen Klienten der Spitex Rohrbach und Umgebung ist die neue regionale Spitex jedoch verpflichtet, sie weiter zu betreuen, wenn diese es wünschen: Bei denen, die zugleich Mitglied der Spitex-Organisation waren. Wie viele das sein werden, weiss die Geschäftsführerin der Spitex Oberes Langetental allerdings auch noch nicht. Ihren Stellenetat aufgestockt hat sie deswegen jedenfalls nicht.

Aktuelle Nachrichten