Veloständer
Veloständer verdrängen Parkplätze

In der Sissacher Begegnungszone «Strichcode» werden zwei Parkfelder aufgehoben. Sie machen Platz für Veloständer. Die betroffenen Gewerbler haben nichts dagegen – im Gegenteil.

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Strichcode

Strichcode

bz Basellandschaftliche Zeitung

Katja Schlegel

In der Sissacher Begegnungszone «Strichcode» tut sich was: Weil seit der Eröffnung vor einem guten Jahr immer mehr Kunden vorbildlicherweise mit dem Velo statt mit dem Auto ihre Kommissionen erledigen, will die Betriebskommission Begegnungszone zwei der 87 Parkfelder aufheben. Anstelle der beiden Autoabstellplätze sollen drei Veloständer mit Platz für je zehn Fahrräder aufgestellt werden.

Handzahme Gewerbler

Die Aufhebung von Parkplätzen würde andernorts einen Aufschrei unter den betroffenen Gewerblern garantieren. Nicht so in Sissach. Hier scheint die Angelegenheit geräuschlos über die Bühne zu gehen. Die Gewerbler geben sich betreffend Veloständerprojekt nicht nur handzahm - sie sind sogar federführend.

Alfred Gunzenhauser, Präsident der IG Einkaufszentrum, Mitglied der Betriebskommission Begegnungszone und Geschäftsführer der Bäckerei/Konditorei Gunzenhauser, ist der geistige Vater der Veloständeridee. «Unsere Kunden haben das Bedürfnis nach Veloständern. Und wir wollen keine Kundengruppe missachten.» Er hat sogar schon nach geeigneten Veloständermodellen Ausschau gehalten.

Gunzenhausers Haltung mag im ersten Moment erstaunen, waren es doch nicht zuletzt die Gewerbler, die bei der Planung der Begegnungszone auf die Erhaltung jedes einzelnen Parkplatzes bestanden hatten. Heute sieht Gunzenhauser das gelassener: «Ich kann nicht auf jedem Parkplatz herumreiten. Erstens braucht es im Strichcode Platz für alle, auch für Velofahrer. Und zweitens bleibt es ein Parkplatz, wenn auch einer für Velos.» Ausserdem würden die Fahrräder heute an Bäume, Bänkli und Mistkübel gelehnt herumstehen. «Die Veloständer würden nicht zuletzt für Ordnung sorgen.»

Andreas Müller, Inhaber von «Muff Haushalt» und ebenfalls Mitglied der Betriebskommission Begegnungszone, pflichtet Gunzenhauser bei. Wenn Parkplätze wegfallen, sei das zwar nie gut, aber die Velofahrer hätten auch Anspruch auf ihren Platz. «Wir Gewerbler werden oft falsch verstanden: Wir sind nicht pro Auto, sondern pro Kunde.»

Aufgestellt werden sollen die Ständer beim Gemeindehaus, beim Reisebüro Sissach und vor dem Coop, wobei nur die letzten beiden die Aufhebung eines Parkplatzes erfordern. Mit Widerstand aus der Bevölkerung rechnet Gunzenhauser nicht, schliesslich würden die Parkplätze im öffentlichen Bereich liegen. Sie gehören also der Gemeinde und nicht privaten Eigentümern.

Auch Müller glaubt nicht, dass sich jemand an der Parkplatzaufhebung stören wird. «Kritisch würde es erst, wenn sich die Angelegenheit als Salamitaktik entpuppen würde.» Wenn es also nicht bei den zwei Parkplätzen bleiben würde, die jetzt ersatzlos gestrichen werden sollen.

Bis die Veloständer aufgestellt werden, wird es aber noch bis im Frühling dauern. Die Umsetzung will Gunzenhauser möglichst einfach gestalten. «Die Veloständer werden einfach aufgestellt. Das wird ohne grosses Tamtam über die Bühne gehen.»