Bezirksgericht

Taxifahrer und Prostituierte waren ihre liebsten Opfer

Prozess gegen Taxiräuber in Muri

Prozess gegen Taxiräuber in Muri

Ein Schweizer (21) und ein Kosovare (19) standen wegen bandenmässigen Raubes vor dem Bezirksgericht Muri: Ein Schuldspruch, ein Urteil steht noch aus.

Michael Spillmann

Nur wenige Tage nachdem Mirsad (alle Namen geändert) seinen 18.Geburtstag gefeiert hatte, überfiel er in Zürich zusammen mit seinem Kumpel Kevin eine Prostituierte. Während Kevin in seinem Honda wartete, packten Mirsad - und ein minderjähriger Kollege - die Frau und entrissen ihr die Handtasche. Die 1000 Franken teilten sich die Räuber auf der Heimfahrt in den Aargau auf. Einen Teil des Geldes gaben sie dort in einem Sex-Club für Liebesdienste aus. Das war an einem Samstag im November 2008. Es sollte der erste von insgesamt vier Überfällen sein.

Die Erklärungen des Kosovaren und des Schweizers zu den Beweggründen gingen gestern vor Bezirksgericht Muri auseinander. «Mein Kollege kam auf die Ideen. Es war eine Dummheit, dass ich mitgemacht habe», sagte Mirsad. Kevin entgegnete, sein jüngerer Kollege habe Geld gebraucht. Bei den Taten habe jeder eine Rolle gespielt.

Seit der Zeit in U-Haft ist es mit der Freundschaft zwischen den Beiden vorbei. Früher seien sie «wie Brüder» gewesen, so der 19-jährige Kosovare.

In jenem Samstag im November 2008 konnte es den «Brüdern» nicht schnell genug gehen. Nach dem «Club-Besuch» machte sich das Trio noch in der gleichen Nacht zum nächsten Überfall auf. In Luzern lockten sie einen Taxifahrer in eine Falle. Mirsad nahm das Opfer mit einem Fahrradschloss in den Würgegriff, die Komplizen drohten mit Alu-Profilrohren.

Alles sei «spontan» passiert

Dann kehrte vier Monate Ruhe ein. Mitte März 2009 stand der nächste Überfall an. Nun waren die Angeklagten alleine. Sie hätten das nicht im Voraus geplant, es sei einfach «spontan» passiert, betonten sie gegenüber dem Gerichtspräsidenten.

Der Tatort war wieder Luzern, und erneut war ein Taxifahrer das Ziel. Mirsad würgte den Chauffeur - mit blossen Händen. Schliesslich flüchteten die Räuber mit 450 Franken. Doch es ging noch weiter: Nur drei Tage später schlug das Duo in Benzenschwil zu. In jener Nacht sass Mirsad alleine als Fahrgast im Taxi. Kevin - ein gelernter Maurer - kam zu Fuss hinzu und drohte mit dem Alu-Rohr, sein Komplize hielt dem Taxifahrer derweil ein Messer an den Hals. Die Beute teilte sich das Duo brüderlich.

«Kriminell» und «asozial»

Neben dem Vorwurf des bandenmässigen Raubes kamen vor Gericht weitere Punkte hinzu, unter anderem mehrfache vorsätzliche Körperverletzung. Grund: Mirsad und Kevin hatten mit einer Paintball-Waffe aus dem Auto auf Passanten geschossen. Der Staatsanwalt forderte für Mirsad eine Freiheitsstrafe von 4 Jahren, für Kevin ein halbes Jahr mehr. Der Staatsanwalt sprach von einer zunehmenden Gewalttätigkeit, im Zusammenhang mit den Paintball-Schüssen von «asozialen Charakteren». Der Verteidiger von Mirsad forderte hingegen eine teilbedingte Freiheitsstrafe von zwei Jahren, Kevins Verteidiger eine gleich lange, bedingte Strafe.

Das Urteil: Kevin erhielt eine Freiheitsstrafe von drei Jahren, davon sind 15 Monate unbedingt. Mirsad droht eine ähnliche Freiheitsstrafe, ein Urteil ist aber noch nicht gefällt, da für die vom Verteidiger vorgeschlagene Einweisung in ein Massnahmezentrum erst ein Gutachten gemacht werden muss.

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