TalkTäglich

Swiss-Notlandung am Polarkreis: «Ich bin im Pyjama ins Cockpit gegangen»

«Ich sass im Pyjama im Cockpit»

«Ich sass im Pyjama im Cockpit»

In der Sendung «TalkTäglich» schildert Kapitän Roberto Battaglioni die Sicherheitslandung in Iqaluit. Die besten Momente im Zusammenschnitt.

Mitten in der kanadischen Arktis musste die Swiss-Maschine notlanden. Im «TalkTäglich» von Tele Züri erzählten der Pilot Roberto Battaglioni und Andreas Thurnheer vom Krisenstab in Zürich, wie sie die nervenaufreibende Landung erlebt haben.

Er habe zuerst gar nichts bemerkt, als ihn jemand in die Zehe gezwickt und wecken wollte, erzählte Roberto Battaglioni, diensthabender Pilot der LX40, welche am 1. Februar plötzlich notlanden musste. Doch dann ging es schnell: Nur zwei Minuten später sass der Kapitän im Pyjama im Cockpit. "Die zwei anderen Piloten haben mir sofort gesagt, was los ist: Engine Fail", sagte Battaglioni. 

Die ausserplanmässige Landung von Flug LX40 in Iqaluit.

Die ausserplanmässige Landung von Flug LX40 in Iqaluit.

Um 13.32 war das Flugzeug in Zürich gestartet, Ziel war die Stadt Los Angeles. Nach etwa der Hälfte der Strecke jedoch musste die Maschine in der kanadischen Arktis in Iqaluit notgelandet werden, da ein Triebwerk ausgefallen war. Der Flughafen der Stadt, welche 1200 Kilometer Luftlinie nördlich der kanadischen Stadt Quebec liegt, ist für Notlandungen entlang der Polarroute vorgesehen.

"Im ersten Moment ging natürlich der Puls hoch", gab Battaglioni zu. "Aber dafür sind wir trainiert. Wir mussten uns konzentrieren, unsere Emotionen unter Kontrolle bringen und einen Einstieg ins Prozedere finden, um die Situation unter Kontrolle zu bringen."

Auch bei Andreas Turnheer vom Krisenstab in Zürich schoss der Puls einen Augenblick lang in die Höhe, als er auf dem Nachhauseweg von den Triebwerkproblemen erfuhr. "Es ging mir ähnlich wie den Piloten: Man hat ein paar Sekunden, um die Situation zu erfassen und dann überlegt man sich die Optionen, die man hat." Der erste Kontakt mit Battaglioni hätte er erst gehabt, als dieser schon am Boden gewesen sei.

Dem Kapitän und seiner Crew gelang es schliesslich, die Maschine sicher in Iqaluit zu landen. Sein Puls habe sich bis zu diesem Zeitpunkt wieder beruhigt: "Wir hatten eine Stunde und zwanzig Minuten Zeit, um uns auf die Landung vorzubereiten. Wir haben alles im Griff gehabt", so Battaglioni. Allerdings sei entgegen der Erwartung der Piloten die Hälfte der Landepiste noch voller Schnee gewesen. "Damit habe ich nicht gerechnet, das wurde uns nicht richtig, gemäss Standard, gemeldet," sagte er.

Sicherheitslandung am Polarkreis: Sehen Sie hier die Sendung in voller Länge

Sicherheitslandung am Polarkreis: Sehen Sie hier die Sendung in voller Länge

Roberto Battaglioni ist der diensthabende Pilot der LX40, welche am 1. Februar nach einem Triebwerkausfall plötzlich landen musste.

Erst einmal am Boden, begann die Arbeit des Krisenstabs. "Vorher waren auch wir Zuschauer", erzählte Turnheer. Als Hauptproblem stellte sich die Unterbringung der Passagiere heraus: Es gab nur ein Zimmer mit drei Betten in Iqaluit. Deshalb musste möglichst schnell eine Maschine aus New York eingeflogen werden, welche die Passagiere ausfliegen konnte. Während der Wartezeit ging Battaglioni von Reihe zu Reihe und klärte alle Passagiere über die Situation auf. "Ich hatte genug Zeit dafür; wir verbrachten acht Stunden Wartezeit im Flugzeug", sagte der Pilot bescheiden.

Um die Maschine zu reparieren, musste ein Ersatztriebwerk nach Iqaluit geflogen werden. Dieses musste in einem notdürftig aufgestellten Zelt ausgewechselt werden, bei Temperaturen von bis zu minus 30 Grad.

Und wer durfte schlussendlich die reparierte Maschine nach Hause fliegen? "Ich" sagte Battaglioni und lachte.

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