Spital braucht freiwillige Helfer

Weil das ausgelastete Personal immer weniger lang an Patientenbetten sitzen kann, ist das Kantonsspital Aarau zunehmend auf freiwillige Helfer angewiesen. Die Betreuung geht von Spaziergängen bis hin zur Sterbebegleitung.

Drucken
Teilen
ksa.jpg

ksa.jpg

Michael Spillmann

Rund 80 Personen arbeiten im Freiwilligendienst am Kantonsspital Aarau (KSA) mit. Die Organisation «Im Dienste eines Mitmenschen» - kurz Idem - ist eine politisch und konfessionell neutrale Organisation und in viele Spitäler der Schweiz integriert. «Das Pflegepersonal ist für die Pflege zuständig, wir unterstützen nur», betont Leiterin Ruth Straumann. So ergänzen die Helferinnen und Helfer das Pflegepersonal dort, wo dieses aufgrund der steigenden Auslastung auf Hilfe angewiesen ist. Sie empfangen und begleiten Patienten beim Eintritt, führen Besuche auf den Spitalzimmern durch oder machen Spaziergänge, betreuen Kinder, wenn Angehörige fehlen, oder Patienten auf der Notfallstation, sie führen die Patientenbibliothek und den Kiosk.

«Wir reden mit Patienten, die wenig Besuch oder keine Angehörigen haben, und sprechen über ihre Probleme. Dabei ist das Zuhören sehr wichtig, man muss sich viel Zeit nehmen», so Ruth Straumann, die 1978 den Dienst am KSA gründete und für die Einsatzplanung der verschiedenen Untergruppen verantwortlich ist.

Physische und psychische Belastung

An die freiwilligen Helfer werden hohe Anforderungen gestellt. «Sie brauchen Einfühlungsvermögen für kranke Menschen und eine hohe physische und psychische Belastbarkeit», erklärt die Leiterin. Dem Dienst angeschlossen sind auch die Freiwilligen der Gruppe «Ersatz für Angehörige», die Efa, die Schwerstkranke und Sterbende unterstützt und begleitet. Seit über zwei Jahren mit dabei ist die 42-jährige Jane Seeger aus Suhr. Die Hausfrau sitzt pro Monat an einem oder zwei Wochenenden jeweils in einer Nacht vier Stunden am Bett eines Sterbenden. «Auch wenn es vielleicht keine verbale Kommunikation gibt: Die Sterbenden merken immer, dass jemand bei ihnen ist», so die Suhrerin. Sie selber habe keine Angst vor dem Tod, und das sei wichtig für ihre Tätigkeit in der Sterbebegleitung. «Helfer, die mit dem Dienst ihre eigenen Ängste vor dem Tod überwinden wollen, sind nicht geeignet», sagt sie. Den Dienst gibt es, um Angehörige, die tagelang im Spital am Bett von Patienten sitzen, in der Nacht zu entlasten oder für Patienten, die keine Angehörigen haben. Jane Seeger: «Bei Sterbenden ist Trost fehl am Platz - der Tod ist eine Tatsache. Es gibt Patienten, die aggressiv werden, aber das darf man nicht persönlich nehmen.»

Vorbereitung und Weiterbildung

Alle Mitglieder der Freiwilligenorganisation werden auf die verschiedenen anspruchsvollen Aufgaben vorbereitet. Jane Seeger besuchte zusätzlich freiwillig externe Seminare: «Eine sehr wertvolle Erfahrung für meine Einsätze.» Die Mitglieder treffen sich viermal pro Jahr zwecks Weiterbildung zu Zusammenkünften, wo sie ihre Erfahrungen in der Begleitung der Sterbenden austauschen. Zum Ifa-Team gehören eine Pflegefachfrau, ein Arzt und zwei Seelsorgende.

Nachteinsätze immer mehr gefragt

Wie Idem-Leiterin Ruth Straumann schildert, nehmen die Anfragen der Spitalstationen für Nachteinsätze immer mehr zu: «Es besteht ein grosses Bedürfnis nach Begleitung in der Nacht. Wir suchen dringend nach freiwilligen Helfern, die sich in der Sitzwache engagieren.» Interessierte melden sich unter der Nummer 056 441 28 36 oder jeweils am Dienstagnachmittag zwischen 14 und 18 Uhr unter Telefon 062 838 40 76.

Aktuelle Nachrichten