Chnübel-Festival
«Sonst kommen die kleinen Gemeinden unter die Räder»

Aussergewöhnlicher Anlass am ersten Chnübel-Festival: Die Gemeinderäte von Dürrenäsch und Leutwil stellten sich gemeinsam dem Publikum.

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Aargauer Zeitung

Fritz Thut

Im Rahmen des zweiwöchigen Chnübel-Festivals auf dem Aussichtspunkt zwischen Dürrenäsch und Leutwil bestritten die Gemeinderäte der beiden Dörfer einen «einzigarten Anlass», wie Kulturkommissionspräsident Hermann Graser in der Begrüssung ausführte.

Die Exekutivmitglieder (ferienhalber fehlte nur ein einziges) stellten sich unter der gewieften Moderation des ehemaligen Seenger Grossrats Ruedi Suter den Fragen des Publikums. Obwohl der Inhalt des Gemeinderats-Hearing eher Tiefgang als leichte Unterhaltung versprach, füllten rund hundert Besucher das Jurtenzelt.

«Näher zueinander finden»

Tierisch ernst nahmen die Räte der Nachbargemeinden den aussergewöhnlichen Event - zum Glück - nicht. Offen und munter wurde aus der Schule geplaudert, natürlich ohne Amtsgeheimnisse zu verraten.

Neben verschiedenen Allgemeinplätzen (Aufsteller und Ablöscher der bisherigen Amtszeit) und Detailfragen («Dürfen auch Leutwiler in die bald realisierten Dürrenäscher Alterswohnungen einziehen?») kam die Rede mehrmals auf die aktuelle und künftige Kooperation von Dürrenäsch und Leutwil.

«Wir kleine Gemeinden müssen lernen zusammenzuarbeiten, sonst kommen wir unweigerlich unter die Räder», hielt der Dürrenäscher Gemeindeammann Hansjörg Hintermann fest. Sein Leutwiler Amtskollege Walter Scheurer gab Sukkurs: «Vielleicht ist heute ein historischer Tag und ich hoffe, dass wir in Zukunft noch näher zueinander finden.»

In verschiedenen Voten kam zum Ausdruck, dass in der Vergangenheit in diesem Bereich nicht immer alles optimal gelaufen ist. Hintermann als Dienstältester aller neun Räte umschrieb es so: «Die Kooperation erlebte immer ein Auf und Ab.» Als Landwirt verglich er diese Schwankungen mit dem Schweine-Zyklus, der den Preis des Borstenviehs bestimmt.

Missverständnis im Fall Post

Spontaner Applaus nach gewissen Aussagen lässt vermuten, dass das Fussvolk es schätzen würde, wenn sich die beiden Räte in Zukunft noch mehr austauschen würden. Vielleicht liessen sich dann auch Missverständnisse vermeiden, wie sie bei der gegenwärtig laufenden Unterschriftensammlung für den Erhalt der Dürrenäscher Poststelle offenbar wurden: Die Dürren-äscher hätten wohl mehr Unterstützung vom Nachbarort bekommen, wenn sie ihn offiziell angefragt hätten.

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