Nuss

«Solarstrom bei uns fördern»

SP-Nationalrat und Solarunternehmer Eric Nussbaumer.

Nussbi

SP-Nationalrat und Solarunternehmer Eric Nussbaumer.

«Nichts anderes als eine Kapitalanlage»: Der Frenkendörfer Eric Nussbaumer beleuchtet die geplanten Millionen-Investitionen von EBL und IWB in ein Solarkraftwerk in Südspanien.

Hans-Martin Jermann

Herr Nussbaumer, Sie kritisieren die geplanten Millionen-Investitionen von EBL und IWB in Südspanien .

Eric Nussbaumer: Moment. So absolut sehe ich das nicht. Grundsätzlich sind sämtliche Bemühungen für eine umweltfreundlichere Energieversorgung begrüssenswert. Positiv ist auch, dass die EBL mit der Stromproduktion aus erneuerbaren Energien im grossen Stil eine strategische Neuorientierung vornimmt. Die Hauptrichtung stimmt.

Aber?

Nussbaumer: Die Investition ist kein Mittel zur Beschaffung von erneuerbarer Energie für die EBL-Kunden oder zur Veränderung des Strommixes in der Schweiz. Der vom Solarkraftwerk produzierte Strom bleibt in Spanien. Das Ganze ist also nichts anderes als eine Finanzanlage. Hat man zu viel verdient, muss man Kapitalanlagemöglichkeiten suchen. Das hat die EBL gemacht. Dennoch muss man sich fragen: Warum investiert die EBL als lokaler

Energieversorger 60 Millionen Franken in Spanien und nicht in der eigenen Region?

Ja, warum tut sie das?

Nussbaumer: Die Begründung macht hellhörig: Die EBL lobt das revidierte spanische Gesetz für eine höhere Einspeisevergütung, das bald in Kraft treten soll. Die Investition lohnt sich wegen dieser gesetzlichen Rahmenbedingungen. Gleichzeitig hat der Verband der Schweizer Elektrizitätsunternehmen, dem die EBL angehört, in der Schweiz eine Kostendeckende Einspeisevergütung (KEV, siehe Update) bekämpft und will sie nun nicht ausbauen. Das ist eine doppelzüngige Strategie der Elektrizitätsbranche.

Es war aber nicht die EBL, die hier die Einspeisevergütung bekämpft hat.

Nussbaumer: Das stimmt. Trotzdem ist das Millionen-Investment der EBL fragwürdig: Sie erzielt nicht zuletzt wegen der spanischen Einspeisevergütung eine höhere Rendite als es mit einem ähnlichen Projekt mit erneuerbaren Energien in der Schweiz der Fall wäre. Doch ist Rendite-Maximierung primäre Aufgabe einer regional verwurzelten Genossenschaft? Das darf man sicher fragen. Mit 60 Millionen Franken könnte die EBL auch ein lokales Programm zur Stärkung der Solarstromproduktion lancieren: Von jedem neuen Haus im Baselbiet, auf das eine Solaranlage installiert wird, kauft sie freiwillig den Strom zu kostendeckenden Preisen ab. Neben dem direkten ökologischen Nutzen würde dies in unserer Region Wertschöpfung generieren und Arbeitsplätze schaffen.

Diese Investition wäre aber weniger rentabel. Nicht nur wegen der geringeren Einspeisevergütung, sondern auch wegen der Sonnenscheindauer ist das Geld in Spanien besser angelegt.

Nussbaumer: Dass in Spanien häufiger die Sonne scheint, darf kein Grund sein, Solaranlagen nicht auch in der Schweiz stärker zu fördern. Das Potenzial ist da: Solarstromanlagen könnten 30 bis 40 Prozent des hiesigen Stromverbrauchs decken. Das sagt nicht der Solarunternehmer Eric Nussbaumer, sondern das renommierte Paul Scherrer Institut und die Schweizerische Akademie der Technischen Wissenschaften. Wir könnten in der Schweiz den gesamten Stromverbrauch mit erneuerbaren Energien decken. Solarstrom spielt dabei eine Schlüsselrolle: Er ist die Technologie des Jahrhunderts.

Das geht nicht von heute auf morgen.

Nussbaumer: Nein. Um dieses Ziel zu erreichen, müsste in der Schweiz 30 Jahre lang eine konsequente Investitionsstrategie gefahren werden. Natürlich ist der Solarstrom heute noch teurer. Aber er wird günstiger, wenn ein Marktvolumen geschaffen wird.

Das führt uns wieder zur KEV, die in der Schweiz plafoniert ist.


Nussbaumer: Ja. Deshalb sind im Solarbereich private Investitionen in Millionenhöhe blockiert. Ein Fördersystem, das nicht funktioniert, schafft keine Investitionssicherheit.

Energieminister Moritz Leuenberger hat das Problem erkannt: Mit einer Erhöhung der KEV-Umlage sollen dem Topf neue Mittel zugeführt werden.

Nussbaumer: Das ist begrüssenswert. Der Antrag liegt in der nationalrätlichen Kommission für Umwelt, Raumplanung und Energie, in der ich mitwirke. Es wird noch ein paar Monate dauern, aber ich hoffe, dass wir die Plafonierung wegbringen. Dann kann auch meine EBL - ich bin ja treuer Genossenschafter - ihre Millionen in der Schweiz investieren.

Im Baselbiet wird derzeit darüber gestritten, ob Solaranlagen in Kernzonen erlaubt sein sollen.

Nussbaumer: Eine zweitrangige Diskussion. Die Kernzonen stellen einen kleinen Teil der bebauten Fläche dar. Entscheidender ist, dass woanders im grossen Stil Solardächer installiert werden. Im Baselbiet sollte kein Neubau erstellt werden dürfen, der kein Solarkraftwerk als Dach hat. Die Technik ist vorhanden. Architekten und Gewerbe können dies umsetzen, wenn man ihnen einen förderlichen Rahmen gibt.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1