Russe

Russe «dealte» mit Champagner

Weniger Nachfrage nach Champagner

Weniger Nachfrage nach Champagner

Um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten, stahl ein Mann aus Russland mehrfach teuren Champagner. Dafür stand er bereits vor Gericht. Zu seinem Pech kam noch ein weiterer Diebstahl ans Licht.

Aline Wüst

Ein unauffälliger Mann mit freundlichem Gesicht sitzt im Wartezimmer des Bezirksgerichts Aarau. Leider hat der Russe einen Hang zu teurem Champagner und kam dadurch schon mehrmals in Konflikt mit der Schweizer Justiz. Und ein Kostverächter ist er beileibe nicht: Veuve Cliquot brut, Moet & Chandon und Moet & Chandon Nectar Imp. lauten die wohlklingenden Namen.

Französisches Sprudelwasser hin oder her, mit dem Deutsch happerts, darum wurde bei der Gerichtsverhandlung am vergangenen Mittwoch gedolmetscht. Seine Dolmetscherin war eine Russin wie aus dem Bilderbuch: blonde lange Haare, Minirock und kniehohe Stiefel.

Schwammige Erinnerungen

Für drei Champagner-Diebstähle von insgesamt 43 Flaschen hatte er sich letztes Jahr bereits vor Gericht verantworten müssen. Am Mittwoch stand nun ein im Nachhinein ans Licht gekommener Diebstahl auf dem Programm.

Obwohl der Russe Gerichtserfahrung hat, wippte er nervös mit seinen Lackschuhen, als Gerichtspräsident Thomas Müller die Anklage eröffnete. Geduldig zählte Müller die verschiedenen gestohlenen Champagnersorten auf und fragte: «Haben Sie den Diebstahl begangen?» Die Dolmetscherin übersetzte ins Russische, der Angeklagte antwortete, worauf die Dolmetscherin erneut übersetzte: «Er kann sich nicht genau erinnern, aber o.k., wenn sie das so sagen, dann hat er es gemacht.»

Der Gerichtspräsident wollte es genauer wissen. Ihn erstaunte, wie der Russe 40 Flaschen auf einmal stehlen konnte. «Hatten Sie Komplizen, oder stahlen Sie an besagtem Tag mehrmals?» Wieder wurde hin und her übersetzt: «Könnte sein, dass er mehrmals geklaut hat. 40 Flaschen sind wirklich zu schwer, um alle auf einmal zu stehlen.» Der Angeklagte beteuerte indes, er habe immer allein gestohlen.
Mit dem Champagner betrank er sich nicht, sondern verkaufte ihn weiter. Daher wird ihm gewerbsmässiger Diebstahl vorgeworfen.

Rückkehr nach Russland

«Verlassen Sie nach der Haft die Schweiz?», wollte Müller vom Beschuldigten wissen. Denn der Russe hält sich seit 2003 illegal in der Schweiz auf. Ja, das wolle er und er habe darum seine Schwester beauftragt, ihm seine Ausweise ans Bezirksgericht zu senden, sagte der Angeklagte. Zum Ende der Einvernahme entschuldigte er sich zudem für die Verbrechen, die er in der Schweiz begangen habe. Er wünsche sich eine baldige Rückkehr nach Russland.
Das Urteil: 210 Tage Freiheitsstrafe. Die U-Haft von 97 Tagen wird ihm angerechnet. Bei weiterhin guter Führung wird ihm ein Drittel der Haftzeit entlassen. Aber nur, wenn die Ausreise nach Russland bis dann organisiert ist. Der Angeklagte nahm das Urteil zustimmend entgegen. Gerichtspräsident Müller begründete das milde Urteil wie folgt: «Der Russe hat glaubwürdig erklärt, dass er aufhört, in der Schweiz Champagner zu stehlen.»

Müller wollte die Verhandlung bereits schliessen, als der Russe noch die Bitte aussprach, bald einmal nach Hause telefonieren zu dürfen. Und der Gerichtspräsident versprach dem Verurteilten, sich darum zu kümmern.

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