Toni Widmer

Die Erdgas Zürich AG wird nicht in die Pelletwerk Mittelland AG investieren. Damit scheint die Sanierung des jungen, finanziell angeschlagenen Unternehmens in Schöftland in weite Ferne gerückt. Leo Baumgartner, der Vizepräsident des Verwaltungsrates, macht zwar weiterhin auf Optimismus und spricht von potenziellen Investoren, mit denen noch diese Woche Gespräche geführt werden sollen.

Doch die Verzweiflung ist ihm anzumerken, wenn er erklärt: «Wir haben noch etwas Luft. Aber wenn wir in den nächsten zwei Wochen keine Lösung finden, wird sie uns wohl definitiv ausgehen.»

Schwierigkeiten zu gross

Erdgas Zürich begründet seinen Rückzug mit der Erkenntnis, dass sich ein wirtschaftlicher Betrieb des überschuldeten Pelletwerks kaum realisieren liesse. Das Unternehmen sei zwar vorerst bereit gewesen, bis zu 6 Millionen Franken in die Sanierung der erst vor einem Jahr in Betrieb genommen Anlage zu investieren.

Im Laufe der Vertragsverhandlungen hätten sich jedoch immer neue technische und finanzielle Schwierigkeiten ergeben. Unter anderem hätte die Polymill AG laufend höhere Forderungen gestellt (die Polymill AG ist Aktionärin des Pelletwerks und Eigentümerin der Produktionsräumlichkeiten).

Peter Dietiker, Bereichsleiter Erneuerbare Energien von Erdgas Zürich, konkretisierte die Probleme: «Wir mussten erkennen, dass sich das Pelletwerk auch mit hohen Investitionen mittelfristig nicht rentabel betreiben lässt.»

Die Idee, Pellets statt aus Sägerei- und Schreinereiabfällen aus Waldholz herzustellen und damit die Wertschöpfungskette zu verlängern, sei offenbar im Moment noch nicht marktreif, erklärt Dietiker weiter: «Die Idee an sich ist bestechend. Sie hat aber angesichts der aktuellen Marktsituation mit den bestehenden Überkapazitäten kaum Chancen.»

Zu optimistisch geplant?

Zur Frage, ob das Pelletwerk unter zu optimistischen Annahmen geplant und in Betrieb genommen worden sei, wollte sich Dietiker nicht konkret äussern. Er sagte dazu lediglich: «Die Initianten haben sicher an ihre Prognosen geglaubt.» Wie es weitergeht, weiss man in Schöftland zurzeit noch nicht. Man greife buchstäblich nach jedem Strohhalm, um das Werk noch retten zu können, erklärt Leo Baumgartner.

Wenn sich in den nächsten Tagen keine Lösung abzeichnet, wird das Unternehmen wohl seine Bilanz deponieren müssen. Damit verliert nicht nur die Schöftler Polymill AG, auf deren Initiative die Gründung des Pelletwerks letztlich zurückgeht, viel Geld.

Mehr oder weniger grosse Beträge werden auch die rund 60 am Unternehmen beteiligten Ortsbürger- und Bürgergemeinden in den Kantonen Aargau, Solothurn und Baselland abschreiben müssen. Sie stellen zusammen eine Zweidrittelmehrheit an der Pelletwerk Mittelland AG, die aktuell ein Aktienkapital von 3,4 Millionen Franken ausweist. Ein Drittel der Aktien gehört der Polymill AG.

Hoher Verlust im ersten Jahr

Das Unternehmen stand von Anfang an unter einem schlechten Stern. Die Anlage lief nie so, wie sich die Initianten sich das vorgestellt hatten. Zum einen gab es Schwierigkeiten mit dem Grobzerkleinerer, zum andern konnte auch die angestrebte Leistung im Trocknungsprozess nicht erreicht werden. Die Probleme haben sich derart summiert, dass das Unternehmen für das erste Betriebsjahr einen Verlust von 2,5 Millionen Franken ausweisen muss.