Von Andreas Maurer

Wer sie einmal entdeckt hat, sieht sie plötzlich vielerorts an Fassaden: kleine Ultraschallgeräte, die hohe Töne mit einem unermüdlich rotierenden Spiegelchen ausstrahlen. Die Ultraschallwellen sollen Tauben fernhalten. Besonders reich bestückt ist der Basler Marktplatz: Die Brasserie Baselstab und die UBS haben zahlreiche Geräte installiert. Die Tauben zeigen auf ihre eigene Art, was sie davon halten: Manche setzen sich auf die einige tausend Franken teuren Geräte und hinterlassen darauf eine schmierige Kotspur.

«Bis heute wurde keine Tierart gefunden, die sich mit Ultraschall vertreiben liesse», erklärt der Basler Biologe Daniel Haag-Wackernagel. Wegen seiner grossen Taubenkenntnisse wird er oft als «Taubenpapst» bezeichnet. «Alle wildlebenden Tiere sind neophob, meiden also anfänglich Neues, gewöhnen sich dann aber schnell daran», erläutert er. Solche Neophobiereaktionen würden dann als Erfolg gewertet. Ultraschall wird auch gegen andere Vogelarten, Flughunde, Mäuse, Ratten, Siebenschläfer, Marder oder Insekten eingesetzt. «Erfolglos», kommentiert Haag-Wackernagel.

Auch gegen Menschen wird Ultraschall eingesetzt. Das Baselbieter Kantonsgericht installierte im Sommer 2007 Ultraschallgeräte, um Jugendliche von den Treppen fernzuhalten. Nach lautem Protest wurde der Versuch rasch beendet. Die hohen Pfeiftöne zeigten aber Wirkung: Jugendliche, die noch im Ultraschallbereich hören, fühlten sich massiv belästigt.

«Tauben können die Töne aber nicht hören, weil ihre Hörschwelle unter 12 000 Hertz liegt», betont Haag-Wackernagel. Die führende Schädlingsbekämpfungsfirma der Schweiz Rentokil führt deshalb keine Ultraschallgeräte im Sortiment. «Wir haben in Versuchen schlechte Erfahrungen gemacht und setzen daher auf mechanische Abwehrmassnahmen», erklärt Paul Stauffer.

Ganz anderer Meinung ist Peter Hünenberger von der Basler Firma Ultronic Systems, die auf Ultraschallschutzsysteme spezialisiert ist. Dass sich Tauben manchmal auf die Geräte seiner Firma setzen, erklärt er so: «Wenn das Gerät nach unten strahlt, kriegt die Taube oben natürlich nichts mit.» Befindet sich die Taube im Einflussbereich eines Gerätes, spüre sie die Wirkung sehr wohl: «Es geht nicht nur ums Hören der Töne, sondern um die Beeinflussung des Körpers.»

Der Schalldruck sei für die Tiere unangenehm - ähnlich wie für einen Menschen, der vor einem aufgedrehten Lautsprecher stehe. «120 Dezibel führen bei Vögeln und Ratten zu physiologischen Veränderungen des Körpers, bei 140 Dezibel erhöht sich die Körpertemperatur und bei 150 Dezibel fallen Mäuse, Ratten und Tauben tot um», zitiert er einen amerikanischen Wissenschaftler. Wie viel Dezibel die Geräte seiner Firma erzeugen, gibt er aber nicht bekannt: «Das ist unser Geschäftsgeheimnis.»