Johannes Reichen

Seit einem Jahr liegt der Entwurf des Bundesamts für Raumentwicklung vor. Seit einem Jahr müssen die Berner darin lesen, dass sie nur in der zweiten Liga mitspielen. Die Rolle eines «Städtenetzes» nimmt die «Hauptstadt Region Bern» ein, auf gleicher Stufe wie Luzern oder der Jurabogen. Fern dagegen ist die erste Liga mit den «Metropolitanräumen» der Regionen Zürich, Basel und Genfersee-Becken. Um doch dahin zu gelangen, hat sich Bern die Aufstiegsrunde verschrieben.

Eine neue Positionierung ist das aktuelle Resultat, das Regierungsrat Christoph Neuhaus (SVP) und Stadtpräsident Alexander Tschäppät (SP) gestern präsentierten. «Hauptstadtregion Schweiz» nennen sie das Gebilde, das nach Thun, Biel, Burgdorf und Langenthal und über den Kanton hinaus nach Solothurn, Neuenburg und Freiburg reicht. «Wir wollen den Grossraum Bern als eine Region mit einer national einzigartigen Stellung und einem eigenständigen Profil positionieren», sagte Tschäppät. «Wir sind nicht gleich, aber gleichwertig.»

Das Politikzentrum würdigen

Es gebe keine überprüfbare Definition eines Metropolitanraums, sagte Justiz-, Gemeinde- und Kirchendirektor Neuhaus. «Es ist also nicht nachvollziehbar hergeleitet, weshalb ein Grossraum als Metropolitanraum bezeichnet wird, ein anderer aber nicht.»

Die ausschlaggebenden ökonomische Kriterien will Bern erweitern. Wirtschaftsdynamik, Entwicklung, Innovationskraft seien wichtig, aber nur ein «bestimmter Ausschnitt der Realität», so Tschäppät. «Weiche Kriterien», also kulturelle, gesellschaftliche und politische, gelte es dabei ebenso zu berücksichtigen. Und insbesondere mit Letzteren will Bern punkten.

Drei Studien wurden erarbeitet, nun liegt ein Argumentarium vor. Die Grossregion Bern hat demnach als politisches Zentrum eine zentrale Bedeutung für die Regionen und hat dank Politik, Verwaltung und Bildungseinrichtungen ein grossstädtisches Profil. Die Bedeutung Berns, so Tschäppät, sei auch wichtig für Zürich, Basel und Genf/Lausanne. Die Formel bei der Definition von Räumen müsse «drei (Metropolitanräume) plus eins» lauten. Von einer «Metropole» ist in Bern jetzt aber keine Rede mehr. Der Grossraum Bern, so Neuhaus, zeichne sich vor allem durch Einzigartigkeit aus - und sieht sich darum «auf gleicher Augenhöhe» mit den «Metropolitanräumen».

Heimat vieler Institutionen

Die Verflechtung von Politik, Wirtschaft, Verwaltung, Forschung und Bildung machten die Hauptstadtregion zum politischen und verbindenden Zentrum der Schweiz, so Tschäppät. So befänden sich hier etwa:

- das Politikzentrum mit Bundesrat, Parlament und Verwaltung;
- Landesverbände und Lobbyorganisationen, etwa das Haus der Kantone;
- Institutionen des Service public: SBB, Swisscom, Post, Ruag, Nationalbank;
- wichtige Bundesämter: jenes für Kommunikation in Biel, das für Statistik in Neuchâtel;
- Bildungsinstitutionen wie die Universitäten Bern, Neuchâtel und Fribourg.
- Kulturelle - und durchaus politische Ereignisse - wie etwa in Solothurn die Literatur- sowie die Filmtage.

Verbündete finden

Auf wirtschaftlicher Ebene will sich der Kanton Bern auf die Seite der Westschweiz schlagen, auch mit dem Kanton Zürich will Bern lobbyieren (wir berichteten). Und nun will Bern auch Verbündete in den angrenzenden Kantonen im Westen und deren Städte für die «Hauptstadtregion Schweiz» finden. «Wir wollen sie zur Zusammenarbeit einladen», sagte Tschäppät. Und auch den Bund - «Nutzniesser einer starken Hauptstadtregion» - gelte es in die Diskussion einzubeziehen.
Es ist noch unklar, welche Rolle das Raumkonzept dereinst spielen wird, und ob es überhaupt je zum Tragen kommt. Unabhängig davon, sagte Tschäppät, gelte es, sich zu posititionieren.