Atommüll
Neuer Verein kämpft gegen Atommüll im Bözberg

De neue Verein KAIB will am Bözberg Widerstand gegen ein Atommüll-Lager wecken. Die Region sei schon genug mit diversen Atomanlagen belastet.

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«Kein Atommüll im Bözberg»

«Kein Atommüll im Bözberg»

Peter Belart

Der Grossraum Bözberg ist einer von sechs möglichen Standorten, die von der Nagra zur Tiefenlagerung radioaktiver Abfälle ausgeschieden wurden. Knapp 50 Gemeinden liegen innerhalb eines Perimeters, der von einem allfälligen Bau betroffen sein könnte. Dazu kommen grenznahe Gebiete Deutschlands.

Der neu gegründete Verein KAIB («Kein Atommüll im Bözberg») will sich dafür einsetzen, dass hier keine atomaren Abfälle eingelagert werden. Er stellt jedoch auch die Tiefenlagerung ganz allgemein infrage und plädiert für ein Moratorium in dieser Sache.

Region hat genug Atom- und Energieanlagen

Das Argumentarium des Vereins umfasst im Wesentlichen vier Punkte: Erstens sei die Region schon jetzt mit diversen Anlagen aus dem Atom- und Energiebereich weit überdurchschnittlich belastet; eine weitere Zuweisung sei nicht zumutbar.

Zweitens müsse eine wissenschaftlich fundierte Lösung gefunden werden; beim Bözberg dagegen stünden politische Überlegungen im Vordergrund.

Drittens fehlten Erfahrungen mit einer sicheren Lagerung und diverse technische Aspekte seien ungelöst: «Wir wollen nicht Versuchskaninchen sein.»

Viertens sei nicht nachvollziehbar, wie sich ein Atommülllager mit der Idee eines Juraparks vertrage.

Das sind die Initianten

Folgende Personen wollen nun im Vorstand des Vereins KAIB dafür kämpfen, dass diesen Argumenten Rechnung getragen wird: Elisabeth Burgener, Gipf-Oberfrick, Grossrätin, Werklehrerin und Erwachsenenbildnerin; Jörg Wyder, Remigen, Agronom im Ruhestand; Elisabeth Tauss, Gipf-Oberfrick, medizinische Praxisassistentin, Bio-Fachfrau; Wendel Hilti, Gipf-Oberfrick, Biologe; Erwin Hermes, Gipf-Oberfrick, Pharma-Forscher; Matthias Gautschi, Brugg, Biologe, Biochemiker. Burgener und Wyder fungieren als Co-Präsidenten.

«Atommüll XY ungelöst»

Bei der Behandlung der Statuten gab einzig die Formulierung des Vereinszwecks einiges zu reden: «Der Verein bezweckt, ein Atommülllager im Bözberg zu verhindern.» Einzelne Votanten empfanden die Formulierung als allzu schroff und negativ gefärbt; sie drangen aber in der Abstimmung nicht durch.

Das Tätigkeitsprogramm sieht als ersten Punkt die Teilnahme an einer Veranstaltung vor, die am 9. Juni um 20 Uhr im Brugger Salzhaus stattfindet. Die Schweizerische Energie-Stiftung (SES) wird dort unter dem Titel «Atommüll XY ungelöst» auf offene Fragen und mögliche Risiken eingehen.

Aus den Augen aus dem Sinn

Die den Abend abschliessende Umfrage verlief animiert. Ein Votant hielt fest, auf dem Bözberg selber rege sich kaum Widerstand. Man müsse unbedingt die Bözberger besser aufklären und zum Widerstand ermuntern.

Es sei doch klar, was die Nagra bezwecke, sagte ein anderer: Möglichst tief hinunter, Deckel drauf und zu – aus den Augen, aus dem Sinn. Eine solche Politik sei unredlich.

Glaube in Nagra erschüttert

Weiter wurde angeregt, vermehrt alternative Energien zu fördern, um nicht weitere Problem-Abfälle zu generieren. Neue AKW seien zu verhindern. Jemand mahnte an, die einzelnen vorgesehenen Standorte nicht gegeneinander auszuspielen. «Es eilt nicht!», sagte ein Mann; die Technik mache rasante Fortschritte und so seien zukünftige neue Lösungsansätze in dieser Frage gut vorstellbar.

Eine Frau wies auf den Sinneswandel hin, den die verantwortlichen Instanzen in letzter Zeit vollzogen hätten: «Zuerst hiess es, Salzschichten seien am sichersten, dann hiess es, kristallines Gestein sei zu bevorzugen, und nun steht der Opalinuston im Vordergrund. Mein Glaube an solche Aussagen ist erschüttert.»