Bahn

Neue Preise: Das Retour-Billett heisst jetzt einfach Tageskarte

Bahnhof Baden: Beim Wechsel auf den integralen Tarifverbund mussten überall neue Automaten installiert werden. (BVU)

Das Retour-Billett heisst jetzt einfach Tageskarte

Bahnhof Baden: Beim Wechsel auf den integralen Tarifverbund mussten überall neue Automaten installiert werden. (BVU)

Das Riesenprojekt im öffentlichen Verkehr hat sich in den ersten Wochen gut bewährt. «Es gab keinen GAU, aber ein paar Knöpfe», sagt A-Welle-Geschäftsführer Martin Osuna.

Hans Lüthi

Der Wechsel von Streckenbilletten zu Zonen mit Gültigkeit in der Fläche hat grosse Konsequenzen. Finanzielle, organisatorische und damit vor allem psychologische für die Kundschaft. Wenn der Hund nicht mehr gratis mitfahren darf oder der Preis für die gleiche Strecke massiv steigt, ist die Welt der öV-Benutzer nicht mehr in Ordnung. Kommen noch neue Automaten dazu, die theoretisch einfach, praktisch eher schwierig zu bedienen sind, kann das zu vermehrten Reklamationen führen. Zu den Kinderkrankheiten gehörte die verspätete Lieferung der Billettautomaten für die Busbetriebe Aarau. Aber vier Tage nach dem grossen Wechsel vom 13. Dezember waren alle Busse bestückt.

Keine Billette nach Bergün

Gültig sind die neuen Billette nicht nur für die gewählten Orte wie Aarau, Baden oder Olten, sondern für die ganze Zone drum herum. «Weil die Leute an die Strecke gewöhnt sind, müssen sie einen Ort anwählen und nicht die Zonennummer», sagt Martin Osuna, Geschäftsführer der A-Welle. Am Anfang konnten bei der Bremgarten-Dietikon-Bahn (BDWM) keine Billette nach Zürich gelöst werden. «Das war natürlich schlimm und gab entsprechend Reklamationen», meint Osuna zu diesen Software-Problemen. Für ausserhalb der A-Welle sind die Erwartungen offensichtlich zu hoch «und sie steigen ständig». Zwar kann der Reisende ein Billett für die wichtigsten Destinationen im Land lösen, aber nach Bergün, Soglio oder Bosco Gurin funktioniert das (noch) nicht.

Tageskarte ab zwei Zonen billiger

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier, der Pendler nicht minder, für gelegentlich Reisende in Bahnen und Bussen sind fundamentale Änderungen noch schlimmer zu verkraften. Der Verzicht auf das Retourbillett – an das sich Generationen gewöhnt haben – ist eine solche Neuerung. Mit dem Fahrplanwechsel hat sich die Dauer der Gültigkeit geändert, aber «wenn es zeitlich reicht, darf man neu mit dem Einzelbillett die gleiche Strecke auch zurückfahren», erklärt Osuna. Ab zwei Zonen empfiehlt er indessen die Tageskarte. Begründung: Sie kostet gleich viel wie zwei Einzelbillette, aber mit der Tageskarte kann der öV-Benutzer nach Lust und Laune reisen.

Viele Reklamationen aus Baden

Bei den Tarifen «haben wir negative Reaktionen aus dem Raum Olten befürchtet», betont Osuna. Denn hier haben sich die Abo-Preise dem höheren Aargauer Niveau angeglichen, zudem sind die Senioren-Abos abgeschafft worden. Diese Befürchtung ist nicht eingetreten. Eine Reklamationswelle in der Region Baden fokussierte sich hingegen auf drei Bereiche: Hunde werden nicht mehr gratis befördert, die (vorher sehr günstigen) Kurzstrecken haben sich massiv verteuert, die Gültigkeit hat sich verändert. Gut möglich, dass Kundinnen und Kunden auch mal ohne gültiges Billett unterwegs waren. «Auf Kontrollen haben wir nicht verzichtet, aber je nach Fall mal grosszügig ein Auge zugedrückt», versichert der A-Welle-Chef.

Billett-Automaten mit Tücken

Bis Frauen und Männer die neuen Automaten im Griff haben, kann es durchaus dauern – die Reisenden mit Generalabo haben es natürlich einfacher. Wichtig dabei: Man darf am Bildschirm keine Berührungsängste haben, im Sinne des Wortes. Auf der Linie Baden–Zürich gibt es für Pendler den Z-Pass, «bei dem man sich in den Zonen von A-Welle und ZVV frei bewegen kann», erklärt Osuna. Unpersönliche Monatsabos der A-Welle können an den neuen Automaten direkt gelöst werden.

«Was jedoch noch nicht funktioniert, sind die Erneuerungen von persönlichen Abonnementen, wegen Problemen mit den Schnittstellen der Datenbanken», heisst die Erklärung. Was bei den SBB-Automaten schon machbar ist, soll bei der A-Welle spätestens im Laufe des Frühlings Wirklichkeit werden. Der integrale Verbund mit dem Z-Pass ist beim Einzelbillett erst ferne Zukunftsmusik: «Das ist unheimlich kompliziert», meint Martin Osuna.

Erfreut über Viertelstundentakt

Aus den Rückmeldungen der Transportunternehmen und eigenen Erfahrungen kommt Jürg Bitterli von der Abteilung Verkehr zum Schluss, der Fahrplanwechsel sei samt Neuerungen gut verlaufen. Speziell beliebt seien die 15-Minuten-Takte beim Buskonzept im Raum Baden, bei der BDWM und der Wynental-Suhrental-Bahn (WSB). Bei hohen Fahrgastzahlen werde es in Bahnen und Bussen am Morgen und Abend eng. «Manche Reisende wähnen sich bereits im Aargau in einer Grossagglomeration», betont Bitterli. Abhilfe sieht er im künftigen Einsatz von Gelenkbussen und ebenso von Schnellkursen.

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