Brand
Nach dem Brand «mehrheitsfähig»

Der Campingplatz am Türlersee setzt nach dem verheerenden Brand ein Sechs-Punkte-Sicherheitsprogramm um. Verstärkte Kontrollen und keine stählernen Gasflaschen mehr heisst das Gebot.

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Gasflaschen

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Schweiz am Sonntag

von Martin Platter

Versengte Brandlöcher im Stoffdach über dem Restaurant auf dem Campingplatz beim Türlersee zeugen noch immer vom Feuer, dem am 25. Mai 17 Wohnwagen zum Opfer gefallen sind. «Wir hatten unglaubliches Glück, dass nicht mehr passiert ist», sagt Pächter Köbi Huber. Zusammen mit seiner Frau Ruth hat er die Pacht für Campingplatz und Strandbad vor acht Jahren von der Gemeinde Hausen übernommen.

«Seit dem Feuer haben wir viele Gespräche mit unseren Gästen geführt. Die Verunsicherung ist nach wie vor gross. Deshalb wollen wir umfassend über die bestehenden und ergänzten Sicherheitsvorkehrungen informieren», sagt Huber. Zusammen mit Spezialisten aus der Gas- und Campingbranche, dem Touring-Club der Schweiz und dem Campingverein Türlersee hat er ein Sechs-Punkte-Sicherheitsprogramm erarbeitet und erste Massnahmen davon bereits eingeleitet.

Die wichtigste ist, dass stählerne Gasflaschen auf dem Campingareal in Zukunft verboten sein werden. «Wir mustern diese nun Schritt für Schritt aus. Kommt ein leerer Stahlgasbehälter zurück, wird er durch einen vollen aus Kunststoff ersetzt», so Huber. Als weitere Regeln gelten: keine Reserveflaschen, die nicht angeschlossen sind. Und: Gasgrills müssen draussen aufgestellt sein (nicht im Vorzelt).

Die zweite Massnahme betrifft die Gasleitungsinstallationen im Vorzelt. «Diese müssen neu zwingend fachmännisch vorgenommen und gemäss unseren Vorschriften mit der Gaskontrolle vom Fachspezialisten abgenommen werden», sagt Huber. Diese Vorschriften regelten beispielsweise, dass sämtliche Gasgeräte leicht überhöht stehen und eine Zündsicherung aufweisen müssen. Sie bewirkt, dass der Gasfluss unterbrochen wird, löscht die Flamme ab.

Als dritter Punkt werden die periodischen Kontrollen der Gasanlagen durch konzessionierte Fachleute von vier auf drei Jahre reduziert. «Wobei es jedem Campingfreund freisteht, diese Checks auch in kürzeren Zeitintervallen vornehmen zu lassen», so Huber. Feuerlöscher mit mindestens zwei Kilo Pulverinhalt werden zur Pflicht. Auch für sie gelte zwingend ein Kontrollintervall von drei Jahren.

Das fünfte Augenmerk richte sich auf die Dichtheitskontrolle, die nach jedem Verrücken von Gasgeräten oder dem Wechsel der Flasche mittels Druckmesser selbstständig vom Benutzer durchgeführt werden soll.

Wohl einmalig in der Schweiz wurde als sechste Massnahme der Support aus dem Team des Campingvereins beschlossen. Die Mitglieder helfen nicht nur mit Sichtkontrollen und führen Protokoll für Huber. Sie seien auch kompetente Ansprechpartner bei technischen Fragen.

«Wenn man sich den Massnahmenkatalog zu Gemüte führt, könnte der Eindruck entstehen, wir hätten vor dem Brand nichts für die Sicherheit getan. Doch dieser Eindruck ist falsch», sagt Huber. Vor dem Brand wäre das neue Sicherheitsregime, das auch Mehrkosten für die Campingplatzbenutzer zur Folge hat, schlicht nicht mehrheitsfähig gewesen, ist er überzeugt.

In einem nächsten Schritt will der Campingverein dem Hausemer Gemeinderat einen Antrag unterbreiten, der die Elektrifizierung des ganzen Campingareals zum Ziel hat. Thomas Jucker, im Gemeinderat zuständig für die kommunalen Liegenschaften, begrüsst den Vorstoss, «wenn damit mittelfristig die Sicherheit weiter verbessert werden kann».

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