«Music Star»
«Music Star» entstaubt das Singen

Bei den Zürcher Jugendmusikschulen sind die Anmeldungen in den letzten Jahren stark gestiegen Musizieren für Kinder liegt im Trend – zumindest in Zürich. Ein Grund ist der Erfolg von TV-Formaten wie «Music Star». Der Unterricht wird von der Stadt aber auch aktiv gefördert.

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Jugendmusikschule

Jugendmusikschule

Limmattaler Zeitung

Von Sidonia Küpfer

Jedes Jahr steigt die Zahl der Kinder, die bei der Jugendmusikschule Zürich Unterricht nehmen. «Die Anmeldungen übertreffen das Vorjahr jeweils etwa um drei Prozent», sagt Cristina Hospenthal, die Rektorin der Jugendmusikschule Zürich. Soeben lief die Anmeldefrist für das kommende Schuljahr ab - und ein Abbruch des Trends ist nicht in Sicht, die Schülerzahlen werden erneut steigen.

14 000 Kinder nehmen in der Stadt Zürich Musikunterricht - von Blockflöte über Klavier bis hin zum Chorsingen. Noch vor wenigen Jahren sahen diese Zahlen anders aus: 2001 waren es erst rund 9000 Schülerinnen und Schüler.

Sind das die Auswirkungen erfolgreicher TV-Formate wie «Music Star» oder «Deutschland sucht den Superstar?» Zumindest einen Anteil an diesem Zuwachs dürfte durchaus den Fernsehshows zuzurechnen sein, vermutet Cristina Hospenthal: «Ich glaube schon, dass ‹Music Star› einen Einfluss hatte.»

Volksinitiative

«Jugend und Musik»
Das Initiativkomitee «Jugend und Musik» fordert von Bund und Kantonen eine Verbesserung der musikalischen Bildung für Kinder und Jugendliche und die Festschreibung des Musikunterrichts auf Verfassungsebene. Die Volksinitiative wurde mit 150 000 Unterschriften eingereicht. CVP-Nationalrätin Kathy Riklin gehört dem Initiativkomitee an. Sie bemängelt, dass der Musikunterricht im Unterrichtsprogramm an den Rand gedrängt werde. Die zwei Wochenstunden, die für die musikalische Grundausbildung der Erst- und Zweitklässler eingeführt wurden, hält sie für ungenügend: «Nach zwei Jahren bricht der Unterricht einfach ab, und dann müssen die Eltern selbst bezahlen.» Für Riklin kommt dem Musikunterricht im Sinne einer ganzheitlichen Ausbildung grosse Bedeutung zu: «Ich wünsche mir eine stärkere Integration der Musik in den Unterricht und in den Alltag.» (ske)

Ein anderer Grund dürfte aber mindestens ebenso wichtig sein: «Seit 2005/06 wurde die musikalische Grundausbildung für die Erstklässler, ein Jahr später auch für die Zweitklässler kostenlos. Seither besuchen alle Erst- und Zweitklässerinnen wöchentlich zwei Lektionen Musikunterricht, die in die Blockzeiten integriert sind», sagt Hospenthal. In diesen Schulstunden kommen die Kinder mit Musik in Berührung, sie lernen verschiedene Musikstile und später auch Instrumente kennen.

Hinzu kommen verschiedene Veranstaltungen, welche die Kinder für das Musizieren begeistern sollen. Mit Erfolg, wie sich zeigt: «Wir können es uns zwar nicht ganz erklären, aber in letzter Zeit entscheiden sich viele Kinder für die Geige», so Cristina Hospenthal. «Auch die Klavier- und Gitarrenlektionen haben grossen Zulauf.»

Dass «Music Star» einen positiven Effekt auf die Zahl der Musikschülerinnen und -schüler hatte, legt die Entwicklung beim Gesang nahe: Entschieden sich 2001 nur gerade 17 Schülerinnen und Schüler für den Sologesang, so waren es im vergangenen Jahr bereits 141. Die Solosängerinnen haben sich also mehr als verachtfacht.

Auch das Chorsingen gewann an Beliebtheit. Im Jahr der ersten «Music Star»-Staffel, 2003/2004, verdoppelte sich die Zahl der Chorsängerinnen und Chorsänger beinahe und stieg von 119 auf 206. Rektorin Hospenthal erklärt sich diesen Erfolg aber auch damit, dass der Chorgesang ein sehr niederschwelliges Angebot sei: «Hier können auch Kinder musizieren, deren Familien sich kein Instrument leisten können.»

Denn nicht die ganze Stadt Zürich ist gleichermassen im Musikfieber: Zwischen den verschiedenen Stadtkreisen gibt es deutliche Unterschiede. So besuchten etwa in den Schulkreisen Letzi, Limmattal und Schwamendingen nur etwa je halb so viele Kinder Instrumentalunterricht wie in den Schulkreisen Waidberg und Zürichberg.

Um diese Entwicklung auszugleichen, setzt die Jugendmusikschule in den schwächer besuchten Kreisen auf das Klassenmusizieren. Dabei erhalten alle Kinder einer Volksschulklasse leihweise und kostenlos ein Blas- oder Streichinstrument ihrer Wahl. Mit diesem Instrument proben die Schülerinnen und Schüler während zweier Jahre zweimal wöchentlich eine Stunde im Rahmen des Unterrichts mit Musiklehrern und der Klassenlehrperson.

Mit kleineren Auftritten an Schulveranstaltungen sollen die jungen Musikanten erste Erfolgserlebnisse feiern, wie Cristina Hospenthal erläutert. Auf diese Weise sollen Kinder zur Musik gebracht werden und verborgene Talente entdeckt werden.

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