Eishalle Schoren

Mütter mit Kopftuch sind selten

Hereinspaziert: Obschon draussen der Altweibersommer umherzieht, kratzen in der Eishalle die Kufen. (Bild: Jpw)

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Hereinspaziert: Obschon draussen der Altweibersommer umherzieht, kratzen in der Eishalle die Kufen. (Bild: Jpw)

Bis nächsten Frühling hat die Eishalle Schoren für alle Eissportler geöffnet. Betriebsleiter und Eismeister Alfred Marending steht bereits in seiner 28. Saison.

Julian Perrenoud

Herbstferien. Eitler Sonnenschein bei 20 Grad. Mütter werden ihren Kindern sagen, sie sollen draussen spielen. Wer denkt da schon an Hockey drinnen? Auf dem Eis in Schoren kurvt eine Handvoll Buben, Kufen kratzen, Pucke donnern gegen die Bande. Geredet wird wenig. Die Wintersaison in der Eishalle beginnt gemächlich.

Alfred Marending setzt sich auf die zweitunterste Reihe der Haupttribüne und blickt den Jungs beim Knebeln zu. Früher hat der Betriebsleiter und Eismeister auch Pucke gegen die Bande geschmettert. Früher kamen an einem Tag wie diesem mehr Besucher. Dort unten, Marending zeigt auf das Grüppchen, waren dann 300 bis 400 Menschen. An Sonntagen sogar 1000. Heute dürften es pro Saison etwas über 10 000 sein. Fünfmal weniger als in den 80er Jahren.

Bis fast zur Geisterstunde

Marending kennt das Problem: Die Kinder haben neben den Ferien nur noch Mittwochnachmittags frei, Computer, TV und Handy verführen zum Nichtstun, die Klassen sind multikultureller denn je. Er hat sie zwar gesehen, Mütter mit Kopftuch und Kind, aber sie sind selten.

«Früher war hier der Treffpunkt», sagt der 60-Jährige. Auch bei der Infrastruktur hat sich einiges verändert: Marending kann kaum alles aufzählen, was in den letzten acht Jahren erneuert wurde. Das Restaurant, die Tribünen, Umkleidekabinen, Eismaschinen, die Kälteanlage...

Für ihn ist die Halle perfekt. Geld für weitere Projekte sei sowieso nicht vorhanden - ob sich die Stadt noch stärker an der finanziell angeschlagenen Eishalle beteiligen wird, ist unklar. Politische Mühlen mahlen langsam, sagt Marending.

Das Eis in Schoren ist von morgens bis nachts ausgelastet. Ab sieben kommen Schulen, auch auswärtige mit Shuttlebus oder Eisbahn-Express. Dann folgt freier Eislauf. Die erste Mannschaft des Schlittschuh-Clubs Langenthal trainiert über Mittag. Dann wieder Eislauf. Die zwölf eingeschriebenen Vereine spielen, bis eine Stunde vor Mitternacht die Lichter löschen.

Der SCL und sein Nachwuchs stellen ihren Trainingsplan selber zusammen. Die Löcher stopft Marending mit den restlichen Mannschaften. Was kompliziert klingt, ist für ihn Routine. Die Wintersaison ist hart, Marending, sein Stellvertreter Aschi Nyfeler und die vier Aushelfer unterhalten die Halle und das Restaurant. Ferien und die bis zu 200 Überstunden bauen sie im Sommer ab.

«Falls es in einer Woche schneit»

Auf dem Eis üben sich drei Knirpse im Toreschiessen, respektive im Verhindern. Nick, gelbe Jacke und Velohelm, passt zu Nicolas, schwarzer Pullover, kein Helm. Er schiesst. Der Puck kullert zwischen den Schlittschuhen von Peter, EHC Biel-Trikot und Velohelm, ins Tor. Den Spielzug haben sich die drei Buben aus Solothurn während des Pizzaessens beim SCL-Training abgeguckt.

Da die Halle in Zuchwil später öffnet, gehören sie zu den Ersten, die das Eis in Schoren erproben. Die Form stimme bereits, sagt Nick, der Grösste unter ihnen. Schliesslich spielten sie während des Sommers Inlinehockey. Nach und nach gesellen sich weitere Hockeyspieler auf die Eisfläche. Eisläufer hat es keine.

Seit 28 Jahren schaut Marending in Schoren zum Rechten. Dass er bis heute die Lust am Eismachen nicht verloren hat, schreibt er der Arbeit mit Mensch und Maschine zu. Er hebt die Hand einen Meter über den Tribünenboden, deutet einen kleinen Bub an. Er hat sie wachsen sehen. Von Schildkröten mit Helm zu Junioren mit Stimmbruch - bis hin zu kräftigen Erwachsenen.

Mehr Besucher als gestern dürfte Marending in den nächsten Tagen kaum sehen. Der anhaltende Altweibersommer schadet der Eishalle mehr, als dass er ihr nützt. Die besten Tage sind zwischen Dezember und Februar. Es sei halt ein Wintersport, sagt Marending: «Falls es in einer Woche schneit, dann haben wir Leute.»

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