Steinmarder

Mit Stromschlägen gegen Marderschäden

Stromschlag verhütet Marderschäden

Stromschlag verhütet Marderschäden

Wenn der Steinmarder einmal im Haus ist, dann ist der Teufel los. Sinnvolle Abwehrmassnahmen sind rar. Der Elektriker Othmar Schelbert aus Mühlau erfand schon vor 17 Jahren eine Methode, die den Marder vom Einstieg ins Haus abhält.

Jörg Baumann

Der Steinmarder ist ein herziges Tier. Aber wenn er sich einmal im Estrich eingenistet hat, hört die Tierliebe auf. Denn die Marder machen sich lautstark bemerkbar. Sie rennen im Estrich umher und stören den Schlaf der Hausbewohner. Eine Marderfamilie hinterlässt im Estrich mit dem Kot auch eine grosse Unordung. Es sind Fälle bekannt, in denen der hinterlassene Marderurin durch den Dachboden ins Haus eindrang. Der Marder hat es auch auf das Dachisolationsmaterial abgesehen. Er zerstört die Isolation und stösst das Material zusammen. Teure Sanierungen sind die Folge.

Marderabschuss nicht sinnvoll

Auf dem Markt werden Geräte angeboten, die mit einem Geräusch im Ul-traschallbereich den Marder aus dem Haus vertreiben sollen. Auch Geruchsstoffe, die ausgelegt werden können und dem Marder lästig sind, sollen eine gewisse Wirkung haben. Sinnlos ist es hingegen, den Marder mit Marderfallen einzufangen oder ihn gar abzuschiessen. Das sagt Dominik Thiel, Wildbiologe bei der aargauischen Sektion Jagd und Fischerei. «Der Abschuss des Marders ist legal, aber er bringt nichts. Denn der Marder gleicht jeden Abschuss mit einer grösseren Population wieder aus», sagt Thiel. Ebenso entfalten auch Marderfallen nicht die Wirkung, die sich die Hauseigentümer erhoffen.

Der Elektriker Othmar Schelbert (50) aus Mühlau hilft den geplagten Hauseigentümern aus dem Dilemma. Schelbert erfand schon vor 17 Jahren eine Methode, die den Marder mit fast absoluter Sicherheit davon abhält, in den Estrich zu gelangen. Die Abwehr besteht in einem elektrisch geladenen Draht, der rund um das Haus unter dem Dach entlang gespannt wird. Der Draht wird an einen handelsüblichen Viehhüter angeschlossen, wie er in der Landwirtschaft auf Viehweiden eingesetzt wird. Der Stromfluss wird mit einer Schaltuhr gesteuert. Die Uhr muss nur in den Abendstunden über die Nacht bis zum frühen Morgen eingeschaltet werden. Der Stromverbrauch ist minimal: «Der Strom kostet vier Franken im Jahr», sagt Schelbert. Und der Marder wird durch den Stromschlag nicht getötet, sondern nur erschreckt.

Unzählige Installationen

Ungezählte Marderabwehranlagen hat Schelbert in den letzten Jahren installiert – und das ohne ein Zeitungsinserat zu schalten oder eine Werbebroschüre drucken zu lassen. «Ich komme als Elektriker ja in die Häuser. Die Kunden erzählen mir manchmal ihre Sorgen mit dem Marder. Dass ich die Marderabwehranlage einbaue, hat sich inzwischen bis ins Fricktal herumgesprochen», berichtet Schelbert. Die Anlage funktioniert. Dafür legt Schelbert seine Hand ins Feuer. «Bei einem Misserfolg würde ich dem Kunden das Geld zurückerstatten.» Bisher war das nie der Fall.

Schelbert liess seine Erfindung nicht patentieren. «Dafür ist das System zu einfach konstruiert. Man kann es nachahmen», sagt er. Der Elektriker machte sich eine einfache Erfahrung zunutze: «Kein Tier schätzt einen Stromschlag. Der Strom vertreibt sie alle, auch den Marder.» Elementar ist für ihn, dass seine Anlage sämtliche Einstiegsmöglichkeiten für den Marder abriegelt, und sie deshalb an der geeigneten Stelle montiert wird. «Ist der Marder einmal auf dem Dach, ist er auch bald im Estrich», weiss Schelbert. Das muss verhindert werden. «Der Marder ist so geschickt, dass er auch Dachziegel abheben kann, um sich Einlass zu verschaffen.» Der Marder ist als flinker Kletterer bekannt. Er überwindet mühelos Hausfassaden und Dachwasserableitungen. Bäume, die nahe am Haus stehen und bis zum Hausdach reichen, sind dem Marder als Einstiegshilfe willkommen. Schelbert empfiehlt deshalb zusätzlich, die hervorstehenden Baumäste zu kappen.

Das Öko-Forum der Stadt Luzern weist darauf hin, dass Aussperrungen des Marders im Frühling grundsätzlich unterlassen werden sollen. Andernfalls besteht die Gefahr, dass man eine Mutter von ihren Jungtieren trennt, die dann auf dem Dachboden verhungern müssen. Es wird deshalb empfohlen, die Abwehrmassnahmen in der Zeit zwischen Sommer und Winter vorzunehmen, sagt der Aargauer Wildbiologe Dominik Thiel.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1