Andrea Flückiger

Im hinteren Saal des Restaurants Rössli in Koppigen liegen auf fünf Doppeltischen ganze Beigen fein säuberlich zusammengelegter Kinderkleider. Alle sind schön nach Grössen und Art der Kleidung geordnet. In den Grössen 50 bis 176 sind Pullover, Jacken, Hosen, Röcke, Jupes und T-Shirts jedwelcher Farbe zu finden. Weiter hinten gibt es einen Tisch mit Schuhen. Vorne beim Buffet ist eine riesige Auswahl an Kinderspielzeug und sonstigen Kindersachen zu finden: Puzzles, Rasseln, Familienspiele, Barbies, Duplos, Videos, DVDs und noch vieles mehr.

Jedes Verkaufsstück ist mit einer Etikette versehen, wo Grösse (bei Kleidern), Preis, Name und Adresse der Verkäuferin notiert sind. «Wenn wir etwas verkaufen, legen wir diese Etiketten in die vorbereiteten Couverts. So können wir, wenn die Frauen die übrig gebliebene Ware abholen, gleich abrechnen und das Geld auszahlen.»

Im Solothurnischen kennen gelernt

Das System mit den Etiketten hätten sie an den Kinderkleiderbörsen im Solothurnischen kennen gelernt, erklärt Ingrid Nyffenegger, die mit drei weiteren Müttern die Koppiger Börse zum zweiten Mal durchführt: «Wir gehen seit Jahren an Kinderkleiderbörsen - zum Beispiel in Derendingen, Biberist oder Zuchwil. Während es hier im Bernbiet vor allem Kinderkleiderbörsen gibt, die in Ladenlokalen untergebracht und das ganze Jahr offen sind, ist es im Solothurnischen eben auch üblich, anfangs Saison eintägige Börsen zu veranstalten.»

Da die vier Koppigerinnen alle begeistert von den solothurnischen Kleiderbörsen gewesen seien, hätten sie kurzerhand beschlossen, eine solche auch in Koppigen zu organisieren, verrät Tanja Lehmann. «So haben wir im Februar unsere erste Börse abgehalten.» Ingrid Nyffenegger fügt lachend hinzu: «Allerdings haben wir nicht bedacht, dass der Zeitpunkt während der Fasnacht nicht ideal war. Weil wir nicht im Anzeiger inserierten, sondern nur hier im Bernbiet Flyer in die Haushaltungen schickten, lief jene erste Börse nicht wirklich gut.» Diesmal sehe es schon viel besser aus: «Wir waren sehr erstaunt, wie viele Kleider uns gebracht wurden - vor allem aus dem Solothurnischen, was uns nicht wirklich verwundert. Offensichtlich müssen sich die Bernerinnen noch an den Gedanken eintägiger Kinderkleiderbörsen gewöhnen.»

Ziel ist, die Inseratekosten zu decken

Wie üblich behalten die Organisatorinnen 20 Prozent des Verkaufspreises (was bei Preisen ab einem Franken nicht wirklich einschenkt) und einen Franken pro Verkäuferin - um die Kosten zu decken, wie Daniela Baumberger erklärt. «Wenn wir mit den Einnahmen die zwei Inserate finanzieren können, ist dies für uns schon ein Erfolg», sagt sie. «Mehr wollen wir gar nicht - auch wenn wir uns natürlich darüber freuen könnten, wenn ein paar Franken mehr herausschauen würden.» Schliesslich müssten die Inserate für die nächste Börse, an der dann Herbst- und Winterkleider verkauft würden, auch wieder bezahlt werden. Diese werde im Oktober auf jeden Fall stattfinden, verrät Pia Frey, «denn bis sich eine Börse etabliert hat, braucht es Zeit. Dass die Börse eine wirklich gute Sache ist, muss sich erst herumsprechen.»

Wer allerdings gestern Mittwoch die Kinderkleiderbörse in Koppigen besuchte und sah, wie viele Mütter die Gelegenheit nutzten und für ihre Kinder preiswerte Kleider kauften, der hat eines festgestellt: Die Mund-zu-Mund-Propaganda hat bereits gewirkt. Dies ist ein gutes Omen für die nächste Börse in Koppigen, die vom 27. bis 29. Oktober stattfinden wird.