Mümliswil
Mehr als nur Strassen unterhalten

Am Freitag hat die Flurgenossenschaft Limmern-Hauberg ihr 40-Jahr-Jubiläum gefeiert. Die Organisation ist für die Landwirte im Guldental von grosser Bedeutung. Sie unterhält Zufahrtsstrassen, trägt zur Verbesserung der Lebensqualität bei und wirkte vor allem der Entvölkerung der meist abgelegenen Gebiete entgegen.

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Flur

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Solothurner Zeitung

Josef Tschan-Studer

«Früher gründete man Genossenschaften, um gemeinsam eine Aufgabe zu erfüllen. Meist nicht Gewinn orientiert, sondern als reine Selbsthilfeorganisation», eröffnete Gemeindepräsident Kurt Bloch seine Laudatio. Nicht anders war es mit der Flurgenossenschaft Limmern-Hauberg, die sich in den letzten 40 Jahren stetig weiterentwickelt und vergrössert habe. Heute verfügt jeder der noch bestehenden rund 70 Bauernhöfe über durchschnittlich einen Kilometer Flurstrasse, die von der Genossenschaft unterhalten oder ausgebaut werden.

Bewegte Geschichte

Bereits nach dem 1. Weltkrieg wollte man das abgelegene Gebiet in der Limmern erschliessen. Das Projekt scheiterte aber an den unterschiedlichen Auffassungen der Landeigentümer. 1958 forderte der Schweizerische Alpkataster erneut die Erschliessung. 1965 schaltete sich dann der Landwirtschaftliche Kantonalverein ein und es kam am 9. Juli zu einer ersten Begehung. In den folgenden Jahren wurden dann mehrere Möglichkeiten der Wegführung geprüft und mit Behörden verhandelt. Am 11. April 1969 sicherte der Regierungsrat die amtliche Mitwirkung und Finanzierung zu.

Die grösste Hürde war aber auch dann wieder die Übereinstimmung der Eigentümer. «Die näher beim Dorf gelegenen Höfe waren eher ablehnend, die weiter oben wohnenden Bauern wollten die Erschliessung unbedingt», erzählte Alt-Bauernsekretär Urs Nussbaumer. Dass dabei heftig diskutiert wurde, zeigt die Tatsache, dass sich auch Brüder, die auf demselben Hof wohnten, nicht einig waren.

Am 6. Mai 1969 konnte dann aber unter Leitung von Oberamtmann Ernst Bruder die Gründungsversammlung der Genossenschaft einberufen werden. Die erforderliche Mehrheit der Grundeigentümer war gesichert. Als erster Präsident wirkte Theodor Bader vom Hof «Schwenglen». Und seit dem 21. August 1979 führt Martin Bader von der «Vorderen Bereten» die Geschicke der Organisation. «Ohne je eine Stunde oder einen Fahrkilometer in Rechnung zu stellen», lobte Gemeindepräsident Kurt Bloch.

Wichtiger Wirtschaftsfaktor

Nach der Limmern und dem Hauberg wurden weitere Gebiete im Guldental erschlossen und es kamen immer mehr Genossenschafter dazu. Von den insgesamt rund 36 QuadratkiloKmetern Gemeindegebiet werden heute 2376 Hektaren oder 382 Parzellen von total 173 Eigentümern durch die Flurgenossenschaft erschlossen. Seit der Gründung wurden rund 10 Millionen Franken in neue Zufahrts- und Bewirtschaftungswege investiert. Mit den laufenden Sanierungen wurden insgesamt sogar über 20 Millionen ausgegeben. Somit ist die Genossenschaft ein nicht unerheblicher Wirtschaftsfaktor im Kanton Solothurn.

An der Jubiläumsfeier im Berggasthaus «Obere Wechten» waren nebst zahlreichen Genossenschaftern auch Vertreter von Bund, Kanton und Einwohnergemeinde anwesend. «Ohne die finanzielle Unterstützung seitens Bund und Kanton wäre dies nicht möglich gewesen», so Martin Bader. Dank gebühre auch der Einwohnergemeinde. «Denn ich kenne nur wenige Gemeinden, die sich mit 6 Prozent an den jeweiligen Restkosten beteiligen.»

Christian Ledermann vom kantonalen Meliorationsamt überbrachte die Gratulationen Solothurner Regierung. Als Geschenk erhielt die Flurgenossenschaft eine Steintischgarnitur.

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