Fabian Hägler

«Am 28. Oktober hat leider eine lang-jährige, sehr tüchtige Mitarbeiterin der Wohler Bauverwaltung ihre Kündigung eingereicht», schreiben Arsène Perroud (SP-Präsident), Roger Waeber (CVP-Präsident), Berta Hübscher (EVP-Präsidentin), Maja Meier (Einwohnerrätin Freis Wohle), Benno Kohli (FDP-Präsident) und Jean-Pierre Gallati (SVP-Präsident) in einer dringlichen Anfrage.

Solche Vorstösse sind in der Wohler Lokalpolitik nichts Ungewöhnliches - dass dieser aber gleich von fünf Ortsparteipräsidenten unterschrieben ist, gibt ihm ein spezielles Gewicht. Offenbar sind die Vertreter aller politischen Lager der Ansicht, dass sich hinter dieser Kündigung mehr verbirgt, als bisher nach aussen gedrungen ist.

Nachfolger per Inserat gesucht

Nach Informationen der AZ Freiamt handelt es sich bei der Mitarbeiterin der Bauverwaltung, die ihre Kündigung eingereicht hat, um Claudia Baumberger. Dafür spricht unter anderem ein Inserat im «Wohler Anzeiger» vom vergangenen Freitag, in dem ein neuer Leiter für den Bereich Baugesuche gesucht wird. Baumberger hatte bisher genau diesen Posten inne; sie wollte gegenüber der AZ keine Auskunft geben.

Brisant ist indes nicht die Kündigung an sich, aufhorchen lassen eher die Begleitumstände. Für die sechs prominenten Politiker stellen sich dabei die folgenden Fragen: «Stimmt es, dass diese Kündigung unter anderem darum erfolgte, weil in der Bauverwaltung keine funktionierende Stellvertreter-Regelung während der Ferienabwesenheiten festgelegt wurde? Stimmt es, dass die Kündigung auf eine generelle Führungslosigkeit in der Bauverwaltung zurückzuführen ist?»

Dubler schweigt zu den Vorwürfen

Angesichts der kommenden Wohler Ammannwahl am 29. November sind drei Fragen besonders brisant. «Stimmt es, dass der kündigenden Mitarbeiterin nahegelegt wurde, ihre Kündigungsgründe niemandem mitzuteilen (so genannter Maulkorb)?

Wer hat diesen Maulkorb angeordnet und zu verantworten? (Antwort mit Name und Vorname erbeten.)

Stimmt es, dass der Gemeindeammann diesen Maulkorb gegenüber der Mitarbeiterin wie folgt begründete: Er, der Gemeindeammann und Personalchef, befinde sich im Wahlkampf; diese Kündigung könne ihm schaden?»

Mit diesen Vorwürfen konfrontiert, wollte sich Walter Dubler gegenüber der AZ Freiamt nicht äussern. «Sobald die Anfrage bei uns eingegangen ist, wird der Gemeinderat diesen Vorstoss behandeln und danach eine Antwort formulieren», erklärte der Gemeindeammann lediglich.

Schliesslich stellen die Politiker noch zwei weitere Fragen: «Wie verträgt sich ein solcher Maulkorb mit einer modernen, partnerschaftlichen Personalführung?» Und: «Will der Gemeinderat diese Maulkorb-Praxis auch in

Zukunft weiterführen?»

Angesichts der breiten politischen Rückendeckung für die Anfrage dürfte Dubler spätestens am Montag im Einwohnerrat gezwungen sein, Antworten zu liefern. Schon jetzt steht praktisch fest, dass der Vorstoss im Parlament dringlich erklärt werden dürfte.