Kinder ohne Busbillet
Landen Kinder auf Strasse?

Schulkinder ohne Busbillet werden einfach auf die Strasse gesetzt. Eine 13-jährige Schülerin musste musste sich von ihrer Mutter abholen lassen, nachdem der Kontrolleur sie einfach stehen liess.

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Aargauer Zeitung

Maja Sommerhalder

Sarah J. (13) ist empört: Neulich stieg sie in Meisterschwanden in einen Bus der BDWM Transport AG, wie gestern im «Blick» stand. Auf der Fahrt tauchte ein Kontrolleur auf; erst jetzt merkte sie, dass sie ihr Billett vergessen hatte. Die Schülerin musste in Fahrwangen aussteigen und ihre Personalien angeben. Sie erhielt einen Bussenzettel mit der Aufforderung, ihr Abo innert zehn Tagen am Schalter vorzuweisen.

Dann liess der Kontrolleur das Mädchen stehen, sie hatte kein Geld und kein Handy bei sich. Eine Kollegin alarmierte die Mutter, die sie mit dem Auto abholen musste. Gemäss «Blick» setzte die BDWM schon mehrmals Schulkinder auf die Strasse.

Missverständnis war schuld

«Alles Humbug. Wir stellen keine Schulkinder auf die Strasse», meint René Fasel von der BDWM. Richtig sei aber, dass die Schülerin Sarah J. in Fahrwangen aussteigen musste: «Sie zeigte dem Kontrolleur ihren Schülerausweis. Dort stand, dass sie in Bettwil wohnt.» Wenn man dorthin will, muss man in Fahrwangen umsteigen. «Während der Wartezeit hätte der Kontrolleur genügend Zeit gehabt, um ihre Personalien aufzunehmen.»

Sarah J. musste aber weiterfahren, da sie zu ihrer Grossmutter wollte. «Sie hat dem Kontrolleur aber nichts davon gesagt. Sonst hätte er etwas organisiert», meint Fasel. Normalerweise würden Billettkontrollen im Bus abgewickelt. Es sei denn, jemand müsste sowieso aus- oder umsteigen.

Kinder landen nicht auf Strasse . . .

Auch die Regionalen Verkehrsbetriebe Baden-Wettingen (RVBW) würden keine unbescholtenen Jugendlichen auf die Strasse stellen, wie der stellvertretende Direktor René Rüegg erklärt: «Normalerweise darf man weiterfahren.» Es sei denn, es gibt eine Grosskontrolle mit mehreren Kontrolleuren. Wer dann kein Billett hat, muss aussteigen. «Sonst müssten die anderen Passagiere nur warten.»

Doch auch hier gilt: Wenn jemand nicht mehr weiterweiss, versucht man zu helfen. «Bei Kindern kontaktieren wir die Eltern. Wir suchen dann gemeinsam eine Lösung», so Rüegg. Jugendliche Schlitzohren werden bei Grosskontrollen aber schon mal auf die Strasse gestellt: «Es gibt Jugendliche, die ohne Skrupel regelmässig schwarzfahren. Sie müssen dann schon mal auf den nächsten Bus warten.»

Dieses Schicksaal blüht den Schwarzfahrern beim Regionalbus Lenzburg nicht, wie Markus Ammann, Leiter Betriebe, sagt: «Es ist gesetzlich auch nicht erlaubt, Kinder ohne Billett auf die Strasse zu stellen. Es sei denn, jemand ist ein Wiederholungstäter.»

Kann sich jemand nicht ausweisen, begleitet ihn der Kontrolleur bis zu seinem Ziel: «Dort können wir dann die Personalien aufnehmen und kontrollieren.» So ergeht es auch den blinden Passagieren, die im Postauto unterwegs sind. «Jugendliche werden zu ihrer gewünschten Haltestelle begleitet. Dort prüft man ihre Identität», sagt Medienprecher Mariano Masserini.

. . . Erwachsene manchmal schon

Bei den Busbetrieben Freiamt holt man auch mal die Polizei, wenn man merkt, dass jemand nicht die richtigen Personalien angibt, wie Madeleine Aschwanden bestätigt: «Die meisten Leute sind aber ehrlich.» Kinder werden nicht auf die Strasse gestellt: «Man fragt immer, wo sie hin müssen.»

Bei Erwachsenen ist man weniger zimperlich: «Wer kein Billett hat, muss bei der nächsten Haltestelle raus. In der Praxis dürfen sie allerdings meistens weiterfahren.» Auch Teenager werden schon mal auf die Strasse gestellt: «Die Sicherheit geht aber vor. Wir würden niemals einen Teenager um zehn Uhr abends rausschicken.»

Erwin Rosenast von den Busbetrieben Aarau sagt: «Wenn jemand das Abo vergessen hat, darf er in der Regel weiterfahren. Das gilt auch für Kinder.» Sie müssen es in den nächsten sieben Tagen vorweisen. Sonst gibt es 80 Franken Busse.