ToKJO
Knochenarbeit statt Herumhängen

Seit dem 10. Juni sind zwei Jugendmitarbeitende von ToKJO in Roggwil unterwegs und bieten den Jugendlichen Alternativen zum «Herumhängen» an. Als erstes Ergebnis ist ein Kurzfilm entstanden, in dem eine Gruppe von Jugendlichen ihr Dorf und ihre Wünsche aufzeigen.

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Solothurner Zeitung

Jürg Rettenmund

Vlad Schärer ist hin und her gerissen zwischen Freude und Enttäuschung. Der Roggwiler Neuntklässler ist eines von vier jugendlichen Mitgliedern der neu geschaffenen Jugendkommission. Nicht alles, was dort diskutiert werde, sei interessant, hält er fest. «Doch man hört auf uns, fragt uns nach unserer Meinung und was wir wollen.» Im Sommer machte er auch in der Gruppe «Open Air Team» mit und übernahm eine der Hauptrollen im Film, den diese drehte.

«Man spürt, dass sich etwas verändert hat», sagt Vlad. Rund ums Oberstufenschulhaus sei es weniger schmutzig. Das ist auch das Ziel des Gemeinderates und der Jugendkommission. «Grundsätzlich» haben sich diese dafür ausgesprochen, dass die Verbotstafeln auf den öffentlichen Plätzen, die den Aufenthalt dort zu gewissen Zeiten verbieten,wieder entfernt werden. Die Gemeinde hatte mit diesen auf Klagen wegen Nachtlärm und Verschmutzung reagiert. Vorerst will der Rat jedoch die Entwicklung beobachten.

Vlad glaubt allerdings noch nicht daran, dass die Verbote wirklich verschwinden. Das hängt mit seiner Enttäuschung zusammen: Eines Morgens war eine Wand der Turnhalle total verschmiert. Die Sprayereien sind zwar inzwischen wieder übermalt, doch für Vlad ist klar: «Nach diesem Vorfall werden die Verbote bleiben; in einer Nacht wurde alles zunichte gemacht, was wir erreicht haben.»

Seit 10. Juni unterwegs

Erreicht wurde tatsächlich einiges. Seit dem 10. Juni sind die Jugendarbeitenden Jessica Müller und Stephan Rossi im Auftrag des Trägervereins offene Kinder- und Jugendarbeit Oberaargau (ToKJO) in Roggwil unterwegs. Der Gemeinderat hatte im Mai ein entsprechendes Projekt bewilligt (vgl. Text unten). Rossi und Müller gehen dorthin, wo sich die Jugendlichen treffen und bieten ihnen Alternativen zum «Herumhängen» an, wie es Stephan Rossi ausdrückt. Bedingt durch den Sommer waren sie oft im Schwimmbad.

Jugendliche zeigen Film

Am Samstag laden die Jugendlichen von Roggwil zu einem Openair-Kino ins Schwimmbad ein. Sie zeigen dort den Film «Roggwil... that's it», den sie mit Unterstützung von ToKJO gedreht haben. Die Türen sind ab 20 Uhr offen, um 20.20 Uhr zeigen die Jugendlichen eine Tanzführung. Nach dem eigenen Film um 20.30 Uhr wird um 20.45 der Kinder- und Jugendfilm «Alvin and the Chipmucks» gezeigt. An der Bar gibt es - alkoholfreie - Getränke. Der Eintritt kostet fünf Franken. (jr)

Gesichtsmasken und Sponsorengeld

Dort stellten sie einen Tischfussballkasten auf. Innert Kürze habe sich dort eine Gruppe von rund 20 Mädchen und Buben mit vielen Ideen und Wünschen gebildet, fährt Rossi fort. Er konnte sie dafür begeistern, einen Film über ihr Dorf und ihre Wünsche zu drehen. Sie schrieben das Drehbuch, er organisierte professionelle Kameraleute, Ende Juli wurde gedreht, seither wird geschnitten - kein Herumhängen, sondern eine Knochenarbeit.

Jessica Müller nahm sich besonders den Mädchen an, organisierte für sie einen Workshop über Gesichtsmasken mit anschliessendem Filmabend. Bereits ist ein nächster Abend geplant. Die Mädchen setzten sich auch für das Filmprojekt ein. Eine Gruppe von ihnen nahm sich dem Sponsoring an, damit neben dem von der Gemeinde gesprochenen Geld zusätzliche Mittel zur Verfügung stehen. Rund 500 Franken und zusätzliche Naturalgaben wie Glacen kamen so zusammen.

Am nächsten Samstag ist Deadline für den Film: Die Jugendlichen laden die Roggwilerinnen und Roggwiler zum Openair-Kino ins Schwimmbad ein. Bewusst hätten sie als Ergänzung zum eigenen Streifen einen Film für Kinder und Jugendliche gewählt, erzählt Rossi. Damit alle angesprochen seien.

Es habe sich sehr viel bewegt in den vergangenen zwei Monaten, hält Rossi fest und spricht vor allem die Unterstützung durch das Gewerbe an: «Die Initiative der Gemeinde wird breit unterstützt.» Er hält dies auch für gerechtfertigt, denn bei allen Wünschen der Jugendlichen hat er festgestellt: «Sie schätzen ihr Dorf. Mit einer Grossstadt oder einer Agglomerationsgemeinde möchten sie nicht tauschen.»

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