Vögel
Kleine Vögel inmitten grosser Vögel

Der Basler EuroAirport beherbergt eine grosse Artenvielfalt bei den Vögeln. Dies ist erfreulich – birgt aber Gefahren beim Flugverkehr.

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Euro Airport

Euro Airport

Heinz Dürrenberger

Birgit Günter

Fluglärm? Kerosingestank? Ach was. Könnten sie lächeln, hätten die Vögel für solch menschliche Klagen nur ein müdes Lächeln übrig. Denn für die Vögel ist das öde Flughafenareal eine Oase inmitten einer überbewirtschafteten Welt.

«Hier haben sie ihre Ruhe vor dem Menschen», erklärt Matthias Kestenholz von der Vogelwarte Sempach. Keine Spaziergänger und nervigen Hunde, keine Mähdrescher, keine Gülle - und schon fühlen sich die Vögel «vögeliwohl».

Der Raubwürger Sehr selten.

Der Raubwürger Sehr selten.

bz Basellandschaftliche Zeitung

Entsprechend gross ist die Artenvielfalt. Eine Bestandesaufnahme der französischen Jagdbehörden hat ergeben, dass auf dem Areal zwar nur wenige Säugetiere wie Fuchs, Dachs oder Hase leben, dafür aber 22 verschiedene Vogelarten. Darunter gibt es einige gefährdete oder gar fast ausgestorbene Arten.

Vom Raubwürger beispielsweise gibt es in der Schweiz keine Brutnachweise mehr, und er wird deswegen wohl bald als «ausgestorben» aufgeführt. Auf dem Flughafenareal hingegen leben 6 bis 15 Raubwürger. «Das ist sehr bemerkenswert», kommentiert Kestenholz.

Neben dem Raubwürger sind auch die Dorngrasmücke, die Nachtigall oder der Turmfalke Gäste - allesamt seltene Vogelarten. «Das sogenannte Ödland rund um den Flughafen ist nur für den Menschen öd», erklärt Kestenholz. «Für die Vögel bedeutet es eine grosse Pflanzenvielfalt, viele Insekten und Mäuse. Das ist wie ein riesiges gedecktes Buffet.»

22 Arten

Bei der zweitägigen Bestandesaufnahme haben die Ornithologen auf dem EuroAirport folgende Vogelarten gefunden: Mäusebussard, Eichelhäher, Amsel, Feldlerche, Rabenkrähe, Saatkrähe, Hohltaube, Raubwürger, Buchfink, Graureiher, Turmfalke, Fasan, Haussperling, Zaunkönig, Elster, Stockente, Blässhuhn, Star, Nachtigall, Kohlmeise, Dorngrasmücke, Schwarzmilan. (big)

Das Phänomen «Flughafen als Vogeloase» gilt nicht nur in Basel, sondern etwa auch in Zürich: Da leben auf dem Flughafen Feldlärchen und Grauammern - Vögel, die rundherum als ausgestorben gelten.

Mit Petarden gegen Vögel

Dass sich die kleinen Vögel ausgerechnet inmitten der «grossen Vögel» wohlfühlen, schafft aber Probleme beim Flugverkehr. Fliegen Vögel in Triebwerke, können diese ausfallen und das Flugzeug muss notlanden - so geschehen bei der aufsehenerregenden Notwasserung auf dem Hudson River in New York im letzten Winter.

Beim EuroAirport hat darum die Flughafenfeuerwehr den Auftrag, diesbezüglich für Sicherheit zu sorgen und störende Tiere auf dem Areal zu vergrämen. Laut EAP werden drei Mal täglich Rundgänge durchgeführt. Gegen Wildschweine und andere Wildtiere schützt in der Regel die Umzäunung des Flughafens. Bei den Vögeln ist die Lage natürlich etwas schwieriger.

Der Buchfink Ein häufiger Gast.

Der Buchfink Ein häufiger Gast.

bz Basellandschaftliche Zeitung

Mit künstlichen Vogelschreien, Schreckschüssen und Leuchtpetarden wird versucht, die Vögel vom Revier der «grossen Vögel» fernzuhalten. Da sich die Tiere aber schnell daran gewöhnten, müsse die Methode laufend verändert werden, teilt die EAP-Umweltabteilung mit. Gegen Raben werden sogar Käfigfallen aufgestellt.

Doch es ist jetzt nicht so, dass die kleinen Vögel die grossen gleich bedrohen würden. Wirklich gefährlich für die Flugzeuge sind nur die grossen Vögel und vor allem jene, die in Schwärmen auftreten, wie etwa die Krähen oder die Möwen. Bei so seltenen Arten wie Raubwürger und Co. ist dies selbstredend kaum der Fall.