Belpmoos
Keiner kennt den Flugplatz besser

Er ist gelernter Lithograf, liess sich zum Privatpiloten ausbilden, hat unzählige Führungen auf dem Flughafen durchgeführt und reist gerne in fremde Länder. Mit dem Flughafenjob hat er aufgehört.

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Keiner kennt ihn besser

Keiner kennt ihn besser

Solothurner Zeitung

Janine Aegerter

«Am meisten fasziniert haben mich die kleinen Knöpfe, die Kinder, die den Flughafen besucht haben», erinnert sich Franz Spring. 22 Jahre hat der Privatpilot auf dem Flughafen Führungen durchgeführt. «Die Kinder interessierten sich nicht für technische Daten, sie wollten Flugzeuge berühren und drin sitzen können.»

Im Februar musste der gebürtige Berner seine Tätigkeit aus gesundheitlichen Gründen aufgeben. «Ich hatte sowieso vor, Ende dieses Jahr aufzuhören», erklärt der 74-Jährige. Nun sei es früher geschehen. «Man kann es drehen und wenden wie man will, aber alles hat schliesslich ein Ende.» Die Zeit beim Flughafen sei «eine ganz schöne Zeit» gewesen. Für einen Moment verliert sich sein Blick in der Ferne, dann fährt er fort: «Ich denke gerne daran zurück, es gibt mir das Gefühl, in meinem Leben etwas geleistet zu haben.»

Es begann im Belpmoos

Mit 49 Jahren, im 1984, hat der gelernte Lithograf sein Privatpilotenbrevet erhalten. Pilot zu sein, war für ihn ein Bubentraum: «Schon als kleines Kind war ich von Flugzeugen fasziniert.» So habe er, aufgewachsen in Bern, oft die Nase an der Scheibe im Flughafen Bern-Belpmoos plattgedrückt.

Drei Jahre nach seiner Ausbildung zum Privatpiloten wurde er angefragt, ob er eine nebenamtliche Stelle als Air Information Service-Mitarbeiter (AIS-Mitarbeiter) auf dem Flughafen Grenchen annehmen wolle. Zu den Informationen, die er sammelte und weitergab, gehören beispielsweise die Flugpläne, die Landetaxen, die auswärtige Flugzeuge zahlen mussten, Wetterdaten, Passagierzahlen oder Flugzeugtypen.

Im Laufe der Zeit kamen immer häufiger Anfragen, ob es möglich sei, Flughafenführungen durchzuführen. «So kam es, dass ich diese Aufgabe übernahm.» Er investierte immer mehr Zeit in seine neue Arbeit, so dass er schliesslich 1992 seine Tätigkeit als Lithograf aufgab und sich ganz dem Flughafen widmen konnte.

Der Südamerika-Fan

Während all der Jahre, in denen er Führungen anbot, habe er viele Menschen getroffen. Er habe ihnen vieles beibringen können, habe aber auch selber viel dazugelernt. «Vom Kindergarten und Schulklassen über den Verein und den Firmenausflug bis hin zu Persönlichkeiten habe ich alles gesehen.» Sogar alt Bundesrat Samuel Schmid habe er getroffen. «Wenn er sich auf eine Dienstreise begab, startete er oft mit dem Militärflugzeug von Grenchen aus.»

Heute geniesst der Urgrossvater mit zwei erwachsenen Töchtern seine neu gewonnene Freiheit. Seit ein Fluglehrer aus Grenchen nach Uruguay ausgewandert ist, besucht er ihn dort regelmässig. «Ich bin ein Südamerika-Fan», schwärmt er. In Uruguay sei er schon oft gewesen, ausserdem auch in Chile und Argentinien. Wenn immer er in einem Flugzeug sitze, achte er auf Details wie das Ausfahren der Seitenklappen. «Die Fliegerei ist einfach mein Zuhause.»