Bettina Nägeli

SO VIELFÄLTIG sich der Produkte-Dschungel in Langenthals Gassen
- vom Manor bis zum Coop Tell und in der Marktgasse - präsentiert, so unterschiedlich sind auch die Besucher, die denselben durchkämmen. Da gibt es die Schnäppchenjäger, die auf der
Suche nach einem bestimmten Artikel die Stände durchforsten.

ZU DIESER GATTUNG der Schnäppchenjäger gehört etwa Rita Ritter, die stolz ihre Beute herzeigt: «Jene beiden Pullover haben mir bereits im Laden gefallen. Heute endlich habe ich diese zu einem wirklich guten Preis gekauft.» Ritter zählt sich gleichermassen auch zu den Stöberern - einer weiteren
Sorte der zu beobachtenden Marktbesucher. Diese geniessen schlichtweg das bunte Treiben, lassen sich vom Strom der Leute mitziehen, halten an diesem Stand an oder begutachten den nächsten.

VON DER MANNIGFALTIGKEIT der zahlreichen Besucher erfreut sind auch jene hinter den Ständen. Leute begäben sich an ihren Stand, die sie sonst womöglich nicht im Laden antreffen würden, stellen mehrere Standbetreiber unisono fest. Die sonst gelegentlich vorherrschende «Schwellenangst», die den einen oder anderen im Betreten eines Ladens hemmen kann, scheint somit in der ungezwungenen Atmosphäre des Marktes abgelegt zu werden.

EINER, DER SICH mit der Marktstimmung in besonderem Masse auskennt, ist Ueli Dänzer. «Ich habe Freude daran, was ich mache, und will jene Freude meinen Standbesuchern weitergeben», berichtet der leidenschaftliche Uhrensammler und Flohmarktgänger. Das Beste aus seinem Angebot gehe jeweils bereits frühmorgens weg. So auch heute - obwohl sich immer noch zu ergatternde Taschenuhren mit feinsten Gravuren aus vergangenen Jahrzehnten auf dem hölzernen Verkaufsstand an goldene Herrenarmbanduhren und traditionsreiche Pendeluhren reihen. In jeder dieser Uhren ruhe eine Geschichte, die der Käufer durch seinen Umgang mit derselben erweitern, ja zu seiner eigenen machen könne.

WAS JEDEN ORIENTALISCHEN Souk erst ausmacht, ist in Langenthals Gassen ebenfalls anzutreffen - wenn auch in deutlich abgeschwächter Form: das Märten. «Hören Sie, diese Schallplatte ist mir zu teuer», bemerkt ein Interessierter in Richtung Verkäufer, worauf er entgegnet bekommt: «Machen wir zwei Franken?»

ANDERNORTS HINGEGEN nützen weder eindringliche Bitten noch ein besonders freundliches Lächeln: «Wir können uns nicht auf die Feilschkünste der Leute einlassen, weil die Preise vorgegeben sind», erklärt Christina Käser von der Marionnaud-Parfumerie. Dies tut der lockeren Marktstimmung jedoch überhaupt keinen Abbruch.

«Mit oder ohne Märten - das Shoppen auf dem Markt ist eine sehr angenehme Abwechslung zum Einkaufstrubel im Laden», spricht Renate Lanz aus, was viele der stöbernden, kaufenden oder noch suchenden Marktgänger denken.