Gericht

Keine Milde für einen Gewalttäter

Bezirksgericht Zofingen sprach Freiheitsstrafe von viereinhalb Jahren aus

Gericht

Bezirksgericht Zofingen sprach Freiheitsstrafe von viereinhalb Jahren aus

Weil seine Frau einen anderen hatte, war ein türkischer Ehemann mehrfach total ausgerastet. Der Türke stand wegen Vergewaltigung und versuchter vorsätzlicher Tötung in Zofingen vor Gericht. Inzwischen lebt das Paar aber offenbar wieder in Minne zusammen.

Von Rosmarie Mehlin

Hochschwanger nahm Ayse (Namen geändert) als Zeugin vor Bezirksgericht Zofingen Platz. Zu dem, was geschehen war, mache sie keine Aussagen mehr, erklärte die 26-Jährige, wohl aber zu dem, was jetzt sei: «Seit Juli letzten Jahres sei sie wieder mit Sadik zusammen, und am 10. Mai komme ihr gemeinsames drittes Kind zur Welt. «Auch ich hatte Fehler gemacht und ihn provoziert.»

Die Türkin Ayse ist hier geboren und aufgewachsen, hatte Sadik seit Kindheit von Ferienaufenthalten in der Heimat her gekannt. 2002 hatten die zwei in der Türkei geheiratet, seit Ende 2002 ist Sadik in der Schweiz. Mit zwei Jahren Studium als Vermessungstechniker im Gepäck arbeitet er hier als Koch; zwei Kinder wurden geboren. «Weil er immer Schicht hatte, sahen wir uns kaum. Jetzt hat er einen Job, in dem er nachts arbeitet und da sind wir tagsüber viel zusammen», so Ayse.

Vergewaltigung und Messerangriff

Als es in der Ehe immer mehr kriselte und Ayse ihm eröffnete, dass sie ihn verlassen möchte, rastete Sadik im November 2006 erstmals total aus: In der gemeinsamen Wohnung würgte er Ayse so lange, bis ihr schwarz vor Augen wurde. Im Frühling und Sommer 2007 kam es zu weiteren ähnlichen Übergriffen, worauf Ayse die gerichtliche Trennung beantragte und aus der gemeinsamen Wohnung auszog. Nachdem Sadik erfuhr, dass Ayse einen Lover hatte, kam es im Oktober 2007 zu einer ersten grossen Eskalation: In der Wohnung von Ayse erzwang er mit Gewalt den Geschlechtsverkehr mit ihr und spuckte ihr am Schluss ins Gesicht.

Einen Monat später versuchte er erneut, Sex zu erzwingen, liess aber rechtzeitig von ihr ab. Ende 2007 und Anfang 2008 würgte er sie wieder heftig und versetzte ihr auch einen wuchtigen Faustschlag ins Gesicht. Am 12. Januar 2008 dann griff Sadik in Ayses Küche nach einer heftigen Diskussion über deren Verhältnis zu dem anderen Mann zu einem Messer und stach zu. Er traf Ayses Arm, den diese reflexartig vor ihren Oberkörper gehalten hatte. Der Arm wurde durchstochen und ein Nerv durchtrennt.

4½ Jahre Freiheitsstrafe

Der Staatsanwalt qualifizierte dies als versuchte vorsätzliche Tötung. Dazu klagte er auf Vergewaltigung und weitere Gewalttaten und forderte 5½ Jahre Freiheitsstrafe. Der Verteidiger seinerseits stellte die Hauptdelikte lediglich als sexuelle Nötigung und vorsätzliche Körperverletzung dar: «Das Fehlverhalten meines Mandanten wiegt schwer, aber er hatte nie die Absicht, die Mutter seiner Kinder zu töten, sondern wollte ihr nur Angst einjagen.»

Inzwischen habe Sadik die Gewaltspirale überwunden, sei jetzt ein guter Ehemann und Vater. Um diesen Zustand nicht zu gefährden, so der Verteidiger, sei Sadik mit maximal 24 Monaten bedingt zu bestrafen.

Das Gericht unter Vorsitz von Christian Sigg aber folgte im Schuldspruch vollumfänglich dem Staatsanwalt, reduzierte aber, weil Sadik sich reuig zeige, die Freiheitsstrafe auf 4½ Jahre.

Meistgesehen

Artboard 1