Aarau

Kantonsspital Aarau eröffnet modernes Zentrum zur Behandlung von Schlaganfällen

Patient Ruedi Stoss (rechts) spricht mit Hansjörg Hungerbühhler, Leitender Arzt Neurologie im KSA.

Nach dem Hirnschlag zur Hochzeit

Patient Ruedi Stoss (rechts) spricht mit Hansjörg Hungerbühhler, Leitender Arzt Neurologie im KSA.

Ein Hirnschlag kommt meist ohne Vorwarnung, der Mensch kippt einfach um. Für die 1000 Fälle im Jahr ist schnelle Hilfe wichtig. Mit dem neuen Zentrum leistet das Kantonsspital Aarau Pionierarbeit – erfolgreich.

Hans Lüthi,

So wie Ruedi Stoss kann es jedem gehen, für ältere Menschen besteht ein erhöhtes Risiko. Am Samstag ist der 71-jährige gut trainierte und sportliche Grossvater zu Besuch bei der Familie seiner Tochter in Sisseln. Beim Gang durch den Garten kippt er plötzlich weg, Filmriss, die linke Körperseite zeigt schwere Lähmungen. Schwiegersohn Stefan Egli fährt sofort los, einen Teil der Fahrt bekommt Stoss mit, von der Behandlung im neuen Zentrum für Schlaganfall des KSA weiss der Patient nichts mehr. Er hatte viel Glück, der Verschluss der Hauptarterie konnte mit Medikamenten gelöst werden. Das gelingt nur bei 20 Prozent aller Fälle, meist sind operative Eingriffe nötig, um das verstopfte Gefäss wieder flüssig zu kriegen.

Chance für selbstständiges Leben

Die Gleichung ist brutal, aber sie entspricht der Realität: Je schneller der Hirninfarkt behandelt wird, desto grösser sind die Chancen zum Überleben und dafür, ein selbstständiges Leben führen zu können. Das neue Schlaganfall-Zentrum am KSA erfüllt als Erstes in der Deutschschweiz alle Bedingungen der internationalen Standards. Für die Aargauer Bevölkerung liegen die positiven Folgen auf der Hand. Das betonten vor den Medien Professor Ulrich Buettner, Chefarzt Neurologie, Professor Hans Landolt, Chefarzt Neurochirurgie, und Neurologe Hansjörg Hungerbühler. Bei zirka 12000 Hirnschlägen im Land entfallen 1000 auf den Aargau.

Beseitigung der Blutgerinnsel

Das KSA hat im letzten Jahr rund 500 Patienten behandelt, bei 80 Personen konnten die Blutgerinnsel mit modernsten Sondenmethoden medikamentös oder mechanisch entfernt werden. Für den Erfolg der Behandlung braucht es in allen Bereichen bis und mit der Pflege ein eingespieltes Team. Und dieses muss jederzeit sofort einsatzbereit sein, 24 Stunden jeden Tag und 7 Tage in der Woche. Wichtig ist die schnelle Einlieferung ins Spital, «entscheidend für den Erfolg die rasche Beseitigung der Blutgerinnsel». Durch den Infarkt sterben Hirnzellen und ganze Hirnareale ab, «Millionen von Zellen sind inaktiv, aber noch zu retten», sagen die Fachspezialisten. «Unsere Stärke ist die interdisziplinäre Zusammenarbeit», betont Professor Buettner. Der Erfolg: Im Aargau gibt es weniger Komplikationen, 70 Prozent der Patienten können drei Monate nach der Diagnose wieder gehen.

In den Räumen auf der neuen Station im 5. Stock des Hauptgebäudes in Aarau hat es auch Trainingsgeräte, denn die akute Rehabilitation gewinnt immer mehr an Bedeutung. Auch die vielen guten Reha-Kliniken helfen mit zu einer überdurchschnittlichen Versorgung im Aargau, die Kosten und menschliches Leid spart. Dank guter Organisation und mehr Effizienz sind die Kosten mit dem Schlaganfall-Zentrum eher günstiger. Der Hirninfarkt ist Ursache eins für Behinderungen, Ursache zwei für Demenz und Ursache drei bei den Todesfällen.

Bilder zeigen das Ausmass

Entscheidend für die richtige Diagnose sind die bildgebenden Maschinen Computer-Tomografie und die Magnet-Resonanz-Tomografie. «Dadurch sehen wir sofort, wo genau der Infarkt geschah, wie viel Blut vorhanden ist und welches Gewebe wir retten können», erklärt Luca Remonda, der leitende Arzt Radiologie am KSA. Dank neuer Geräte für die Analyse und neuer Techniken zur Behandlung «ergeben sich enorme Vorteile für uns und die Patienten». Das Aargauer Modell hat Zukunft, laut Professor Philippe Lyrer, Präsident der Schweizerischen Hirnschlaggesellschaft, braucht es im Land 12 solche Zentren und eine optimale Vernetzung der Regionen. Statt 25 Prozent könnten damit 80 Prozent der Notfälle abgedeckt werden.

Zurück zum Patienten Ruedi Stoss: Gestern spazierte er durch den Spitalpark in Aarau. Heute feiert er die Zivilhochzeit von Tochter Daniela mit Schwiegersohn Stefan. Denn die beiden wollen mit ihren Mädchen Lisa (7) und Sarina (2) für ein paar Jahre nach Singapur auswandern.

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