Eisbahn
Kampf um Weihermatt-Sanierung

Dass die Sanierung der Urdorfer Kunsteisbahn 2,11 Millionen Franken teurer wird, stimmt für die Personen hinter der Eisbahninitiative nicht. Der Gemeinderat habe mehr Optionen miteinbezogen, als im Projektausschuss erarbeitet.

Merken
Drucken
Teilen
Eisbahn Urdorf

Eisbahn Urdorf

Limmattaler Zeitung

Flavio Fuoli

Am 23. September kommt der Zusatzkredit von 2,11 Millionen Franken für die Eisbahnsanierung an die vorberatende Gemeindeversammlung, am 29. November entscheiden die Urdorferinnen und Urdorfer an der Urne über das Schicksal der Wintersportanlage (LiZ vom 20. August). Der Gemeinderat präsentierte letzte Woche die Weisung zu diesem Geschäft, das er mit einem Projektausschuss, in dem auch Vertreter der Eissportvereine sowie die Initianten Bernhard Kunz vom EHC Urdorf sowie Evelyne Locher vom Eislaufclub Urdorf vertreten waren, erarbeitet hatte.

Der Gemeinderat begründete letzte Woche, weshalb er auf die vom Generalunternehmer vorgelegte Offerte von 4,9 Millionen Franken weitere Kosten draufpackte, die seiner Meinung nach unbedingt zum Sanierungsvorhaben gehören. Er kam dabei auf 6,11 Millionen Franken, das sind 2,11 Millionen mehr als die auf vier Millionen Franken bereinigte Initiative gelautet hatte.

«An der Weisung haben wir keine Freude», erklärt Evelyne Locher, «weil es so für uns nicht stimmt.» Man habe während zweier Jahre im Projektausschuss mit dem Gemeinderat gearbeitet, und nun würden Sachen in die Vorlage hineinfliessen, die so nicht stimmten. Auf das Projekt von Peter Sturzenegger von Isler Architekten AG von 4,9 Millionen Franken seien wohl gewisse Sachen notwendigerweise aufgepackt worden, gewisse hätten ihrer Meinung nach dort nichts zu suchen. Auch Bernhard Kunz ist nicht zufrieden: «Dass jetzt im Nachgang der Gemeinderat weitere Kosten erkennen und anhängen will, ist befremdend und frustrierend für den zweijährigen Prozess.»

Es mache den Eindruck, alles und jedes herbeiziehen zu wollen, um das Projekt, gegen das sich der Gemeinderat ausgesprochen habe, vom Tisch zu wischen. «Es geht offenkundig darum, den schlechtest möglichen Fall darzustellen. Den positiven, konstruktiven Ansatz darin vom Gemeinderat, wo man differenziert Möglichkeiten erkennen könnte, ist nicht ersichtlich», urteilt Kunz. «Unter dem Strich geht es nicht über Franken, sondern offenkundig will der Gemeinderat die Eisbahn nicht.»

«Woher nimmt man das»

Evelyne Locher nennt als Beispiel den Posten «Bauherrenreserve/Unvorhergesehenes», das der Gemeinderat mit 291 000 Franken oder fünf Prozent der aufsummierten Kosten annahm. «Das ist viel zu hoch. Früher waren drei Prozent drin, dann haben wir uns im Ausschuss auf vier Prozent geeinigt und nun sind fünf Prozent drin.» Die Kosten für Einrichtung und Mobiliar, 70 000 Franken, seien viel höher als sie im Projektausschuss erarbeitet worden seien. Es dünkt sie auch, die Kosten für Matchuhr und Banden hätten private Sponsoren übernehmen können. Wobei sie bestätigt, dass der Eislaufclub in dieser Sache aktiver werden müsste; die Vereine seien aber auch nicht angefragt worden. Der Gemeinderat hatte letzte Woche erklärt, diesbezüglich keine Offerten erhalten zu haben und er deshalb die Bruttoinvestitionskosten aufführe.

Trotzdem «stört mich, dass zu viel reingebuttert wurde, es soll scheitern, indem der Zusatzkredit zu hoch erscheint», so Locher weiter. Gleicher Ansicht ist auch Architekt Peter Sturzenegger, der sich gegenüber der Limmattaler Zeitung relativ emotional äussert: «Ich hatte den Eindruck, der Gemeinderat wolle unbedingt über die sechs Millionen Franken kommen, damit das Geschäft an die Urne muss.» Er habe dem Gemeinderat Optionen für ein Energiecontracting durch die Erdgas Zürich aufgezeigt, was nicht berücksichtigt worden sei. Allerdings hat der Gemeinderat letzte Woche bestätigt, dass der Zusatzkredit auch bei einer Grösse von unter zwei Millionen Franken vor die Urne müsste, weil sich das Projekt von der Initiative zu deutlich unterscheide.

«Sportanlage gehört zu Urdorf»

Sowohl Locher wie Kunz geben zu bedenken, dass beiden Vereinen bewusst sei, dass sie auf einer sanierten Eisbahn mehr an die Betriebszeiten zahlen müssten; doch der Gemeinderat habe sie nie wegen eines möglichen Tarifsystems angeschrieben. «Die Eisbahn ist seit jeher ein wesentlicher Kostenfaktor», sagt Kunz, «aber sie bedeutet eine unheimliche Aufwertung für Urdorf. Sie ist zum Beispiel auch wesentlicher Bestandteil des Schulsports.»

Als Quintessenz ihrer Unzufriedenheit mit der Weisung des Gemeinderats wollen die an der Eisbahn interessierten Kreise handeln. «Wir müssen den Urdorfer Stimmberechtigten aufzeigen, was die volle Konsequenz hinter der Weisung des Gemeinderats ist. Es geht nicht nur um Finanzen, es geht auch um den Verlust einer bald nicht mehr existierenden Freizeitmöglichkeit.» Diese sei in der Urdorfer Bevölkerung tief verankert, was auch die deutliche Mehrheit bei der Abstimmung über die Initiative gezeigt habe. «Diese Sportanlage gehört zu Urdorf.»

«Wir müssen und wollen auf die Barrikaden steigen, das haben wir übrigens schon vor Jahren gemacht», ist sich Evelyne Locher bewusst, «die Urdorfer wollen die Weihermatt erhalten.» Diese Woche wird sich die Kerngruppe um Initianten und Projektausschussmitglieder über das weitere Vorgehen unterhalten.

Nicht über die Gerichte

Mit dabei sein wird auch ein Verwaltungsrechtsspezialist. «Es geht darum, den Leuten, die ein seltsames Gefühl haben, angesichts der Weisung Klarheit zu verschaffen. Er würde den Weg über die Gerichte nicht begehen», erklärt Bernhard Kunz. Es würden sich auch Leute ausserhalb der Eissportvereine für die Eisbahn und aktiv in der Abstimmung einsetzen.