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Kampf gegen den Speichensalat

Auf den Veloparkplätzen herrschen Chaos und Platzmangel. Die Kantonspolizei kämpft dagegen an und packt falsch parkierte und herrenlose Velos ein. Damit macht sie sich aber nicht nur Freunde.

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bz Basellandschaftliche Zeitung

Katja Schlegel

Überfüllte Veloparkplätze auf der Basler Allmend sorgen für rote Köpfe: Kreuz und quer stehen sie herum, Pedale, Schaltkabel und Velokörbchen ineinander verkeilt, ein heilloser Speichensalat. Dazwischen stecken Veloleichen - fahruntüchtige Fahrräder mit platten Reifen, kaputten Ketten und Gangschaltungen. Velos, die keiner mehr will und vor sich hin rosten.

Den falsch parkierten und herrenlosen Velos nimmt sich Peter Kolb an. Er ist Leiter der Fahrzeugaushändigungsstelle. Im vergangenen Jahr wurden insgesamt 2864 Velos eingesammelt. Davon wurden 457 verschrottet, 647 an den Besitzer ausgehändigt und rund 800 versteigert oder an Hilfswerke und nach Sri Lanka abgegeben.

Eingesammelt werden Velos, die keine oder nur eine abgelaufene Vignette haben und fahruntauglich sind. Sie werden von der Kantonspolizei verladen und in die Lagerhalle des Basler Zeughauses gebracht.

Dort werden sie in einer zentralen Datenbank erfasst. «Wer sein Velo zurück will, kann es bei der Fahrzeugaushändigungsstelle gegen eine Gebühr abholen», erläutert Peter Kolb. Meldet sich der Halter nicht von alleine, wird er ermittelt und benachrichtigt. Reagiert er nicht, werden Schrottfahrzeuge entsorgt und gute oder zu rettende Velos beispielsweise an Hilfswerke abgegeben.

Die Crux mit der Ordnung

Kolb bleibt auf den Fahrrädern sitzen, die Lagerhalle platzt bald aus allen Nähten. Eigentlich hätte es Platz für 500 Velos - eingestellt sind heute rund 700. Und anstatt der nur knapp 3000 eingesammelten Velos hätte man problemlos das Doppelte mitnehmen können, so Kolb. Doch dafür fehlen die Arbeitskräfte, und eben, der Platz.

«Das ist bedenklich - selbst Velos in gutem Zustand werden von den Besitzern nicht mehr abgeholt», sagt Kolb. Von den Velos, die beispielsweise am Bahnhof SBB falsch abgestellt und abtransportiert wurden, werden jeweils nur gerade 60 Prozent wieder an den Besitzer zurückgegeben. Wir seien halt eine typische Wegwerfgesellschaft, sagt Kolb leicht zerknirscht. «Dazu kommt, dass viele Leute noch nicht einmal mehr die Marke ihres Velos kennen, geschweige denn die Rahmennummer. So wissen sie nicht einmal, wonach sie suchen müssen.»

Trotzdem: Die Velos einfach stehen lassen will Kolb nicht. Das sei keine Alternative, Ordnung müsse sein. «Ausserdem kontrollieren wir jedes Velo, ob es als gestohlen gemeldet ist, oder nicht. Das kommt dem Besitzer ja zugute.»

«Unverhältnismässiges Vorgehen»

Dass sich die Stadt mit dem rigorosen Vorgehen gegen wild abgestellte Fahrräder nicht nur Freunde macht, ist klar. Auf wenig Gegenliebe stösst das Projekt beispielsweise bei Pro Velo beider Basel. «Dass diese Velos direkt abtransportiert werden, halten wir für unverhältnismässig», sagt Geschäftsführerin Kathrin Schweizer. Schliesslich könne ein Velo, im Gegensatz zu einem falsch parkierten Auto, problemlos zur Seite gestellt werden. «Die Leute empfinden dieses Vorgehen als reine Schikane und reklamieren bei uns», so Schweizer. Die Reklamationen würden sich aber auf die Abstellplätze beim Bahnhof beschränken.

Einverstanden zeigt sich Pro Velo hingegen mit dem Abtransport offensichtlich fahruntüchtiger Fahrräder. «Diese brauchen schliesslich unnötig Platz.» Abhilfe gegen das Velo-Problem würden Schweizers Meinung nach in erster Linie zusätzliche Veloabstellplätze schaffen.