Globuli
Jetzt lassen sich auch Bello und Co. mit Globuli behandeln

Die Tierhomöopathie ist auf dem Vormarsch. Doch im Kanton Aargau sind Globuli & Co. ein heikles Thema. Tiere bei medizinischen Problemen mit homöopathischen Mitteln zu behandeln, ist im Kanton Aargau ausschliesslich Tierärzten vorbehalten - im Gegensatz beispielsweise zu den Kantonen Solothurn und Basel-Landschaft.

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Katja Schlegel

Tierhomöopathie ist längst kein «Bio-Ding» mehr: «Vom Spitzenzüchter bis hin zum Hobbybauer setzen inzwischen viele auf Homöopathie», sagt Bernadette Vogt vom Holderhof in Lupfig. Sie leitet am Landwirtschaftlichen Zentrum Liebegg die Kurse «Homöopathie im Rindviehstall». Die Kurse sind sehr gefragt: Wird eine Kuh mit Antibiotika behandelt, dürfen Milch und Fleisch während einer mehrtägigen Sperrfrist nicht verwendet werden; im Bio-Bereich sind diese Fristen doppelt so lang. Das bedeutet Einkommensausfälle. Wird sie hingegen mit Globulis, wie die homöopathischen Mittel in Kugelform genannt werden, behandelt, ist das billiger und es gelten keine Fristen. Trotzdem: Ohne Schulmedizin kommt die Homöopathie nicht aus. Vogt: «Sie kann die Schulmedizin nicht ersetzen. Es sollte ein Miteinander sein.»

Beraten ja, behandeln nein

Das Prinzip der Homöopathie

Homöopathie heilt «Ähnliches mit Ähnlichem»: Ein Stoff, der bei einem Gesunden bestimmte Symptome hervorruft, kann in verdünnter Form bei einer kranken Person mit ähnlichen Symptomen heilend wirken. (ksc)

Selbst nachweislich ausgebildete Tierhomöopathen können keine kantonale Bewilligung erlangen. «Man darf die Halter kranker Tiere beraten, kann beispielsweise Gesundheitsvorsorge betreiben und bei Verhaltensstörungen behandeln», sagt Priska Mathys, Tierhomöopathin aus Zeihen und Vorstandsmitglied beim Homöopathie Verband Schweiz (HVS). Weiter können Tierhalter beraten und geschult werden: «Die Tierhalter können jedes homöopathische Mittel in der Drogerie selber kaufen. Wichtig ist, dass Halter richtig geschult werden, um dem Tier keinen Schaden zuzufügen». Die Beschaffung der Mittel und die Verabreichung seien dann Sache des Halters.
Dieser Zustand birgt laut Mathys grosse Gefahren: Solange im Aargau keine Zulassungen vergeben werden, können sich auch Leute ohne jegliche Ausbildung als Tierhomöopathen ausgeben und Halter beraten. «Das ist ein Nährboden für Wildwuchs», sagt Mathys. Denn das Geschäft ist lukrativ: Tierhomöopathen sind je länger je gefragter und im Internet zu Dutzenden zu finden.

Das macht dem Laien das Auffinden eines ausgebildeten Tierhomöopathen schwer. «Der Kanton ist der Meinung, das restriktive Gesetz, wonach nur ein Tierarzt ein medizinisch krankes Tier mit homöopathischen Mitteln behandeln darf, sei Schutz genug - aber dem ist nicht so», sagt Mathys. Um die Spreu vom Weizen zu trennen, prüft der HVS die Tierhomöopathen auf ihre Fähigkeiten und führt eine Therapeutenliste. Auf politischer Ebene setzt der HVS sich für eine eidgenössische Berufsanerkennung ein. Mathys: «Eine Zulassungsregelung wäre zum Schutz von Tier und Besitzer.»