Fisibach

«Immerhin gibt das Muckis»

Im Zurzibiet begleitet eine Seniorin einen straffälligen Jugendlichen bei seinem Einsatz. Zwei Generationen allein im Fisibacher Wald – nicht ganz. Die AZ hat sich dem ungleichen Gespann an die Fersen geheftet.

Katja Schlegel

Fabian (Name geändert) schlägt den Spalthammer in den Holzrugel. Etwas zu zaghaft; die stumpfe Klinge rutscht der feuchten Rinde entlang, bohrt sich in den aufgeweichten Boden, Dreck und Kiesel spicken durch die Luft. «Voll daneben», ärgert sich der Teenager und versetzt dem Holz einen Tritt. «Das macht doch nichts», sagt Betreuerin Micheline Schmid aufmunternd, «probier es einfach noch mal.» Fabian holt aus und schlägt den Spalt mit einem Knall entzwei.

Fabian schuftet nicht freiwillig. Der 17-Jährige ist straffällig geworden und die Kreisschulpflege Rheintal-Studenland hat ihn zu sieben Tagen Arbeit verknurrt. Drei auf dem Bauernhof, vier im Wald, neun Stunden am Tag. Damit Fabian nicht ausbüxt oder Unsinn macht, passt die 61-jährige Micheline Schmid aus Kleindöttingen auf ihn auf. Die beiden sind das erste Gespann des Zurzacher Projekts «Generationenarbeit: Die besondere Aufgabe» von Schulpflege und Pro Senectute. Sinn und Zweck des Projekts: Senioren begleiten und betreuen straffällige Jugendliche bei ihren Arbeitseinsätzen und entlasten damit die betroffenen Arbeitgeber. Für Forstwart André Schleuniger eine gute Lösung: «Ich muss Fabian zwar zeigen, wie die Arbeiten funktionieren, kann aber für den Rest des Tages meinen eigenen Aufgaben nachgehen.»

Strafe muss sein

Fabian hackt und hackt, murkst mit dem Keil die widerspenstigen Holzrugel auseinander, einen nach dem andern. Über ihm pfeifen die Vögel, es ist angenehm kühl. Schmid schaut zu, wechselt immer wieder ein paar Worte mit dem Teenager. «Wir haben es gut miteinander, plaudern über dies und das», sagt Schmid sichtlich erleichtert. Ganz geheuer war es ihr erst nicht bei dem Gedanken, tagelang mit einem jungen Mann mutterseelenallein im Wald zu sitzen. Aber Fabian sei weder böse noch unhöflich, sagt Schmid und lobt ihn sogar: «Er erledigt seine Arbeit gewissenhaft, lässt kein Stück aus, auch wenn die dünneren Hölzer viel schwieriger zu zerlegen sind.»

Nach zwei Stunden lässt Fabian erschöpft den Spalthammer sinken. Er ist sich diese harte Arbeit nicht gewohnt; der Schweiss rinnt, der Rücken tut ihm weh und der Holzstapel schwindet Fabian viel zu langsam. «Komm schon, bald kannst du Pause machen», stachelt Schmid ihn an und offeriert ihm einen Becher Wasser. Doch bei Fabian ist die Luft raus, lust- und kraftlos haut er den Hammer ins Holz. Er wäre jetzt viel lieber in der Badi, mault er, bei dem schönen Wetter. Aber es hilft alles nichts. Strafe muss sein, das sieht Fabian ein. Und etwas Gutes hat die ganze Sache ja auch: «Immerhin gibt diese Arbeit Muckis.»

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