Schwäne
Hilfe für gefährdete Schwäne am Hochrhein

Seit Ende letztes Jahr versucht Carmen Weitzel vom Schwanenschutzkomitee Hochrhein zu erreichen, dass das Fährseil in Mumpf mit Fähnchen verblendet wird. Nun tragen ihre Bemühungen Früchte.

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Im Einsatz für die Schwäne am Hochrhein
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Fährseilopfer I
Fährseilopfer II

Im Einsatz für die Schwäne am Hochrhein

Zur Verfügung gestellt

Lilly-Anne Brugger

«Wir haben einen Dreiviertelerfolg errungen», sagt Carmen Weitzel zur Zusage der Gemeinde Mumpf, ab Herbst während der Nicht-Betriebszeit der Fähre das Seil mit Fähnchen zu verblenden. Darüber seien sie, das Schwanenschutzkomitee Hochrhein und viele am Hochrhein beheimatete deutsche Tierschutzorganisationen sehr froh. Trotz diesem Teilerfolg bleibt aber ein bisschen Bitterkeit: Während der Betriebszeit der Fähre wird das Seil für Schwäne auch weiterhin kaum sichtbar sein und für diese ein oft tödliches Hindernis darstellen.

Seil verletzt Schwäne schwer

Carmen Weitzel weiss, wovon sie spricht. Als Naturschutzwartin und Tierinspektorin des deutschen Landkreises Waldshut ist sie täglich am Hochrhein und hilft verletzten Tieren. Im Umkreis der Mumpfer Fähre findet sie immer wieder Schwäne, die sich beim Zusammenstoss mit dem Fährseil an den Füssen verletzt haben, denen das Seil einen Flügel abgetrennt hat oder die vom Seil richtiggehend skalpiert wurden. Der Grund, weshalb Schwäne ins Fährseil flögen, sei nicht eine angebliche Überpopulation, betont Weitzel. «Auch bei geringer Population fliegen Schwäne ins Seil, da dieses bei schlechtem Wetter nicht zu sehen ist.»

Update

Immer wieder fliegen in Mumpf Schwäne ins Fährseil und verletzen sich dabei oft tödlich. Aufgrund von Reaktionen aus der Bevölkerung und dem Schwanenschutzkomitee Hochrhein hat der Gemeinderat von Mumpf entschieden, das Fährseil während der Nicht-Betriebszeit mit Fähnchen sichtbar zu machen. Der Gemeinderat ist aber der Meinung, dass nicht das Fährseil, sondern die grosse Schwanenpopulation und die damit einhergehenden Revierkämpfe die Ursache für die tödlichen Zusammenstösse seien. Deshalb sollen Schwäne künftig im Winter nicht mehr gefüttert werden, um so die Population wieder zu verkleinern. (lbr)

Keine Überpopulation

So kann Carmen Weitzel Aussagen der Gemeinde Mumpf, es lebten 80 bis 120 Schwäne auf dem Rheinabschnitt Bad-Säckingen bis Möhlin-Riburg, nicht verstehen: «Ich habe auf diesem Rheinabschnitt noch nie 120 Schwäne gezählt.» Es sei allerdings so, dass hier momentan einige Schwäne mehr lebten als sonst, da wegen der Kraftwerkbaustelle in Rheinfelden die Tiere ein riesiges Futterareal verloren hätten. «Die Schwäne sind vertrieben worden und haben sich logischerweise neue Reviere gesucht», so Weitzel. Sie ist überzeugt, dass die Tiere wieder zurückkehren, sobald das Kraftwerk fertig gebaut und die Renaturierungsmassnahmen abgeschlossen sind. Für Carmen Weitzel ist klar: «Es gibt nicht zu viele Schwäne, sondern zu viele Menschen, die ihnen beispielsweise mit Zäunen den Zugang zu ihren Weideflächen verwehren.» Laut den europäischen Vogelschutzrichtlinien dürfen Schwäne auf Flächen neben Seen und Flüssen weiden.

Schwäne suchen ihre Nahrung nicht nur auf Wiesen, sondern auch im Wasser. Doch dort werden die Pflanzenbestände immer weniger. Gerade im Winter finden dann Schwäne kaum genügend Futter. Eine Zufütterung werde dann nötig – auch damit die Schwäne nicht krank werden. «Es ist wissenschaftlich gesichert, dass Füttern im Winter die Schwanenpopulation nicht erhöht», betont Weitzel.

Kein neu auftretendes Problem

Die Zusammenstösse von Schwänen mit dem Fährseil seien kein neuerdings auftretendes Phänomen, sagt Carmen Weitzel. «Da erst vor zehn Jahren in der Nähe der Fähre Häuser gebaut wurden, werden die Zusammenstösse erst seit dann vermehrt beobachtet.» Um dem Mumpfer Fährseil seine Gefährlichkeit zu nehmen, gibt es für Weitzel deshalb nur eine Lösung: Das Seil muss jederzeit mit Fähnchen sichtbar gemacht werden. So ist dies bei den Seilen geschehen, die das Bundesamt für Umwelt (Bafu) in Rheinfelden für die Wasserstandsmessung benutzte. Nachdem Carmen Weitzel auf die Gefährlichkeit der Seile aufmerksam gemacht hatte, wurde dort und bei allen anderen vom Bafu in der Schweiz benutzten Seilen ein zweites mit Fähnchen versehenes Seil gespannt. «Mir wurde bestätigt, dass dies keinen grossen Kostenaufwand bedeutet, da es sich um ein Kabelseil handelt, das keine tonnenschwere Fähre ziehen muss», betont Weitzel.

Eine ähnliche Massnahme sei eigentlich für jedes Seil nötig, das über einen Fluss gespannt werde, sagt Carmen Weitzel. Deshalb hat sie schon vor sechs Jahren bei der Gemeinde Mumpf telefonisch reklamiert. Passiert sei aber nichts. Ende 2009 hat Weitzel im Namen des Schwanenschutzkomitees und mit Unterstützung aller führenden deutschen Tierschutzorganisationen am Hochrhein einen Antrag eingereicht, versehen mit Augenzeugenberichten von Einwohnern, die in Mumpf beobachtet haben, wie Schwäne ins Fährseil geflogen sind. Ausserdem schrieb Carmen Weitzel im Frühjahr den Kanton an. Daraufhin zeigten ihre Bemühungen Erfolg, es wurde zugesichert, während der Winterzeit Fähnchen aufzuhängen. «Dies ist ein Schritt in die richtige Richtung», freut sich Weitzel.